Die SPD in Baden-Württemberg steht an einem entscheidenden Wendepunkt. Nach einer enttäuschenden Landtagswahl im März, wo die Partei nur 5,5 Prozent der Stimmen erhielt, ist der Druck groß, sich neu aufzustellen. Am Dienstag wird das Ergebnis einer Mitgliederbefragung zur neuen Landesspitze veröffentlicht, was für viele Parteimitglieder ein Wendepunkt sein könnte.

Insgesamt haben vier Kandidaten ihr Interesse bekundet, den Landesvorsitz zu übernehmen. Da wäre zunächst Dorothea Kliche-Behnke, die seit 2021 im Landtag sitzt und seit 2018 die stellvertretende Landesvorsitzende ist. Sie hat bereits eine Mitgliederbefragung initiiert und möchte der SPD ein stärkeres sozialpolitisches Profil geben. Isabel Cademartori, die Bundestagsabgeordnete aus Mannheim, und Robin Mesarosch, ein ehemaliger Bundestagsabgeordneter aus Sigmaringen, haben beschlossen, gemeinsam für eine Doppelspitze zu kandidieren. Cademartori, die das letzte Direktmandat für die SPD in Baden-Württemberg bei der Bundestagswahl 2021 holte, bringt frischen Wind in die Kandidatur. Mesarosch, der mit seinen 35 Jahren auch auf Social Media einen großen Einfluss hat, möchte die unterschiedlichen Flügel der Partei vereinen.

Die Außenseiterrolle von Carsten Lotz

Dann gibt es da noch Carsten Lotz, der als Außenseiter gilt. Er ist Ortsvereinsvorsitzender aus Gomaringen und hat sich selbst als der Erste in seiner Familie beschrieben, der Abitur und Studium absolviert hat. Lotz will anderen ähnliche Chancen bieten und hat mit seiner persönlichen Herkunft auch eine bewegende Geschichte im Gepäck.

Der Rückzug von Andreas Stoch, dem bisherigen Partei- und Fraktionschef, hat die Lage zusätzlich verändert. Sascha Binder, der bis dahin als Generalsekretär tätig war, hat Stoch an der Fraktionsspitze gefolgt. Diese Neuausrichtung ist nicht nur notwendig, sondern auch überfällig. Die Tatsache, dass das erforderliche Quorum von 20 Prozent der rund 30.000 Mitglieder für die Befragung erreicht wurde, zeigt das Engagement innerhalb der Partei. Doch die Mitgliederbefragung ist politisch bindend, jedoch nicht die endgültige Wahl. Ein Parteitag am kommenden Freitag und Samstag in Ulm wird die endgültige Entscheidung bringen.

Ein spannendes Wochenende in Ulm

Die Bewerber haben sich verpflichtet, im Falle einer Niederlage auf dem Parteitag nicht mehr anzutreten. Diese Regelung macht die Sache spannend, denn sollte keiner der Kandidaten die absolute Mehrheit erreichen, könnte es auf dem Parteitag zu einem echten Showdown kommen. Die Spannung steigt und alle Augen sind auf Ulm gerichtet, wo die SPD sich neu definieren und vielleicht auch neu erfinden will.

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Die kommenden Wochen sind also entscheidend für die Zukunft der SPD in Baden-Württemberg. Regionalkonferenzen stehen an, auf denen sich die Kandidaten vorstellen werden. Es bleibt abzuwarten, ob die Mitglieder der SPD bereit sind, einen neuen Kurs einzuschlagen und ob die Frischlinge unter den Bewerbern das Vertrauen der Basis gewinnen können. Ein bisschen Nervenkitzel schadet ja nie, oder?

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