Das Geheimnis des Goldenen Karpfens: Wie eine Familie die Hotellerie in Fulda neu definiert
Im Herzen der malerischen Altstadt von Fulda, wo die Zeit stillzustehen scheint, steht das Hotel Zum Goldenen Karpfen. Seit über 100 Jahren ist dieses charmante Haus nicht nur ein Ort der Übernachtung, sondern auch ein Stück lebendige Geschichte. Renate und Maria Tünsmeyer, die das Hotel seit mehr als 50 Jahren in Familienbesitz führen, haben es geschafft, eine intime Atmosphäre zu kreieren, die Gäste aus aller Welt anzieht. Und das nicht ohne Grund! Hier haben schon so manche Prominenten genächtigt – von den Kessler-Zwillingen bis zu den Toten Hosen. Man kann sich vorstellen, wie der Duft von frisch gebackenem Pflaumenkuchen durch die Gänge zieht, während die Geschichten der Gäste leise in den Wänden widerhallen.
Der Weg vom Bahnhof zum Hotel dauert für die Tünsmeyers selbst etwa 45 Minuten. Das liegt nicht nur an den 15 Minuten Fußweg, sondern auch an den zahlreichen sozialen Kontakten, die sie auf dem Weg knüpfen. Man könnte fast meinen, dass jeder Schritt ein Stück Heimatgefühl mit sich bringt. Die Anstrengung hat sich gelohnt: Das Hotel hat nicht nur 55 Zimmer und Suiten, sondern beschäftigt auch fast 50 Mitarbeiter, darunter Azubis. In einer Zeit, in der die deutsche Hotellerie unter einer existenzbedrohenden Personalkrise leidet – mit Fluktuationsraten von bis zu 70 Prozent – ist das eine bemerkenswerte Leistung.
Herausforderungen in der Hotellerie
Die Herausforderungen sind nicht zu unterschätzen: Die gesamte Branche kämpft mit steigenden Kosten und bürokratischen Anforderungen. Viele Hotels sind mit einem enormen Fachkräftemangel konfrontiert. Während der Pandemie haben 325.000 Fachkräfte in andere Branchen gewechselt, und so sind aktuell etwa 40 Prozent aller Stellen in der Hotellerie unbesetzt. Die Fluktuation ist ein echtes Problem, das nicht nur die Mitarbeiter betrifft, sondern auch die Servicequalität in den Hotels gefährdet. Die Tünsmeyers haben jedoch ihre Mitarbeiter während der Pandemie behalten und ihnen ihre Bezüge gezahlt – ein Schritt, der in der Branche nicht selbstverständlich ist.
Ein bemerkenswerter Aspekt des Hotel Zum Goldenen Karpfen ist die hohe persönliche Bindung zu den Mitarbeitern. Renate Tünsmeyer hat die Hotelfachschule in Lausanne besucht und bringt ihre Leidenschaft für die Hotellerie in jeden Aspekt des Betriebs ein. Diese persönliche Note und die gute Bezahlung sind nicht nur ein Vorteil für die Mitarbeiter, sondern auch für die Gäste, die eine intimere Atmosphäre bevorzugen. Während viele Hotels mit einer Fluktuation von über 68 Prozent kämpfen, scheinen die Tünsmeyers einen anderen Weg zu gehen.
Ein Blick in die Zukunft
Die Herausforderungen sind jedoch nicht nur lokal. Die gesamte Branche sieht sich einer existenzbedrohenden Personalnot gegenüber, die jährlich Milliarden kostet. Es ist ein Wettlauf gegen die Zeit: Niedrige Bezahlung, unregelmäßige Arbeitszeiten und fehlende Entwicklungsmöglichkeiten treiben viele Mitarbeiter in andere Branchen. Die Tünsmeyers haben das erkannt und setzen auf eine systematische Herangehensweise zur Verbesserung der Mitarbeiterbindung. Hierzu zählen nicht nur wettbewerbsfähige Vergütung und Entwicklungsprogramme, sondern auch die Schaffung eines positiven Arbeitsumfelds.
Komischerweise denkt Renate Tünsmeyer noch lange nicht ans Aufhören. Solange das Hotelleben Spaß macht, wird sie weitermachen – mit einem Lächeln im Gesicht und einer Tasse Kaffee in der Hand. Das Hotel Zum Goldenen Karpfen ist mehr als nur ein Übernachtungsort; es ist ein lebendiger Teil der Stadt Fulda, der Geschichte, Emotionen und unvergessliche Momente miteinander verbindet.
