Ein Denkmal für die Erinnerung: Olpe setzt ein Zeichen gegen Antisemitismus
Heute ist der 9.07.2026 und in Olpe weht ein Hauch von Geschichte durch die Straßen. Ein ganz besonderes Kunstwerk wurde hier enthüllt: zwei gewundene, verbundene Stelen aus hellem Beton, die fast zwei Meter hoch in den Himmel ragen. Diese Stele ist nicht nur ein Schmuckstück, sondern ein starkes Symbol des Gedenkens an die Olper Juden und ein klarer Aufruf gegen Antisemitismus und Intoleranz. Die große Anteilnahme der Bevölkerung bei der Enthüllung zeigt, wie wichtig dieses Thema für die Gemeinschaft ist.
Die Idee für dieses Mahnmal entstand vor zwei Jahren aus der Arbeitsgemeinschaft „Jüdisches Leben in Olpe“ des Heimatvereins. Zusammen mit 25 Schülerinnen und Schülern der drei weiterführenden Schulen wurde monatelang an dem Konzept gearbeitet. Kunstpädagogin Carmen Magers hat die Schüler dabei unterstützt. Das Ergebnis ist eine Skulptur, die an eine Doppel-Helix erinnert – ein Design, das nicht nur Aufmerksamkeit erregt, sondern auch zur Auseinandersetzung mit der Vergangenheit anregt.
Ein Blick in die Vergangenheit
Die Stele steht in direkter Sichtachse zum ehemaligen Kaufhaus der jüdischen Familie Lenneberg, einem Ort, der für viele Olper eine schmerzliche Erinnerung darstellt. Bürgermeister Tobias Schulte bezeichnete das Kunstwerk als „Symbol für Zusammenhalt und Brücke zwischen den Kulturen“. Diese Worte sind nicht nur leere Phrasen; sie spiegeln das Ziel wider, das Gedenken an die Enteignung, Entrechtung, Vertreibung und Ermordung der Olper Juden während der Nazi-Herrschaft lebendig zu halten.
Zusätzlich zu den Stolpersteinen, die im Februar verlegt wurden, haben die Schüler einen eigenen Weg des Gedenkens gesucht. Es ist berührend zu sehen, wie junge Menschen aktiv in die Erinnerungsarbeit eingebunden werden. Sie haben mit einem speziellen Beton gearbeitet, der es ihnen ermöglicht, selbst Hand anzulegen – ein Material, das auch von zukünftigen Generationen bearbeitet werden kann. So bleibt die Erinnerung an die Opfer lebendig.
Erinnerungsinitiativen im Kreis Olpe
Diese Enthüllung ist Teil eines größeren Engagements im Kreis Olpe, das sich über die Stadtgrenzen hinaus erstreckt. Am 22. November 2025 fand die Herbstveranstaltung „Aufstehen und nicht vergessen!“ auf der Hohen Bracht statt. Organisiert von Kreisheimatpflegerin Susanne Falk, brachte sie verschiedene Erinnerungsinitiativen zusammen. Gäste aus Attendorn und Drolshagen betonten, dass ein Mensch erst vergessen ist, wenn niemand mehr seinen Namen kennt – eine eindringliche Mahnung, die in der Luft hing.
Regelmäßige Führungen mit Schul- und Jugendgruppen erinnern an das jüdische Leben in Attendorn, wo einst jüdische Familien Geschäfte betrieben. Initiativen reinigen Stolpersteine und pflegen den Jüdischen Friedhof – ehrenamtliches Engagement, das unbedingt gewürdigt werden muss. Und nicht zu vergessen, das Projekt „Shalom Attendorn 2018“, das den ersten jüdischen Themen-Wanderweg in Deutschland ins Leben rief. Ein eindrucksvoller Schritt, um auch die jüngere Generation für diese Thematik zu sensibilisieren.
Die Initiative „Aufgestanden – Jüdisches Erbe in Olpe“, die 2024 gegründet wurde, plant die Verlegung von 14 neuen Stolpersteinen. Für 2026 ist die Errichtung einer weiteren Gedenkstele in Olpe vorgesehen. Diese kontinuierlichen Bemühungen sind ein starkes Zeichen für das Gedenken und die Aufarbeitung der Geschichte. Es ist ermutigend zu sehen, wie viele Menschen sich für dieses wichtige Thema engagieren, und wie die Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus lebendig gehalten wird.
Inmitten all dieser Aktivitäten ist es wichtig, die individuellen Schicksale nicht aus den Augen zu verlieren. Geschichten von Deportationen, wie die der 77 Frauen aus dem Gerhardus-Krankenhaus, die am 9. April 1943 deportiert wurden, sind ebenso Teil dieser historischen Aufarbeitung. Gedenkwanderungen erinnern an solche tragischen Ereignisse und fördern das Bewusstsein für die dunkle Vergangenheit.
Es bleibt zu hoffen, dass diese Initiativen weiterhin Menschen ansprechen und sie zur Auseinandersetzung mit der Geschichte ermutigen. Denn nur durch das Gedenken an die Opfer und das Bewusstsein für die Vergangenheit können wir eine bessere Zukunft gestalten.
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