In Schleswig-Holstein sorgt ein Buckelwal für Aufregung und Hoffnung zugleich. Der Wal, in der Region liebevoll „Timmy“ genannt, wird derzeit in einem Lastkahn (Barge) Richtung Nordsee transportiert. Die private Rettungsinitiative, die sich um ihn kümmert, muss dabei ohne Unterstützung des dänischen Umweltministeriums auskommen. Dieses hat sich nicht an der Rettung des gestrandeten Meeressäugetiers beteiligt.
Der Buckelwal wurde insgesamt 29 Tage lang vor der Insel Poel gesichtet, bevor er am Dienstag in die Barge bugsiert und mit Gurten gesichert wurde. Begleitet wurde der Transport von kleineren Booten, die ihn durch die Wismarer Bucht führten. Dabei befindet sich der Wal in einem Schwimmdock, das üblicherweise für kleinere Schiffe genutzt wird. Zu Beginn wurde ein Netz installiert, um zu verhindern, dass er aus dem Dock schwimmt. Der Konvoi erreichte am Freitagabend die Nordsee, musste jedoch aufgrund hoher Wellen zurückfahren.
Der Zustand des Wals und die Bedenken der Experten
Meeresbiologe Fabian Ritter, Mitgründer des Wal- und Delfinschutzvereins „M.E.E.R.“, äußerte seine Skepsis hinsichtlich der Rettungsmaßnahmen. Er beschreibt den Zustand des Wals als prekär und warnt, dass der Einsatz von schwerem Gerät und die Vielzahl an Menschen dem Wal schaden könnten. Ritter vergleicht die Stressfaktoren mit einer hellen Lampe, die einem Menschen drei Tage lang ins Gesicht gehalten wird. „Ein Wal kann nach drei Tagen nicht einfach angeschubst werden“, betont er, „ohne sicherzustellen, dass er bewegungsfähig ist und Nahrung zu sich nehmen kann.“
Ein Peilsender wurde am Wal angebracht, um seine Bewegungen zu verfolgen. Es gibt bereits positive Anzeichen: Timmy bläst regelmäßig Fontänen und bewegt sich. Kritiker warnen jedoch vor der Stressbelastung durch Lärm und den Transport. Ritter fordert zudem Ergebnisse von Blutproben oder Analysen der Blasluft, um den Gesundheitszustand des Wals besser einschätzen zu können.
Der Transport und die Herausforderungen
Die geplante Rettungsaktion sieht vor, dass der Wal mit Schiffstechnik transportiert wird, wobei ein Lastkahn das Tier samt Wasser aufnehmen soll. Der Abtransport war zuletzt frühestens für Dienstag geplant, doch der Zeitpunkt der Freilassung des Wals bleibt unklar.
Die Strandung des Buckelwals ist nicht nur ein lokales Ereignis, sondern verdeutlicht die ernsthaften Gesundheitsprobleme, die durch menschliche Aktivitäten im Meer verursacht werden. Jährlich verstricken sich weltweit rund 300.000 Wale und Delfine in Fischereigeräten, was die Bedeutung von Schutzmaßnahmen und effektiven Meeresschutzgebieten unterstreicht.
Der Weg zu einem besseren Schutz der Meeressäugetiere
Die WDC (Whale and Dolphin Conservation) ist eine Organisation, die sich für Wal- und Delfinschutz einsetzt, jedoch nicht als Rettungsorganisation fungiert. In Deutschland sind örtliche Tierrettungen wie die Küstenwache, Feuerwehr oder Polizei für Strandungen zuständig, während WDC sich für langfristige gesetzliche Veränderungen engagiert. In diesem Kontext wird die Notwendigkeit eines offiziellen Strandungsprotokolls für Walstrandungen in Deutschland immer deutlicher.
Die Geschichte von Timmy ist ein eindringlicher Appell, die Herausforderungen, denen Meeressäugetiere gegenüberstehen, ernst zu nehmen und die Verantwortlichen zu einem effektiveren Handeln zu bewegen.