Ein Buckelwal auf der Reise in die Freiheit – so könnte man die aktuelle Situation des Wals, der vor der dänischen Küste entdeckt wurde, treffend beschreiben. Der imposante Meeressäuger, der in einem Lastkahn untergebracht ist, wird derzeit von den Schiffen „Fortuna B“ und „Robin Hood“ in die Nordsee geschleppt. Mit einer Geschwindigkeit von 4-5 Knoten, was etwa 7-10 km/h entspricht, bewegt sich der Schleppverband zügig in Richtung seines Zielortes. Sonnensegel schützen die empfindliche Haut des Wals, während ein Peilsender an seiner Finne angebracht wird, um seine Bewegungen genau verfolgen zu können.
Die private Rettungsinitiative, die sich um den Wal kümmert, gibt Entwarnung: Karin Walter-Mommert berichtet, dass es dem Tier gut gehe. Es singe und bewege sich, ein positives Zeichen für alle Beteiligten. Geplant ist, den Wal idealerweise vor der Küste Norwegens auszusetzen. Interessanterweise hatte der Wal bereits 29 Tage vor der Insel Poel gelegen, bevor er in den Lastkahn gebracht wurde, und er hat in dieser Zeit mehrere Strandungen erlebt.
Der Transport und seine Herausforderungen
Der Transport des Wals erfolgt in einem Schwimmdock, das wie ein schwimmendes Aquarium funktioniert. Dies könnte als innovativer Schritt angesehen werden, jedoch gibt es auch kritische Stimmen. Walforscher Fabian Ritter äußert Skepsis angesichts der gesundheitlichen Probleme des Wals und warnt vor Stressbelastungen durch den Lärm während des Transports. Unabhängige Fachleute raten dazu, dem Wal Ruhe und palliative Versorgung zu bieten, anstatt ihn über mehrere Tage zu transportieren. Diese Bedenken werden durch die Tatsache gestärkt, dass das dänische Umweltministerium keine Rettung im Falle einer erneuten Strandung plant, da solche Ereignisse als natürliche Phänomene gelten.
Umweltminister Till Backhaus (SPD) hat die Rettungsaktion jedoch genehmigt und betont den persönlichen Einsatz der Beteiligten. Er lobt die Helfer und erklärt, dass die Reaktion des Wildtiers auf das Gurtsystem unvorhersehbar sei. Tierärzte der privaten Initiative halten den Wal für transportfähig, was die Hoffnung auf eine erfolgreiche Rettung nährt. Walter Gunz, einer der Geldgeber, zeigte sich erleichtert über den Fortschritt und die positive Entwicklung der Rettungsaktion.
Eine Reise ins Ungewisse
Die Barge mit dem Buckelwal hat inzwischen den Großen Belt erreicht und ist nun etwa 170 Kilometer von der Nordsee entfernt. Der Konvoi könnte am 1. Mai die Nordsee erreichen, wobei die Wetterprognosen warnen vor starkem Wind und Wellenhöhen von bis zu zwei Metern. Diese äußeren Bedingungen bringen zusätzliche Herausforderungen mit sich, und die Initiative hat einen Exitplan für den Fall, dass der Wal unruhig wird.
Die Kommunikation über den Zustand des Wals erfolgt ausschließlich durch die private Initiative, was Bedenken hinsichtlich der Transparenz aufwirft. Medienvertreter und Behörden sind nicht direkt am Transport beteiligt, was die Diskussion über die ethischen Implikationen dieser Rettungsaktion weiter anheizt. Meeresbiologe Fabian Ritter fordert mehr Offenheit und kritisiert, dass die GPS-Daten des Wals nicht öffentlich zugänglich gemacht werden.
Die Hoffnung bleibt, dass der Wal, der bereits viele Kilometer zurückgelegt hat, nun endlich in eine Umgebung gelangt, die ihm ein Leben in Freiheit ermöglicht. Doch Experten sind sich einig, dass der Transport allein nicht ausreicht, um ihn zu retten. Die Initiative plant, Lehren aus der Strandung zu ziehen und ein Einsatzteam für zukünftige Wal-Rettungen zu etablieren, um im Notfall besser reagieren zu können.