In Kassel, wo die Straßen von E-Autos nur so wimmeln, könnte man meinen, dass es um die Umweltfreundlichkeit dieser Fahrzeuge bestens bestellt ist. Doch nun zeigt eine neue Studie des Marktforschungsunternehmens Civey im Auftrag von DA Direkt, dass es nicht nur um emissionsfreie Mobilität geht. Die Umfrage, die im März 2026 durchgeführt wurde, hat eine überraschende Erkenntnis ans Licht gebracht: „Ladepositas“ – ein neues Wort, das die ungesunde Essgewohnheit von E-Auto-Fahrern während des Ladevorgangs beschreibt. Über 50 % der Befragten geben an, während des Ladevorgangs zu essen oder zu naschen. Komisch, oder? Da will man umweltbewusst unterwegs sein und plötzlich wird das Auto zum Snack-Automaten.
Die Ladepausen, die für viele E-Auto-Fahrer zu einer Art Ritual geworden sind, werden oft nicht nur für das Nachladen der Batterien genutzt. 31 % der Fahrer erledigen in dieser Zeit Einkäufe oder Besorgungen. Ein Viertel der Befragten nutzt die Zeit sogar, um sich auszuruhen oder ein Nickerchen zu machen. Seltsamerweise sind nur 6 % der E-Auto-Fahrer geneigt, die Ladepause für Bewegung oder Sport zu nutzen. Das wirft die Frage auf: Warum greifen viele zu ungesunden Snacks, und was sind die Gründe dafür?
Die Aufenthaltsqualität zählt
Ein zentraler Punkt sind die oft mangelhaften Bedingungen an den öffentlichen Ladestationen. Fehlende Sanitäranlagen, kein Wetterschutz und wenig einladende Aufenthaltsbereiche werden als Gründe für das Snacken genannt. Man könnte fast sagen, die Ladeorte selbst schreien nach einer Verbesserung! Während die E-Auto-Fahrer sich in den Elektrofahrzeugen aufhalten, sind Snacks und Softdrinks in greifbarer Nähe. Das macht die Versuchung nur noch größer. Wer möchte schon bei einer langen Wartezeit auf seine Schoko-Crossies verzichten, wenn der nächste Kilometer noch zu laden ist?
Ein weiterer interessanter Aspekt: 86 % der E-Auto-Fahrer empfinden einen Ladestopp von bis zu 20 Minuten als angenehm. Bei den Fahrern von Verbrennermotoren wird die Geduld schon nach 10 Minuten auf die Probe gestellt. Das zeigt, dass E-Auto-Fahrer eine andere Beziehung zu ihren Ladepausen haben. 35 % von ihnen sind sogar bereit, bis zu 30 Minuten zu warten, was schon fast wie ein kleiner Urlaub im Alltag wirkt.
Die Herausforderungen der Ladeinfrastruktur
Doch der Schein trügt: Die Zufriedenheit mit der Ladeinfrastruktur ist gemischt. Nur 38 % der E-Auto-Fahrer bewerten die Verfügbarkeit und Qualität der Ladesäulen als gut. Die meisten kritisieren intransparente Preisstrukturen, fehlende Schnelllader und eingeschränkte Zahlungsmöglichkeiten. Ein Viertel der Befragten wünscht sich mehr Schnelllademöglichkeiten, da diese oft über 50 kW leisten. Für die 2500 Bundesbürger und 1000 E-Auto-Fahrer, die an der Umfrage teilnahmen, steht fest: Die Ladeinfrastruktur muss dringend verbessert werden, um die ungesunde Snack-Kultur zu bremsen.
In Deutschland gibt es laut Bundesnetzagentur bereits 149.002 Normalladepunkte und 51.253 Schnellladepunkte. Doch bei all diesen Zahlen bleibt das Gefühl, dass immer noch nicht genug getan wird. Regelmäßige Nutzer von Autobahn-Ladepunkten sind häufig Pendler oder Außendienstmitarbeiter. Vielleicht ist es gerade diese Gruppe, die die Herausforderungen der Ladeinfrastruktur am besten kennt und am meisten davon betroffen ist.
So führt die Studie von DA Direkt eindrücklich vor Augen: Das Phänomen „Ladepositas“ ist nicht nur ein lustiges Wortspiel, sondern ein ernsthaftes Thema, das die Gesundheitsgewohnheiten von E-Auto-Fahrern betrifft. Die Frage bleibt: Können wir die Ladezeit nutzen, um gesündere Entscheidungen zu treffen, oder müssen wir weiterhin mit den ungesunden Versuchungen kämpfen, die an jeder Ladesäule lauern? Irgendwie bleibt das Gefühl, dass hier ein gewisses Potenzial brachliegt, das dringend angepackt werden sollte.