Heute ist der 29.04.2026, und die Region Schleswig-Flensburg steht im Zeichen eines maritimen Debakels. Die vollelektrische Seilfähre „Missunde III“ sollte eigentlich am heutigen Tag ihren Betrieb aufnehmen, doch die Realität sieht anders aus. Trotz des vorläufigen Fährzeugnisses, das die Fähre am Montag erhielt, bleibt sie aufgrund technischer Mängel an der landseitigen Infrastruktur am Kai festgemacht.

Die Fähre, die zwischen Missunde im Kreis Rendsburg-Eckernförde und Brodersby im Kreis Schleswig-Flensburg verkehren sollte, hat eine beeindruckende Länge von 28,5 Metern und eine Breite von 8,2 Metern. Sie ist für bis zu 120 Personen und Fahrzeuge bis 40 Tonnen ausgelegt. Doch während die ersten Überfahrten mit der „Missunde III“ reibungslos verliefen, gibt es massive Probleme beim Anlegen. Die Anleger passen nicht zum Schiffskörper, was zu einem Umweg von rund 40 Kilometern für Anwohner und Touristen führt. Sie müssen nun auf alternative Routen über Schleswig oder Kappeln zurückgreifen.

Herausforderungen und Verzögerungen

Die Inbetriebnahme der „Missunde III“ wurde auf unbestimmte Zeit verschoben, da das Zusammenspiel zwischen dem Schiff und den Anlegestellen nicht funktioniert. Aktuelle Testfahrten haben gezeigt, dass die Rampen und die Seilführung im Alltagsbetrieb unpraktikabel sind. Bei schwierigen Windverhältnissen oder Strömungen kann die Elektro-Fähre nicht sicher an die Rampen manövriert werden. Der Landesbetrieb für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz Schleswig-Holstein (LKN.SH) muss umfangreiche Nachbesserungen an der Landseite vornehmen.

Der Bürgermeister von Kosel, Tobias Hansen, äußert sich zwar positiv zur Entwicklung und sieht die vorläufige Gewichtsbegrenzung als unproblematisch an, doch die Kritiker sind laut. Sie bemängeln, dass die Dimensionen des neuen Schiffes nicht ausreichend mit den baulichen Gegebenheiten abgeglichen wurden. Der ursprüngliche Starttermin am 1. April 2026 musste aufgrund von Problemen beim Anlegen verschoben werden, und die Anlegekeile wurden nachgebessert und stabilisiert.

Finanzielle Aspekte und öffentliche Kritik

Die Kosten für das Fährprojekt haben sich mittlerweile auf mehr als 6,5 Millionen Euro belaufen, während ursprünglich 2,5 Millionen Euro kalkuliert waren. Diese erheblichen Kostensteigerungen und Verzögerungen stehen in der Kritik, insbesondere von der Opposition im Kieler Landtag, die eine Prüfung der Kosten fordert. Eine rechtliche Überprüfung klärt zudem, ob die Verantwortung für Fehlkonstruktionen beim LKN oder dem Konstruktionsbüro liegt.

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Die Erhöhung der Batteriekapazität und der Einbau von vier Querstrahlrudern zur Stabilisierung beim Anlegen haben bereits rund 1,3 Millionen Euro gekostet. Fahrzeuge über 7,5 Tonnen dürfen derzeit nicht befördert werden, und eine Erhöhung der Fahrpreise wird diskutiert. Die lokale Wirtschaft sowie die Tourismusbranche berichten von erheblichen Einbußen aufgrund des Ausfalls der Fährverbindung.

Die „Missunde III“ steht somit nicht nur als neues Fährschiff, sondern auch als Symbol für misslungene Planung und unzureichende Koordination in der maritimen Infrastruktur. Die Hoffnung auf eine baldige Lösung bleibt bestehen, doch bis dahin bleibt die Fähre, die die alte „Missunde II“ ersetzen sollte, ein trauriges Beispiel für die Herausforderungen der modernen Schifffahrt.