In der hektischen Stadt Wien, wo das Leben oft so schnelllebig und unbarmherzig ist, gibt es Geschichten, die uns innehalten lassen. Eine davon ist die von Suzan, einer fünffachen Mutter, die vor vier Jahren ins Mutter-Kind-Haus Luise der Caritas Wien kam. Sie hatte nichts – kein Essen, keine Kleidung und vor allem keine Hoffnung. Ihr Weg führte sie von Syrien nach Österreich, und der Grund war schmerzhaft: eine Scheidung von einem gewalttätigen Mann, die sie vor Gericht um den Unterhalt kämpfen ließ. Ein Kampf, den viele Frauen in ähnlichen Situationen führen müssen.
Im Mutter-Kind-Haus lebte Suzan mit drei ihrer Kinder, zwei Teenagern (17 und 15 Jahre alt) und einem kleinen Wirbelwind von zwei Jahren. Die ersten Jahre in einer Einzimmerwohnung waren herausfordernd, aber sie bekam Unterstützung und fand nach und nach ihren Platz. Heute wohnt die Familie in einer kleinen Genossenschaftswohnung, ein Schritt, der ohne die Hilfe der Caritas kaum möglich gewesen wäre. Doch der Alltag bleibt hart: Über 700 Euro monatliche Wohnkosten, Schulkosten und die Tickets für die öffentlichen Verkehrsmittel sind schwer zu stemmen. Extras wie Schulausflüge sind oft ein Traum, den sich Suzan nicht leisten kann. Kleidung? Die kommt von Spenden, wenn es denn reicht.
Ein Lichtblick in der Dunkelheit
Die Caritas bietet mit dem Haus Luise nicht nur ein Dach über dem Kopf, sondern auch eine wertvolle Unterstützung. Dort gibt es insgesamt 20 Wohneinheiten für Mütter und etwa 50 Kinder, die rund um die Uhr geöffnet sind. Suzan hat in diesen vier Jahren viel gelernt. Täglich besucht sie einen Deutschkurs, um ihre Sprachkenntnisse zu verbessern. Das ist wichtig, denn die Suche nach einem Job gestaltet sich schwierig – das Tragen eines Kopftuchs sorgt oft für zusätzliche Hürden. Dennoch gibt sie nicht auf. Ihr größter Wunsch? Anderen Frauen zu helfen und vielleicht einmal als Peer-Beraterin tätig zu sein. Über Facebook-Gruppen unterstützt sie bereits Betroffene von Gewalt und teilt ihre eigene schmerzhafte Erfahrung.
Lydia Rössler, die Leiterin des Hauses Immanuel, beobachtet die wachsenden Belastungen für Mütter und Kinder. Im Jahr 2025 wurden in den drei Mutter-Kind-Häusern der Caritas in Wien 66 Mütter und 107 Kinder aufgenommen. Ein deutliches Zeichen dafür, dass der Bedarf an solchen Einrichtungen groß ist. Suzan ist nicht allein, und das macht einen Unterschied. Das Mutter-Kind-Haus bietet nicht nur Unterkunft, sondern auch Unterstützung bei der Wohnungssuche, Erziehungsfragen und Kinderbetreuung, was für viele ein echter Lichtblick ist.
Herausforderungen für Alleinerziehende
Die Realität ist jedoch oft düster. Alleinerziehende Mütter und Väter sind häufig mit enormen Herausforderungen konfrontiert. Laut der Diakonie leben in Deutschland etwa 12 Millionen Familien mit minderjährigen Kindern, und rund 3 Millionen davon haben alleinerziehende Elternteile. Diese Familien sind oft von Armut betroffen, und 40% sind auf staatliche Unterstützung angewiesen. Die Entscheidung, wie Kinder betreut werden sollen, ist nicht einfach – das Residenzmodell dominiert, jedoch wählen auch einige das Wechselmodell. Doch egal, welches Modell, die wirtschaftliche Existenzsicherung ist entscheidend für viele Alleinerziehende.
Die Diakonie bietet ein umfassendes Unterstützungssystem, das von Beratung über Seelsorge bis hin zu Bildungsangeboten reicht. Das ist wichtig, denn in Trennungs- und Scheidungssituationen sind Familien- und Erziehungsberatungen essenziell. Und wie Suzan zeigt, kann der Weg zur Selbstständigkeit lang und steinig sein – oft ist es die gesellschaftliche Stigmatisierung, die die Rückkehr ins Berufsleben erschwert. Es gibt zwar einen Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz, aber die tatsächliche Verfügbarkeit stellt für viele eine große Hürde dar. Und dann sind da noch die sozialen Vorurteile, die insbesondere alleinerziehende Frauen in ländlichen Regionen spüren müssen. Das kann belastend sein.
Doch trotz aller Widrigkeiten – das Licht am Ende des Tunnels ist oft näher, als man denkt. Suzan ist ein Beispiel dafür, dass mit Unterstützung und Entschlossenheit auch aus den dunkelsten Zeiten ein neuer Weg entstehen kann. Ihre Geschichte inspiriert und erinnert uns daran, dass Menschlichkeit und Hilfe füreinander unerlässlich sind. Und in einer Welt, die manchmal so kalt erscheint, sind es genau diese Geschichten, die uns zeigen, dass es Hoffnung gibt.