In der malerischen Gemeinde Ehrenburg, genauer gesagt in Stocksdorf, hat die 25-jährige Hanna Meyer einen Ackerbaubetrieb übernommen, der sich über beeindruckende 350 Hektar erstreckt. Anfang 2024 gründete sie zusammen mit ihrem Vater eine GbR, um den familiären Betrieb weiterzuführen. Ursprünglich hatte sie ganz andere Pläne und wollte Medizin studieren, aber der Ruf der Landwirtschaft war stärker. Nun bewirtschaftet Hanna den Betrieb seit rund zwei Jahren und hat sich in dieser Zeit nicht nur das nötige Wissen angeeignet, sondern auch den Respekt ihrer Mitarbeiter erarbeitet.
Der Betrieb von Hanna konzentriert sich hauptsächlich auf den Anbau von Kartoffeln, seit zwei Jahren kommen auch Zwiebeln hinzu. Mit vier Mitarbeitern in der Landwirtschaft und zwei in der dazugehörigen Spedition, die landwirtschaftliche Erzeugnisse transportiert, hat sie ein starkes Team um sich geschart. Doch die Herausforderungen in einer von Männern dominierten Branche sind nicht zu unterschätzen. Hanna berichtet von Vorurteilen und einem oft mangelnden Vertrauen in ihr Fachwissen. Es ist nicht leicht, sich in einem Umfeld zu behaupten, in dem nur 10% der landwirtschaftlichen Betriebe in Niedersachsen von Frauen geleitet werden und bei größeren Betrieben über 50 Hektar sogar nur 5%.
Frauen in der Landwirtschaft
Die Vereinten Nationen haben 2026 das Internationale Jahr der Frau in der Landwirtschaft ausgerufen, um die Sichtbarkeit von Frauen in dieser Branche zu erhöhen. Ein wichtiges Anliegen, bedenkt man, dass bundesweit nur 36% der Arbeitskräfte in der Landwirtschaft weiblich sind. In der Führungsriege sieht es nicht viel besser aus: 2023 waren lediglich 29% der Führungskräfte Frauen. Umso wichtiger ist es, dass Beispiele wie das von Hanna Meyer sichtbar werden. Sie engagiert sich ehrenamtlich in verschiedenen Organisationen, darunter der Vorstand der Junglandwirte Mitte Niedersachsen und des Landvolks Sulingen, und betreut das Projekt „Hofackerdemie“, bei dem Schülergruppen den Betrieb besuchen, um mehr über Landwirtschaft zu lernen.
Auf dem Hof wurden zudem zwei neue Kühlhallen errichtet, in denen über 10.000 Tonnen Kartoffeln gelagert werden können. Doch die Freude über den Ausbau wird getrübt: Wegen eines Überangebots sind die Kartoffelpreise gesunken, was wirtschaftliche Risiken für den Betrieb mit sich bringt. Hanna bleibt jedoch optimistisch und besucht regelmäßig Fortbildungen, zuletzt nahm sie an einem Unternehmertraining teil. Der Austausch mit anderen im Agrarbereich ist für sie von großer Bedeutung, um neue Ansätze und Ideen zu entwickeln.
Einblicke und Ausblicke
Die Landwirtschaft hat für Frauen in Niedersachsen viele Facetten und Herausforderungen. Angebote wie das Seminar zur AgrarBüromanagerin sind nur ein Beispiel dafür, wie Frauen in der Branche unterstützt werden können, um sich beruflich weiterzubilden und zu vernetzen. Auch Schlepperfahrtrainings und Motorsägenkurse speziell für Frauen sind wichtige Schritte, um Frauen in der Landwirtschaft zu stärken und ihnen die Möglichkeit zu geben, sich in einem traditionell männlich dominierten Bereich weiterzuentwickeln. Solche Initiativen sind notwendig, um die gesellschaftlichen Missverständnisse und Vorurteile abzubauen, die oft über die Rolle von Frauen in der Landwirtschaft bestehen.
Am 7. Juni wird die Familie Meyer beim „Tag des offenen Hofes“ Gastgeber sein. Eine großartige Gelegenheit, um mit der Öffentlichkeit ins Gespräch zu kommen, die eigene Arbeit vorzustellen und vielleicht sogar ein paar Vorurteile abzubauen. Hanna wünscht sich mehr Wissen über Landwirtschaft in der Gesellschaft, denn nur so können Missverständnisse und Vorurteile abgebaut werden. Ihre Geschichte ist ein eindrucksvolles Beispiel dafür, wie sich junge Frauen in einer herausfordernden Branche behaupten und gleichzeitig frischen Wind in die Landwirtschaft bringen können.