Inmitten der Weiten Niedersachsens, genauer gesagt in Stocksdorf, hat eine 25-Jährige die Zügel eines 350 Hektar großen Ackerbaubetriebs in die Hände genommen. Hanna Meyer, die ursprünglich Ärztin oder Lehrerin werden wollte, hat sich für die Landwirtschaft entschieden. „Das war ein mutiger Schritt“, könnte man sagen, aber für sie war es nie ein Zweifel, dass es der richtige Weg war. 2024 gründete sie gemeinsam mit ihrem Vater eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) und übernahm die Leitung des Familienunternehmens, das sich auf den Anbau von Speisekartoffeln und, neuerdings, auch Zwiebeln spezialisiert hat.
Die Familie Meyer betreibt zudem eine Spedition mit fünf Lkw, die die frisch geernteten Produkte transportiert. „Ich hab diesen Schritt nie bereut“, erzählt Hanna mit einem strahlenden Lächeln, auch wenn sie manchmal wünscht, sie hätte früher praktische Erfahrungen in der Landwirtschaft gesammelt. Mit vier Mitarbeitern an ihrer Seite hat sie sich Respekt erarbeitet, auch wenn sie als junge Frau in der Branche manchmal auf Vorurteile stößt. Sie hat Landwirtschaft an der Universität Kiel studiert und bringt somit sowohl theoretisches Wissen als auch praktisches Engagement in ihren Betrieb ein.
Innovative Impulse und Herausforderungen
Auf dem Hof hat Hanna zwei neue Kühlhallen errichtet, die Platz für über 10.000 Tonnen Kartoffeln bieten. Doch nicht alles ist einfach: Aktuell gibt es ein Überangebot an Kartoffeln, was die Preise drückt. „Das ist frustrierend“, gibt sie zu, „aber wir versuchen, die nicht verkauften Kartoffeln sinnvoll in einer Biogasanlage zu verwerten.“ So bleibt sie nicht nur innovativ, sondern auch flexibel. Um ihre Kenntnisse zu erweitern, nimmt sie regelmäßig an Fortbildungen teil – zuletzt an einer Seminarreihe für Unternehmertraining.
Außerdem ist Hanna im Vorstand der Junglandwirte Mitte Niedersachsen und des Landvolks Sulingen aktiv. Sie möchte mehr Bewusstsein für die Landwirtschaft in der Bevölkerung schaffen und engagiert sich in der Öffentlichkeitsarbeit. Man kann sagen, sie ist eine echte Vorreiterin in ihrer Branche. Dies wurde auch gewürdigt: Bald wird in Kiel die Auszeichnung „Unternehmerin des Jahres“ verliehen, und Hanna wird für ihren innovativen Ansatz in der Landwirtschaft in Betracht gezogen. Das könnte ihr einen weiteren Schub geben!
Frauen in der Landwirtschaft
Es ist ein wenig erstaunlich, dass trotz des steigenden Frauenanteils in der Landwirtschaft – rund 35 Prozent der Beschäftigten sind Frauen – nur 11 Prozent der Betriebe von Frauen geführt werden. Im EU-Vergleich ist Deutschland sogar eines der Schlusslichter. Die Mehrheit der Betriebsleiterinnen findet sich in Lettland und Litauen, wo Frauen einen Anteil von 45 Prozent in Führungspositionen ausmachen. Das zeigt: Es gibt noch viel zu tun, um die Gleichstellung voranzubringen.
Umso bedeutender sind die Erfolge junger Unternehmerinnen wie Hanna Meyer. Ihre Geschichte ist nicht nur inspirierend, sondern auch ein Zeichen dafür, dass es einen Wandel gibt. Der Anteil weiblicher Auszubildender im Agrarbereich wächst, und es gibt Hoffnung, dass die nächsten Jahre eine Welle von Frauen in Führungspositionen mit sich bringen werden. Hanna selbst ist ein lebendiges Beispiel für diese Entwicklung, und ihre Leidenschaft für die Landwirtschaft könnte anderen Frauen den Mut geben, ähnliche Schritte zu wagen.
Mit einem Blick in die Zukunft möchte Hanna, dass mehr Menschen über die Landwirtschaft erfahren und die Bedeutung von regionalen Produkten erkennen. Ihre Stimme könnte zu einer neuen Generation von Landwirten führen, die nicht nur auf Erträge schauen, sondern auch auf Qualität und Nachhaltigkeit. Das ist der Weg, den wir alle gehen sollten – und wer weiß, vielleicht wird die nächste Auszeichnung für „Unternehmerin des Jahres“ ja bald in den Händen einer weiteren mutigen Frau liegen.