Heute ist der 5.05.2026, und in Weilheim-Schongau zeigt sich ein klarer Trend: Die Neuzulassungen von Cabriolets in Deutschland nehmen dramatisch ab. Wer noch vor ein paar Jahren das Gefühl hatte, im Cabrio über die Landstraßen zu gleiten, muss sich nun umorientieren. Wo sind die Zeiten geblieben, als 2011 im Landkreis ein Cabrio-Boom stattfand, der die Zulassungen um 25% auf satte 3102 Einheiten ansteigen ließ?

Aktuell sieht die Lage ganz anders aus. Die Zulassungsstatistiken des Landratsamts Weilheim-Schongau zeigen, dass Cabrios nicht mehr separat erfasst werden. Ein deutliches Zeichen dafür, dass das Interesse an diesen „Vergnügungsfahrzeugen“ schwindet. Johannes Medele, Geschäftsführer eines Mercedes-Autohauses, führt diesen Rückgang unter anderem auf die gestiegenen Spritpreise zurück. Die Zeiten, in denen man beim Autofahren einfach Spaß hatte, scheinen vorbei zu sein. Reiner Heuberger, Geschäftsführer eines Audi/VW-Autohauses, merkt an, dass der Zeitgeist sich gewandelt hat – hin zu praktischeren Autos. Ein Cabrio ist für viele einfach nicht mehr das, was es einmal war.

Die Zahlen lügen nicht

Ein Blick auf die Verkaufszahlen bestätigt diese Beobachtungen. Im Jahr 2024 wurden in Deutschland nur noch 40.984 Cabrios neu zugelassen – das ist ein Rückgang von über 20% im Vergleich zum Vorjahr. Vor fünf Jahren lag die Zahl noch bei über 70.000 und vor 15 Jahren sogar bei fast 103.000. Der Anteil von Cabrios am gesamten Neuwagenmarkt beträgt nur noch 1,5%. Das hat auch seine Gründe. Ein Sprecher des Verbands des Kraftfahrzeuggewerbes erklärt, dass das Cabrio unter Druck durch SUVs und die E-Mobilität steht. Immer weniger Hersteller bieten Cabrios an – viele haben sie sogar ganz aus dem Programm gestrichen.

Betrachtet man die Situation bei den deutschen Herstellern, wird das Bild noch klarer: VW hat nur noch ein Cabrio im Angebot, den T-Roc, der 2024 mit 7.718 Neuzulassungen als meistverkauftes Cabrio gilt. Audi produziert überhaupt keine Cabrio-Modelle mehr. Selbst bei Mercedes machen Cabrios nur weniger als 5% der verkauften Fahrzeuge aus. Die Verkaufszahlen zeigen, dass BMW und Audi früher etwa die Hälfte ihrer Modelle als Cabrio anboten, heute sind es nur noch knapp ein Fünftel.

Gesellschaftliche Veränderungen

Die Frage, die sich aufdrängt: Warum ist das Cabrio im Rückgang begriffen? Ein Grund könnte in den gesellschaftlichen Veränderungen liegen. Cabrios gelten zunehmend als Luxusartikel. Viele Cabrio-Käufer sind älter als 40 Jahre, häufig Frauen, die sich vielleicht nicht mehr so leicht für den Wind in den Haaren begeistern können wie in ihren jüngeren Jahren. Johannes Medele, der selbst als Familienvater andere Prioritäten hat, fährt auch nur selten Cabriolets. Und selbst Reiner Heuberger, der einen sportlichen Oben-Ohne-Audi als Zweitwagen fährt, weiß, dass die Zeiten sich geändert haben.

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Interessanterweise zeigt sich, dass rund 2,2 Millionen Cabrios im Fahrzeugbestand in Deutschland existieren, viele davon als Zweit- oder Drittwagen. Der Starnberger See, nahe München, ist ein Hotspot für Cabrio-Fans. Doch das hält die Hersteller nicht davon ab, ihr Angebot zu reduzieren. Die Rückgänge sind nicht zu übersehen: Der Markt für Cabrios ist seit dem Banken-Crash 2008/09 um erschreckende 70% geschrumpft. Wenn das nicht alarmierend ist!

Es bleibt abzuwarten, ob Cabrios in Zukunft noch eine Rolle spielen werden oder ob sie endgültig im Schatten der praktischen SUVs und E-Autos verschwinden. Vielleicht wird das Cabrio eines Tages wieder auferstehen, aber im Moment scheinen die Zeichen eher gegen einen Comeback zu sprechen. Man kann nur hoffen, dass die Faszination für das Fahren unter freiem Himmel nicht ganz verloren geht.