In den letzten Monaten zeichnen sich im Westmünsterland positive wirtschaftliche Entwicklungen ab. Die IHK Nord Westfalen meldet erste Anzeichen für einen Aufschwung, der die Region nach Jahren der Unsicherheit und Stagnation erfasst hat. Laut aktuellen Umfragen bewerten Unternehmen in den Kreisen Borken und Coesfeld ihre Geschäftslage und -aussichten besser als der Durchschnitt des IHK-Bezirks. So bezeichnen 31,3% der Unternehmen im Westmünsterland ihre Lage als gut, während im gesamten IHK-Bezirk nur 25,2% dieser Ansicht sind. Zudem erwarten 22% der Unternehmen in Borken und Coesfeld, dass sich die Geschäftslage in den kommenden Monaten verbessern wird – im Vergleich zum nord-westfälischen Durchschnitt von 18,3%.
Carsten Sühling, der Leiter des IHK-Regionalausschusses für den Kreis Borken, warnt jedoch vor übermäßiger Euphorie. Trotz der wachsenden Zuversicht nach drei Jahren wirtschaftlichen Stands still, bleibt der IHK-Konjunkturklimaindikator nahezu unverändert bei rund 100 Punkten auf einem niedrigen Niveau. Sühling fordert zudem Strukturreformen von der Bundesregierung und der EU, um die Energie- und Arbeitskosten zu senken. Dr. Fabian Schleithoff, Leiter des IHK-Standorts Westmünsterland, registriert zwar eine leichte Verbesserung der konjunkturellen Lage, sieht jedoch weiterhin zahlreiche Herausforderungen, die es zu bewältigen gilt.
Wachstum und Herausforderungen
Die Wirtschaft im Westmünsterland hat sich schnell vom Konjunktureinbruch erholt. Der Aufschwung gewann insbesondere zum Spätsommer an Dynamik, wie die Sparkasse Westmünsterland berichtet. Das Konjunkturbarometer für die Region ist auf 130 Punkte gestiegen, was einen leichten Anstieg im Vergleich zum Umland darstellt. Eine Umfrage unter 120 Unternehmen aus den Kreisen Coesfeld und Borken zeigt, dass nur noch 4% der Befragten ihre Geschäftslage als schlecht einschätzen, eine drastische Verbesserung im Vergleich zu zuvor 26%.
Eine positive Entwicklung zeigt sich auch in den Erwartungen der Unternehmen: 30% rechnen mit einer besseren Entwicklung, während 65% eine gleichbleibende Lage erwarten. Dennoch gibt es Risiken, die die Unternehmen belasten. 58% der Befragten sehen Herausforderungen bei den Energie- und Rohstoffpreisen sowie der Inlandsnachfrage. Der Auslandsumsatz der beiden Kreise stieg im ersten Halbjahr 2010 um 12% bzw. 6% im Vergleich zum Vorjahr, was Hoffnung auf eine anziehende Auslandsnachfrage gibt. 50% der Unternehmen planen, in den kommenden Monaten höhere Investitionen zu tätigen.
Blick in die Zukunft
Die allgemeine Stimmung in der Wirtschaft ist jedoch nicht ungetrübt. Das IHK-Konjunkturbarometer für das Westmünsterland fiel auf 94 Punkte, was eine Abnahme im Vergleich zu den 99 Punkten im Frühjahr darstellt. Heinrich-Georg Krumme, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Westmünsterland, beschreibt die aktuelle Lage als schwierig. Belastende Faktoren wie Nachfrageschwäche und hoher Kostendruck setzen den Unternehmen zu. Zwei Drittel der Befragten rechnen mit einer Stagnation in den kommenden Monaten, und nur 14% erwarten eine Belebung der Konjunktur.
Die Unsicherheiten im Welthandel spiegelt sich auch in der Stimmung unter Exporteuren wider. Der Exportsaldo bleibt auf dem Niveau des Jahresbeginns, und die Investitionsneigung nimmt ab – über ein Drittel der Betriebe plant, ihr Investitionsbudget zu verringern. Nur 14% der Unternehmen wollen ihren Personalstand ausweiten, während 60% ihn stabil halten möchten. Die Herausforderungen, insbesondere der Fachkräftemangel, stellen ein weiteres Risiko für die wirtschaftliche Entwicklung dar. Jeder vierte Betrieb sieht hierin eine ernsthafte Bedrohung.
Insgesamt zeigt die Lage der Wirtschaft im Westmünsterland sowohl positive als auch herausfordernde Aspekte. Die Unternehmen scheinen optimistisch zu sein, müssen jedoch gleichzeitig mit den Unsicherheiten umgehen, die die wirtschaftliche Landschaft prägen. Die IHK und regionale Institutionen stehen vor der Aufgabe, die Rahmenbedingungen zu verbessern und die Weichen für eine nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung zu stellen. Für weitere Informationen zu den aktuellen Entwicklungen im Westmünsterland besuchen Sie auch die Wirtschaft Aktuell oder die Westfälische Nachrichten.