Wenn man sich in den öffentlichen Nahverkehr begibt, denkt man oft nicht über die Herausforderungen nach, die das Personal jeden Tag bewältigen muss. In den letzten Jahren hat der Respekt gegenüber uniformierten Mitarbeitern, insbesondere Zugbegleitern, spürbar abgenommen. Das berichten nicht nur die Betroffenen selbst, sondern es wird auch in den Medien thematisiert. Uniformen werden teils als Provokation wahrgenommen. Ein Vorfall, bei dem ein Zugbegleiter von einem 60-jährigen Mann ohne Fahrschein geschlagen wurde, ist dabei nur die Spitze des Eisbergs. Die absolute Sicherheit im Bahnverkehr ist ein unerreichbares Ziel, aber es gibt Wege, die Eskalationsgefahr zu verringern.
Ein solches Vorgehen könnte die Erhöhung der Sicherheitskräfte in Bahnhöfen um 200 auf insgesamt 4.200 sein, welche bereits angekündigt wurde. Um das Sicherheitsgefühl der Zugbegleiter zu verbessern, ist die Forderung nach einem eigenen Finanztopf für Sicherheit laut geworden. Technische Lösungen, wie Bodycams, sollen zudem zur Abschreckung beitragen. Diese kleinen Kameras könnten vielleicht Aggressoren von Übergriffen abhalten, wenn sie auf einem Monitor das Gegenüber sehen. Das Problem bleibt jedoch, dass technische Maßnahmen nicht alle Übergriffe verhindern können. Unterstützung durch die Fahrgäste wäre hier eine wertvolle Ergänzung.
Ein schwerer Verlust und die Folgen
Die Diskussion um die Sicherheit im Bahnverkehr hat sich durch einen tragischen Vorfall weiter verschärft: Der Zugbegleiter Serkan C. wurde getötet, nachdem er einen Schwarzfahrer aus einem Regionalzug verwiesen hatte. Dieser Vorfall hat einen Sicherheitsgipfel der Deutschen Bahn ausgelöst, bei dem Maßnahmen zum Schutz des Bahnpersonals besprochen wurden. Die geplanten Maßnahmen beinhalten die Einführung von Bodycams für alle Zugbegleiter im Nah- und Fernverkehr sowie die Bereitstellung von 200 zusätzlichen Sicherheitskräften auf Bahnhöfen. Zusätzlich sollen Notknöpfe für Zugbegleiter im Ernstfall installiert werden.
Angriffe auf Bahnpersonal sind in den letzten zehn Jahren alarmierend angestiegen. Gewerkschaften und Betriebsräte haben ihre Unzufriedenheit mit den Ergebnissen des Sicherheitsgipfels geäußert und fordern unter anderem eine Doppelbesetzung in Zügen. Bundeskanzler Friedrich Merz wird aufgefordert, eine Sonderkonferenz der Ministerpräsidenten einzuberufen, um die Finanzierung und Personalaufstockung in Zügen zu diskutieren. Bundesjustizministerin Hubig arbeitet an einem Gesetzentwurf zur Verbesserung des Schutzes für Bahnpersonal, während Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder KI-gestützte Videoüberwachung vorschlägt. Ein komplexes Geflecht aus Politik, Gewerkschaften und Sicherheitsbehörden, das in den kommenden Monaten wohl noch für viel Gesprächsstoff sorgen wird.
Die Zahlen sprechen für sich
Im Jahr 2025 wurden mehr als 5.600 Gewaltdelikte in Zügen und auf Bahnhöfen in Deutschland verzeichnet, wobei besonders Großstädte betroffen sind. Der Hauptbahnhof Leipzig hatte mit 859 Gewaltdelikten die höchste Zahl in Deutschland. Aber auch andere Bahnhöfe wie Dortmund, Berlin und Köln sind nicht ohne. Die Deutsche Bahn selbst verzeichnete über 3.000 Angriffe auf ihr Personal im Jahr 2025 – das sind etwa acht pro Tag. Angriffe geschehen häufig bei Fahrkartenkontrollen, Durchsetzungen des Hausrechts und bei Großveranstaltungen. Die Zahl der Körperverletzungen ist alarmierend: 1.555 wurden im Jahr 2025 erfasst, darunter 324 gefährliche Körperverletzungen.
Die Dimensionen, die hier offenbart werden, sind erschreckend. Über 980 Messer- und rund 2.200 Sexualdelikte wurden ebenfalls aktenkundig. Ein tödlicher Angriff auf einen Zugbegleiter in Rheinland-Pfalz Anfang Februar 2026 hat die Debatte über die Sicherheit im Bahnverkehr erneut angeheizt. Als direkte Konsequenz hat die Deutsche Bahn ein Sofortprogramm zur Verbesserung der Sicherheit und Sauberkeit an Bahnhöfen ins Leben gerufen. Hierbei werden mehr Sicherheitskräfte an 25 ausgewählten Stationen eingesetzt. Dazu gehören Leipzig, Berlin, Köln und Hannover. Es bleibt zu hoffen, dass diese Maßnahmen nicht nur die Sicherheit erhöhen, sondern auch das Vertrauen der Fahrgäste in die Bahn stärken.