Heute ist der 27.04.2026 und während viele Schulabgänger in Schleswig-Holstein voller Vorfreude auf den Ausbildungsstart im August und September blicken, zeigt sich der Arbeitsmarkt in einem dynamischen Wandel. Die Chancen auf einen Ausbildungsplatz stehen gut, denn bis Ende März 2026 wurden bereits rund 1.200 Lehrverträge im Handwerk unterzeichnet. Die positive Resonanz der Industrie- und Handelskammer Schleswig-Holstein (IHK) zur bisherigen Bewerbungsphase untermauert diese Entwicklung.

Ein immer größerer Einfluss von Künstlicher Intelligenz (KI) wird in der Erstellung von Bewerbungen spürbar. Dennoch legen Unternehmen großen Wert auf persönliche Eindrücke, die durch Vorstellungsgespräche, Praktika und Probearbeiten gewonnen werden. Schulnoten sind zwar nicht mehr das ausschlaggebende Kriterium, bleiben jedoch von Bedeutung, insbesondere in naturwissenschaftlichen Fächern, die für bestimmte Berufe relevant sind. Betriebe suchen vor allem nach Sozialkompetenzen, Interesse am Handwerk und Verlässlichkeit.

Vielfalt der Ausbildungsberufe

Besonders gefragt sind kaufmännische Berufe, wie beispielsweise in der IT, sowie gewerblich-technische Berufe und Handwerksberufe. Zu den beliebten Ausbildungsberufen zählen unter anderem der Industriemechaniker, Kraftfahrzeugmechatroniker und Anlagenmechaniker. In Schleswig-Holstein gibt es rund 130 unterschiedliche Berufe im Handwerk, viele davon weniger bekannt, wie Bootsbauer oder Kälte- und Klimatechniker.

Die Rückkehr zum Abitur nach 13 Schuljahren hat in diesem Jahr zu einem Mangel von etwa 5.000 Abiturienten geführt. Dies stellt für Unternehmen eine Herausforderung dar, da rund 2.200 Ausbildungsplätze noch unbesetzt sind. Im Bäckerhandwerk ist die Lage besonders angespannt, denn nur noch vier Berufsschulen stehen zur Verfügung, wo zuvor zehn Lehrstätten existierten.

Ausbildung zum Sozialpädagogischen Assistenten

Ein besonderer Ausbildungszweig, der in Schleswig-Holstein ebenfalls an Bedeutung gewinnt, ist die Ausbildung zum Sozialpädagogischen Assistenten (SPA). Diese Ausbildung wird in zwei Varianten angeboten: einer dreijährigen und einer zweijährigen Ausbildung. Für die dreijährige Ausbildung ist der erste allgemeinbildende Schulabschluss (ESA) erforderlich, während für die zweijährige Ausbildung der mittlere Schulabschluss (MSA) Voraussetzung ist. Beide Ausbildungswege erfordern ein erweitertes Führungszeugnis und einen Masernschutz-Nachweis.

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Die praxisintegrierte Ausbildung (PiA) zielt darauf ab, den Praxisbezug während der Ausbildung zu stärken. Hierbei wird sowohl an einer Beruflichen Schule als auch in einer Kindertageseinrichtung mit Ausbildungsvertrag gelernt. Die Ausbildungsstandorte in Schleswig-Holstein sind breit gefächert, unter anderem an der RBZ Hannah-Arendt-Schule AöR, dem Regionalen Berufsbildungszentrum am Königsweg Kiel und der Dorothea-Schlözer-Schule.

Die Herausforderungen im Ausbildungsmarkt

In Schleswig-Holstein beginnen jährlich tausende Jugendliche ihre duale Ausbildung, doch die Abbruchquote liegt mit rund 32 % über dem Bundesschnitt. Besonders im Hotel- und Gastgewerbe ist die Quote alarmierend hoch, während technische Berufe wie Konstruktionsmechaniker bessere Werte aufweisen. Etwa 7,4 % der jungen Menschen haben bis zum 25. Lebensjahr keinen Berufsabschluss – auch dies ist ein Wert, der über dem Bundesdurchschnitt liegt.

Die Zufriedenheit der Auszubildenden variiert stark zwischen den Berufen, wobei häufige Probleme wie unpassende Arbeitszeiten oder ausbildungsfremde Tätigkeiten angeführt werden. Um Ausbildungsabbrüche zu vermeiden, sind frühzeitige Informationen durch Praktika und die Einbeziehung von Ausbildungsberatern von großer Bedeutung. Zudem sollten strukturierte Ausbildungspläne und regelmäßiges Feedback durch die Betriebe selbstverständlich sein.

Für Jugendliche und Eltern gilt es, realistische Erwartungen an den Beruf zu entwickeln und frühzeitig Fragen zu Arbeitszeiten, Übernahmechancen und Aufgabenbereichen zu stellen. Die Wirtschaftsküste Schleswig-Holsteins bietet viele Chancen, doch die Herausforderungen im Ausbildungsmarkt sind nicht zu unterschätzen und erfordern Aufmerksamkeit und Engagement aller Beteiligten.