Gestank aus der Kläranlage: Anwohner in Nordherringen kämpfen gegen unerträgliche Geruchsbelästigung
In Nordherringen, einem Stadtteil von Hamm, sorgt ein beißender Gestank seit Jahren für Unmut unter den Anwohnern. Die Kläranlage Hamm-West, die größte ihrer Art im Lippeverband, steht im Verdacht, die Quelle des Übels zu sein. Trotz aller Bemühungen konnte der Lippeverband bislang die Ursache nicht identifizieren. Die besorgten Anwohner an der Lünener Straße und in den Nebenstraßen sind verständlicherweise verunsichert, besonders wenn es um die Nutzung ihrer Gärten im Sommer geht.
Stefan Kampert, ein engagierter Anwohner, äußert seine Bedenken lautstark. Er kritisiert, dass die Geruchsmessungen im Winter vorgenommen wurden, wo der Gestank nicht auftritt. „Wie soll man da etwas herausfinden?“, fragt er sich. Kampert ist überzeugt, dass die Kläranlage Hamm-West federführend für die Geruchsbelästigung ist. Der Lippeverband hingegen nimmt die Beschwerden ernst und hat Maßnahmen ergriffen, um das Problem zu untersuchen. Alle Kanäle in der Umgebung wurden gereinigt und mit Kameras befahren – doch auffällige Ergebnisse blieben aus. Ein kürzlich in Auftrag gegebenes Geruchsgutachten brachte ebenfalls keine klaren Verursacher ans Licht. Die Anwohner haben jedoch kürzlich erneut von Gestank berichtet, was ihre Nutzung von Fenstern und Gärten stark einschränkt.
Die Kläranlage im Fokus
Die Kläranlage Hamm-West, die 1998 in Betrieb genommen wurde, ist für 252.000 Einwohnerwerte ausgelegt und bewerkstelligt jährlich die Reinigung von über 26 Millionen Kubikmetern Abwasser. Im Schnitt fließen rund 985 Liter Abwasser pro Sekunde in die Anlage. Ein wichtiges Projekt steht nun an: Der Lippeverband investiert etwa 50 Millionen Euro in die Nachrüstung und Optimierung der Kläranlage, um eine vierte Reinigungsstufe einzuführen. Diese soll dazu beitragen, Mikroschadstoffe wie Medikamentenreste und Pflanzenschutzmittel effektiver zu filtern. Die Förderung des Landes NRW beträgt 36 Prozent der Gesamtkosten. Das klingt doch vielversprechend, oder?
Umweltminister Oliver Krischer hebt die Bedeutung dieser Maßnahme für die Gewässerqualität der Lippe hervor. Tatsächlich ist die vierte Reinigungsstufe ein bedeutender Schritt, um die Gewässer zu schützen. Verfahren wie Ozonierung, Membranfiltration und Aktivkohledosierung sollen hier zum Einsatz kommen. Diese Entwicklungen sind Teil eines größeren Programms namens „Lebendige Lippe“, das auch Renaturierungsprojekte in mehreren Städten wie Hamm, Datteln und Olfen umfasst.
Die Herausforderungen der Abwasserbehandlung
Ein Blick auf die Abwasserbehandlung in Deutschland zeigt, dass es etwa 8.700 Kläranlagen gibt, die zu 99,99 Prozent biologisch arbeiten. Dennoch bleibt die Herausforderung groß. Bei rund 3,7 Prozent des Abwassers wurde im Jahr 2022 zusätzlich eine Eliminierung von Spurenstoffen durchgeführt. Die Stickstoff- und Phosphorentfernung erfolgt in mehreren Schritten, die für die Qualität des gereinigten Wassers entscheidend sind.
Der Umbau der Kläranlage Hamm-West soll im Herbst 2026 beginnen und bis Ende 2030 abgeschlossen sein. Doch bis dahin müssen die Anwohner voraussichtlich weiter mit dem Gestank leben. Der Lippeverband bleibt im Austausch mit der Bezirksregierung Arnsberg, um weitere Erkenntnisse zu gewinnen und die Anwohner auf dem Laufenden zu halten. Es bleibt spannend, wie sich die Situation entwickeln wird.
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