In den sanften Hügeln des Märkischen Kreises, genauer gesagt am Kälberberg, nimmt ein umstrittenes Windkraftprojekt Gestalt an. Der Energieversorger Mark-E hat nun offiziell drei Windenergieanlagen des Typs Enercon E-138 EP bestellt. Diese beeindruckenden Windräder, die eine Höhe von 230 Metern (inklusive Rotorblatt) erreichen und eine elektrische Leistung von jeweils 4,26 Megawatt (MW) bieten, sollen eine Netto-Jahresproduktion von 36,6 Millionen Kilowattstunden (kWh) erzielen. Das entspricht genug Strom, um über 10.000 durchschnittliche Haushalte mit Energie zu versorgen.

Am 14. April 2026 wurden die Verträge in der Enervie-Zentrale in Hagen unterzeichnet. Diese Windkraftanlagen, die auf Höhen zwischen 479 und 500 Metern NN errichtet werden, sind nicht nur aus der Ferne sichtbar, sondern könnten auch einen signifikanten ökologischen Fußabdruck hinterlassen. Jährlich sollen sie rund 13.500 Tonnen CO₂ im Vergleich zum deutschen Strommix einsparen. Doch der Bau steht nicht ohne Kontroversen da.

Naturschutz und Bürgerbeteiligung

Naturschützer und Anlieger äußern Bedenken, insbesondere aufgrund der Nähe zu mehreren Naturschutzgebieten wie Stilleking, Jubachtal, Fernhagener Bachtal, Hamecke und Kälberbecke. In der Region leben seltene Vogelarten, darunter der Schwarzstorch, der Rotmilan und der Wespenbussard, der im Jahr 2023 am Kälberberg gesichtet wurde. Diese Arten stehen auf der Roten Liste als gefährdet und werfen Fragen zum Arten- und Landschaftsschutz auf.

Besonders kritisch wird die Nähe der geplanten Windräder zu einer Trinkwassertalsperre gesehen. Es gibt Befürchtungen, dass die Rotorblätter eine Gefahr für Fledermäuse darstellen, da diese sich mit Echolot orientieren. Zudem besteht der Verdacht, dass durch die Windräder Mikroplastik freigesetzt werden könnte, was eine mögliche Kontamination der Trinkwassertalsperre nach sich ziehen könnte.

Wirtschaftliche Aspekte und lokale Einbindung

In Bezug auf die wirtschaftlichen Aspekte plant Mark-E, eine eigene Projektgesellschaft zur weiteren Entwicklung und Errichtung der Windkraftanlagen zu gründen. Der Bau der Windkraftanlagen ist für 2027 vorgesehen, mit einer Inbetriebnahme Anfang 2028. Mark-E wird sich mit 50 Prozent an der Betreibergesellschaft beteiligen, während die Standortkommunen Lüdenscheid und Kierspe ebenfalls die Option zur Beteiligung haben.

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Ein Bürgerbeteiligungsmodell soll zur Maximierung der regionalen Wertschöpfung und Akzeptanz beitragen. Die Zuwegung für den Bau der Windräder wird überwiegend auf bestehenden Wirtschaftswegen verlaufen, jedoch sind auch Wegausbauten auf etwa 4 Metern Breite erforderlich. Diese Maßnahmen könnten die Landschaft erheblich beeinflussen und die Sichtbarkeit der Windräder von verschiedenen Punkten, einschließlich des Homertturms und Stilleking, verstärken.

Insgesamt wirft das Projekt am Kälberberg nicht nur Fragen zur Energiegewinnung auf, sondern auch zur Balance zwischen ökologischen Belangen und dem Bedarf an erneuerbaren Energien. Der Dialog zwischen den Beteiligten ist entscheidend, um Lösungen zu finden, die sowohl den Klimaschutz fördern als auch die Biodiversität in der Region respektieren.