In Freising, wo Tradition und moderne Kunst aufeinandertreffen, gibt es jetzt ein ganz besonderes Highlight im Diözesanmuseum. Drei monumentale Frauenskulpturen des renommierten Künstlers Anselm Kiefer machen hier von sich reden. „Ave Maria Turris Eburnea“ aus dem Jahr 2018, „Sappho“ (2020–2024) und „Maria Mater Dolorosa“ (2019) stehen im Freien und ziehen die Blicke auf sich – jede für sich eine faszinierende Darstellung von Weiblichkeit und Geschichte.

Die Ankunft der ersten beiden Skulpturen war ein Spektakel für sich. Ein Baukran hob sie majestätisch über das Dach des Museums und ließ sie sanft auf den Domberg hinab. Man kann sich vorstellen, wie die Passanten stehen blieben, um dieses Kunstwerk in Bewegung zu beobachten. „Sappho“, die oft überhörten Stimmen der Vergangenheit gewidmet, steht bei der Benedikt-Linde und trägt einen schweren Bücherstapel aus Blei, der von der Kunstschmiede Bergmeister montiert wurde. Das Blei, so schwer und massiv, steht im Kontrast zu ihren zarten, fließenden Kleidern. Da schwingt etwas mit, das die Dualität von Stärke und Verletzlichkeit verkörpert.

Einblicke in Kiefers Kunst

„Ave Maria Turris Eburnea“, die bereits angekauft wurde, repräsentiert Reinheit und Schönheit und wird als fragil und unerreichbar beschrieben. Hier trifft man auf eine Skulptur, die mit ihrer Anmut und Eleganz die Betrachter in ihren Bann zieht. Im Gegensatz dazu wird „Maria Mater Dolorosa“, die im Herbst 2026 erwartet wird, eine menschlich leidende Mutter darstellen – ihr Kopf aus Reisig weckt Assoziationen zu Ausbeutung und Gewalt. Es ist, als würde sie uns alle an die Schattenseiten des Lebens erinnern.

Jede dieser Figuren trägt ihre eigene Geschichte und ihre spezifischen Attribute. Während die einen mit Poesie und Zartheit aufgeladen sind, spiegeln die anderen eine schwere, fast bedrückende Realität wider. Es ist beeindruckend, wie Kiefer es schafft, existenzielle Fragen, Geschichte, Religion und Spiritualität in seinen Werken zu verarbeiten. Das lässt einen nicht kalt – es regt zum Nachdenken an.

Kiefer im Kontext der zeitgenössischen Kunst

Anselm Kiefer, Jahrgang 1945, ist nicht nur in Freising aktiv. Er steht im Mittelpunkt mehrerer bedeutender Ausstellungen in Europa. So wird seine große Ausstellung „Anselm Kiefer. Le Alchimiste“ vom 7. Februar bis 2. Mai 2026 im Palazzo Reale in Mailand zu sehen sein. Das Thema? Eine Hommage an weibliche Erinnerung, verborgenes Wissen und Transformation – genau das, was auch in den Skulpturen in Freising spürbar ist. Und das ist nicht alles: Eine große Schau im Palazzo Strozzi in Florenz wird vom 22. März bis 21. Juli 2024 stattfinden, die den Besucher durch die Räume eines Renaissancepalastes führt.

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Seine Kunst hat die Kraft, auch über den Tellerrand hinauszublicken. Man darf gespannt sein, welche Impulse diese neuen Werke in der Kunstszene setzen werden – in Freising und darüber hinaus. Diese Frauenfiguren sind mehr als nur Skulpturen; sie sind lebendige Erinnerungen an das, was oft übersehen wird. Ein eindringlicher Dialog zwischen Vergangenheit und Gegenwart, zwischen Kunst und Realität, der uns alle zum Nachdenken anregt.

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