Es ist ein ganz normaler Tag in Stocksdorf, Niedersachsen, und dennoch gibt es dort eine bemerkenswerte Veränderung. Hanna Meyer, eine 25-jährige, die ursprünglich Ärztin oder Lehrerin werden wollte, hat den elterlichen Hof übernommen und führt nun einen Ackerbaubetrieb mit 350 Hektar. Der Fokus liegt auf Speisekartoffeln, und seit Kurzem auch auf Zwiebeln. Es ist ein mutiger Schritt, der zeigt, dass die Landwirtschaft auch für junge Frauen eine Perspektive bieten kann. So hat Hanna zusammen mit ihrem Vater eine GbR gegründet und leitet den Betrieb, der zudem mit einer Spedition, die fünf Lkw umfasst, landwirtschaftliche Erzeugnisse transportiert.

Auf dem Hof wurden zwei neue Kühlhallen errichtet, die Platz für über 10.000 Tonnen Kartoffeln bieten. Das ist eine Menge! Doch die Realität ist nicht immer einfach. Der Markt für Kartoffeln ist aktuell übersättigt, die Preise sinken auf etwa 2,50 € pro 100 kg für Vertragsware. Was nicht verkauft werden kann, landet in einer Biogasanlage. Hanna hat in ihrer Rolle als Chefin einige Herausforderungen erlebt – oft wird ihr als junge Frau weniger zugetraut. Dennoch hat sie nie bereut, den Schritt in die Landwirtschaft gewagt zu haben. Tatsächlich wünscht sie sich sogar, sie hätte früher praktische Erfahrungen gesammelt, um besser auf die Anforderungen des Betriebs vorbereitet zu sein.

Frauen in der Landwirtschaft

Rund 35 Prozent der Beschäftigten in der deutschen Landwirtschaft sind Frauen, doch nur 11 Prozent der Betriebe werden von Frauen geleitet. Das ist ein deutlicher Unterschied zum bundesweiten Durchschnitt, wo Frauen in 47 Prozent der Berufe vertreten sind. Im EU-Vergleich hinkt Deutschland hinterher. In Lettland und Litauen sind es beispielsweise 45 Prozent der Betriebe, die von Frauen geführt werden. Das zeigt, wie wichtig es ist, mehr Frauen in Führungspositionen zu bringen, um die Landwirtschaft zukunftsfähig zu gestalten.

Hanna Meyer ist da ein gutes Beispiel. Sie engagiert sich nicht nur in ihrem Betrieb, sondern auch im Vorstand der Junglandwirte Mitte Niedersachsen und im Vorstand des Landvolks Sulingen. Zudem nimmt sie regelmäßig an Fortbildungen teil. Zuletzt besuchte sie eine Seminarreihe für Unternehmertraining, um ihre Fähigkeiten weiter auszubauen. Ihr Ziel ist es, das Wissen über Landwirtschaft in der Bevölkerung zu fördern, da der Kontakt zur Landwirtschaft zunehmend abnimmt.

Die Herausforderungen für Frauen im Agrarbereich

Die jüngste Studie des Deutschen LandFrauenverbands beleuchtet die Lebens- und Arbeitssituation von Frauen in der Landwirtschaft. Obwohl nur 11 Prozent der Betriebe von Frauen geleitet werden, tragen viele von ihnen Verantwortung für strategische Entscheidungen. Bei finanziellen Aspekten und der Buchhaltung sind sie oft maßgeblich beteiligt. Dabei ist der Druck nicht zu unterschätzen. Trennungen, Scheidungen oder der Tod des Partners können für Frauen existenzielle Risiken darstellen, wenn keine ausreichenden sozialen und rechtlichen Absicherungen bestehen.

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Die Studie hat auch gezeigt, dass traditionelle Rollenbilder Frauen oft daran hindern, Führungspositionen zu übernehmen. Besonders Einzelkinder oder Schwestern haben es leichter, Betriebsleiterinnen zu werden. Das zeigt, wie wichtig es ist, diese Barrieren abzubauen und eine gerechtere Gesellschaft zu schaffen. Immerhin ist der Anteil weiblicher Auszubildender in der Landwirtschaft mit 23 Prozent steigend, was Hoffnung auf Veränderung gibt.

Hanna Meyer ist ein strahlendes Beispiel für den Wandel, den wir in der Landwirtschaft sehen möchten. Sie kämpft nicht nur für ihren Betrieb, sondern auch für eine bessere Sichtbarkeit und Wertschätzung von Frauen in diesem Sektor. Ihre Leidenschaft und ihre Entschlossenheit werden hoffentlich viele inspirieren, ihren eigenen Weg in der Landwirtschaft zu gehen – unabhängig vom Geschlecht.