Heute ist der 29.05.2026. Die Diskussion um die zukünftige Energieversorgung in Deutschland wird aktuell von der Kraftwerksstrategie der Bundesregierung geprägt. Im Mittelpunkt steht der geplante Zubau neuer Erdgaskraftwerke. Doch wie realistisch ist dieser Plan wirklich? Eine Studie des Wuppertal Instituts, beauftragt von Greenpeace Deutschland, wirft Fragen auf: Sie kommt zu dem Schluss, dass der Zubau deutlich überdimensioniert ist. Die Untersuchung trägt den Titel „Studie zur Lastabdeckung und Versorgungssicherheit in einem zukünftigen Energiesystem mit hohem Anteil von fluktuierenden erneuerbaren Energien“ und zeigt, dass alternative Flexibilitätsoptionen durchaus in der Lage sind, die Schwankungen bei Wind- und Solarstrom auszugleichen.

Es gibt eine Vielzahl von Optionen, die als Alternativen zu den Erdgaskraftwerken analysiert wurden. Energieeffizienz auf Nachfrage- und Versorgungsseite, Demand Response in der Industrie, Batteriespeicher, flexible Elektrolyse, Geothermiekraftwerke, steuerbare Wärmepumpen, Power-to-Heat-Anlagen und die Überbauung von Biogasanlagen – all diese Maßnahmen können Dunkelflauten, also Zeiten mit wenig Wind und Sonne, bis zu fünf Tage überbrücken. Ein interessanter Punkt: Zusätzliche Backup-Kapazitäten sind nur dann relevant, wenn es zu längeren Dunkelflauten kommt, die im Durchschnitt weniger als einmal pro Jahr auftreten.

Der Blick in die Zukunft

Im Jahr 2035 wird zwar eine Versorgungslücke von etwa 12 Gigawatt bei langen Ereignissen mit hoher Residuallast erwartet, doch die tatsächliche Größe dieser Lücke hängt stark vom Ausbau alternativer Flexibilitätsoptionen ab. Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz und die Flexibilisierung der elektrischen Wärmeerzeugung könnten helfen, diese Lücke zu verringern oder sogar zu schließen. Wer denkt, neue Gas-Backup-Kraftwerke wären die einzige Lösung, irrt sich. Laut der Studie sollten diese nur gebaut werden, wenn sie auf grünen Wasserstoff umgestellt werden können – und diese Umstellung ist frühestens ab 2035 möglich.

Stefan Thomas, der Leiter der Abteilung Energie-, Verkehrs- und Klimapolitik am Wuppertal Institut, äußert dazu, dass es ungewiss ist, ob die geplanten neuen Kapazitäten bis 2032 wirklich gebraucht werden. Er empfiehlt, die Potenziale alternativer Flexibilitätsoptionen zu nutzen, da diese nicht nur kostensparend, sondern auch schnell umsetzbar sind.

Das Portal der Möglichkeiten

<pDer Bundesverband Neue Energiewirtschaft (BNE) hat in diesem Kontext ein Informationsportal zur Dunkelflaute ins Leben gerufen. Ziel ist es, die Versorgungssicherheit zu skizzieren, wenn die Einspeisung aus Wind- und Solarenergie gering ist. Dabei wird klar: Der BNE sieht die Notwendigkeit neuer Gaskraftwerke kritisch. Ein zusätzlicher Ausbau könnte Geschäftsmodelle für Batteriespeicher gefährden und hohe Betriebskosten im Stromsystem verfestigen. Unterschiedliche Sichtweisen werden deutlich, wenn es um die Frage geht, in welchem Umfang neue Gaskraftwerke als Absicherung benötigt werden.

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Der BNE beschreibt drei Zeithorizonte für die Dunkelflaute: „Heute“, „Morgen“ und „Übermorgen“. Heute spielen bestehende steuerbare Erzeugung und erste Speicherpuffer eine zentrale Rolle. Wasserkraft und Bioenergie sind hier wichtige Akteure. Kurzfristige Engpässe können durch Batteriespeicher überbrückt werden. Für die Zukunft, vor allem „Morgen“, wird der schrittweise Ausstieg aus Kohlekraftwerken bis spätestens 2038 prognostiziert. Der Zubau von „dutzenden Gigawatt“ an Batteriespeichern ist ebenfalls zu erwarten, wobei die Flexibilisierung von Biogasanlagen den Bedarf an neuen Gaskraftwerken verringern könnte.

Ein Ausblick auf Erneuerbare

Für das „Übermorgen“ ist geplant, fossiles Erdgas schrittweise durch erneuerbare Gase zu ersetzen. Dabei sollen Biogas und Biomethan in Gasspeichern bevorratet und in Zeiten der Dunkelflaute abgerufen werden. Auch der Einsatz von Wasserstoff aus erneuerbaren Quellen wird zunehmen. Die Kopplung von Wärme- und Stromsystemen soll gestärkt werden, um eine effizientere Nutzung der Ressourcen zu gewährleisten. Langzeitwärmespeicher, die im Sommer geladen werden, werden wichtig sein, um im Winter den Bedarf zu decken. In diesem zukünftigen System wird die zentrale Botschaft des BNE deutlich: Je mehr Flexibilitäten geschaffen werden, desto geringer der Bedarf an neuen fossilen Kraftwerkskapazitäten.