Heute, am 5. Juni 2026, hat die Premiere von „Die Dreigroschenoper“ in der Kokerei Hansa in Dortmund stattgefunden. Ein kleines, aber feines Ereignis, das sich in die Geschichte des Theaters hier einfügt. Die Inszenierung unter der Regie von Julia Wissert nutzt den Charme des ehemaligen Salzlagers, und ehrlich gesagt, die Atmosphäre könnte nicht passender sein. Diese Renovierung hat dem Raum einen industriellen Touch verliehen, der perfekt zu den brisanten Themen des Stücks passt.
Bertolt Brecht und Kurt Weills Meisterwerk, das ursprünglich in den 1920er Jahren entstand, thematisiert gesellschaftliche Verhältnisse und Geschlechterrollen auf eine Art und Weise, die auch heute noch relevant ist. Die Handlung, die sich um den Ganoven Macheath (auch bekannt als Mackie Messer) dreht, zeigt seine Verbindung zur korrupten Unterwelt Londons. Seine heimliche Hochzeit mit Polly Peachum bringt Konflikte mit ihrem Vater, dem Bettlerkönig Peachum, mit sich – ein Machtkampf, der nicht nur um Liebe, sondern auch um Geld und Einfluss kreist. Es wird deutlich, dass in dieser Welt Intrigen, Bestechung und Verrat die Mittel der Wahl sind.
Einzigartige Spielstätte und kreative Umsetzung
Die Zuschauer sitzen auf beiden Seiten der Bühne, die zwischen dem Steg und der Galerie über dem Förderband angelegt ist. Das sorgt für eine ganz besondere Nähe zu den Darstellern und verstärkt die Intensität der Darbietung. Die Akustik des Salzlagers ist eine Herausforderung, die mit einer Verstärkung für Musik und Gesang gemeistert werden muss. Das Ensemble besteht aus sieben talentierten Mitgliedern, die nicht nur schauspielerisch glänzen, sondern auch mehrere Instrumente spielen. Wie toll ist das denn?
Rose Lohmann als Polly, Marlene Goksch als Spelunkenjenny und Antje Prust als Frau Peachum bringen die Figuren mit einer Mischung aus Heuchelei und Opportunismus zum Leben. Die Kostüme von Lorena Díaz Stephens sind extravagant, mit viel nackter Haut – Macheath in einem schwarzen Overall mit Glitzerstreifen ist da ein echter Hingucker. Diese visuelle Entlarvung der Moral ist ein weiteres Highlight der Inszenierung.
Ein kritischer Blick auf die Gesellschaft
„Die Dreigroschenoper“ ist mehr als nur ein Theaterstück; es ist eine kritische Auseinandersetzung mit dem Kapitalismus und der bürgerlichen Moral. Brecht und Hauptmann hinterfragen die eigene Form des Theaters und fordern die Zuschauer auf, sich mit unbequemen Fragen über Gewalt und Macht auseinanderzusetzen. Wo hört das Geschäft auf und wo beginnt das Verbrechen? Das Salzlager selbst, mit seinen Backsteinwänden und der rauen Industriearchitektur, spiegelt die sozialen Konflikte des Stücks wider und macht die Interaktion zwischen „legal“ und „legitim“ greifbar.
Die musikalische Leitung von Yotam Schlezinger sorgt dafür, dass Kurt Weills Musik, die rau und direkt ist, perfekt zur Geltung kommt. Die Moritat von Mackie Messer ist nicht nur eingängig, sondern auch ein Kommentar zu den Verbrechen, die in der Gesellschaft verborgen bleiben. Die gesamte Aufführung dauert stolze 3 Stunden und 10 Minuten, inklusive einer Pause, und fordert die Aufmerksamkeit des Publikums auf eine Art und Weise, die sowohl herausfordernd als auch befriedigend ist.
In diesen schwierigen Zeiten, wo das Schauspiel Dortmund aufgrund von Bauarbeiten an einem neuen Kinder- und Jugendtheater bis 2027 in Interimsspielstätten spielt, ist es erfrischend zu sehen, wie kreative Köpfe wie Julia Wissert und ihr Team die Herausforderungen annehmen und ein so kraftvolles Werk inszenieren. Es bleibt zu hoffen, dass die Zuschauer in Dortmund die Chance nutzen, dieses Stück zu erleben, das nicht nur unterhält, sondern auch zum Nachdenken anregt.