Heute ist der 6. Mai 2026, und in Kassel zeigt sich die Stimmung an den Tankstellen alles andere als euphorisch. Der Iran-Krieg hat die Preise für Kraftstoffe ordentlich angeheizt. Auch wenn ab dem 1. Mai ein Tankrabatt von 17 Cent pro Liter gilt, scheinen die Spritpreise in Nordhessen ungebrochen hoch zu bleiben. Ein Blick auf die aktuellen Zahlen offenbart, dass der Preis für Super E5 in Kassel teilweise bei 2,10 Euro pro Liter lag – und das trotz der vielgepriesenen Ersparnis.
Am 1. Mai, dem Tag der Einführung des Tankrabatts, sanken die Preise für Super E5 kurzzeitig unter die 2-Euro-Marke, doch der Schein trügt: Sie stiegen schnell wieder an. Amand Zorn von der SPD hat es bereits angemerkt: Die Spritpreise in Deutschland sind härter gestiegen als in vielen anderen europäischen Ländern – und das ganz ohne zusätzliche Steuern und Abgaben. Der Grund für die aufkeimende Verwirrung? Das Ifo-Institut hat herausgefunden, dass die Tankstellen in den ersten drei Tagen nach der Steuersenkung nur 4 Cent beim Diesel und 12 Cent beim Superbenzin weitergegeben haben.
Der Tankrabatt im Detail
Der Tankrabatt, der mit dem Ziel eingeführt wurde, die Steuern auf Kraftstoffe vorübergehend zu senken, senkt die Energiesteuern auf Diesel und Benzin um 14,04 Cent pro Liter. In Summe ergibt sich eine Steuerreduzierung von 16,7 Cent, die bis Ende Juni gelten soll. Dabei gilt zu beachten: Diese Steuersenkung wird bei der Lieferung an die Tankstelle fällig, nicht beim Verkauf an der Zapfsäule. Das bedeutet, dass die Tankstellen nicht verpflichtet sind, die Preise sofort und vollständig zu senken. Die Preisentwicklung kann also ganz unterschiedlich ausfallen.
Ein Blick auf die Preistrends zeigt, dass die Preise an den Zapfsäulen in der Nacht zum 1. Mai zwar sanken, jedoch nicht sofort um die vollen 16,7 Cent. Am 2. Mai lagen die Durchschnittspreise bei Diesel bei 2,15 Euro und für E5 bei 2,11 Euro – ein Anstieg von 4 Cent im Vergleich zum Vortag. Am 4. Mai um 10 Uhr waren die Preise dann sogar wieder auf 2,08 Euro für Diesel und 2,05 Euro für E5 gestiegen. Das macht die Sache für viele Autofahrer nicht gerade einfacher, oder?
Engpässe und Versorgungsfragen
Gleichzeitig warnt der Tankstellenverband bft vor möglichen Engpässen an Tankstellen, gerade am Feiertag und dem darauf folgenden Wochenende. Immerhin könnte es an den Zapfsäulen zu einem Andrang kommen, während der ADAC jedoch keine nennenswerten Versorgungsengpässe erwartet. Wer also plant, am 1. Mai zu tanken, sollte sich nicht zu früh auf den Weg machen. Es gibt keine Eile, denn die Preise dürfen bis zur Mittagszeit nicht steigen.
Der staatliche Verlust durch den Tankrabatt wird auf etwa 1,6 Milliarden Euro geschätzt. Im Vergleich zu 2022, als der Tankrabatt drei Monate lang galt und die Steuerreduzierung höher war, ist dieser Rabatt etwa halb so teuer. Für Diesel-Fahrer bedeutet das eine durchschnittliche Ersparnis von rund 33 Euro in zwei Monaten, für Benzin-Fahrer sind es etwa 21 Euro.
Markttransparenz und Überwachung
Das Bundeskartellamt hat die Aufgabe, die Preisbildung in der Mineralölwirtschaft zu überwachen und hat ein Team gebildet, das sich ausschließlich mit diesem Thema befasst. Seit dem 1. April 2026 kann es von Unternehmen detaillierte Auskünfte zur Preisbildung verlangen. Die Ermittlungen zur Preissetzung während der Iran-Krise laufen bereits, einschließlich Auskunftsersuchen an Raffinerien in Deutschland. Es bleibt also abzuwarten, ob die Unternehmen die Steuersenkung tatsächlich an die Verbraucher weitergeben, denn eine gesetzliche Verpflichtung dazu gibt es nicht.
Die aktuellen Entwicklungen an den Tankstellen in Kassel sind ein Spiegelbild der unruhigen Zeiten, in denen wir leben. Spritpreise, die sich wie ein Gummiband anfühlen – mal hoch, mal niedrig – und das Gefühl, dass man beim Tanken immer einen Schritt hinterherhinkt. Wie auch immer die Lage sich weiterentwickelt, eines steht fest: Die Autofahrer in Kassel müssen flexibel bleiben.