Kampf um gesunde Arbeitsbedingungen: Die Beschäftigten der Universitätskliniken stehen auf der Barrikade
Am Montag und Dienstag ist es in den Universitätskliniken von Freiburg, Heidelberg, Ulm und Tübingen zu Warnstreiks gekommen. Die Gewerkschaft Verdi hat über 20 Operationssäle und fast 60 Betten in Freiburg zur Schließung angemeldet. Die Stimmung ist angespannt, denn die Verhandlungen, die eigentlich auf eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen und eine Entgelterhöhung von 7,5 Prozent, mindestens jedoch 320 Euro pro Monat, abzielen sollten, stehen auf der Kippe. Ein Arbeitgeberangebot blieb zunächst aus – die Kündigung des Rationalisierungsschutz-Tarifvertrags hat das Fass zum Überlaufen gebracht. Die Beschäftigten sind frustriert und fühlen sich unter Druck gesetzt; viele arbeiten häufig mehr als acht Stunden am Tag und sind ausgebrannt.
Dr. Elke Ahlers vom Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Institut (WSI) hat kürzlich darauf hingewiesen, dass fast die Hälfte der Erwerbstätigen mit Erschöpfung zu kämpfen hat. Die Ruhezeiten sind oft verkürzt, was nicht nur zu erhöhter Müdigkeit, sondern auch zu einem Anstieg von Unfällen führen kann. DIW-Präsident Marcel Fratzscher fordert zwar mehr Flexibilität am Arbeitsplatz, warnt aber gleichzeitig vor den Gefahren, die eine solche Flexibilität ohne Obergrenzen mit sich bringen kann. Es ist ein schmaler Grat, auf dem sich die Arbeitgeber und die Gewerkschaft bewegen müssen.
Gesunde Arbeit für alle
Die Thematik der „gesunden Arbeit“ ist nicht neu, aber sie gewinnt zunehmend an Bedeutung. Über die Jahre hat die Arbeitsintensität in Dienstleistungsberufen zugenommen. Die digitale Welt bringt nicht nur Vorteile, sondern auch Herausforderungen mit sich. Ständige Erreichbarkeit und der Druck, schnelle Ergebnisse zu liefern, setzen die Beschäftigten enorm unter Stress. Verdi hat in diesem Zusammenhang einen Leitfaden entwickelt, der dabei helfen soll, Entlastungspotenziale zu erkennen und zu nutzen. Es ist höchste Zeit, dass die Belegschaften bei der Gestaltung ihrer Arbeitsbedingungen mehr Mitspracherecht bekommen.
Ein wichtiges Anliegen ist, dass ältere Beschäftigte (55-64 Jahre) länger im Berufsleben bleiben wollen, wenn sie Einfluss auf ihre Arbeitsbedingungen haben. Diese Altersgruppe macht immerhin ein Viertel aller Erwerbstätigen aus. Die Frage, die sich hier stellt, ist: Wie können Unternehmen ihre Angestellten unterstützen? Gesundheit am Arbeitsplatz ist nicht nur für die Beschäftigten wichtig, sondern auch für den langfristigen Erfolg der Unternehmen. Zu hohe Anforderungen und eine mangelhafte Gesundheitsförderung können zu einem hohen Krankenstand, mangelnder Motivation und Schwierigkeiten bei der Bindung von Fachkräften führen.
Der Weg zur Verbesserung
Der demografische Wandel sorgt dafür, dass Menschen länger arbeiten müssen, und die Arbeitgeber sind gefordert, Maßnahmen zur Gesundheitsförderung ernst zu nehmen. Betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM) ist da das Zauberwort. Es sollte als Chefsache betrachtet werden. Die drei Säulen des BGM – Arbeitsschutz, Betriebliches Eingliederungsmanagement (BEM) und Betriebliche Gesundheitsförderung (BGF) – bilden die Grundlage für eine gesunde Arbeitsumgebung. Und ja, das bedeutet auch, dass die Unternehmen Verantwortung übernehmen müssen. Ein gesundes Arbeitsklima wird nicht nur von den Angestellten geschätzt, sondern trägt auch maßgeblich zur Qualität der Arbeit bei.
Die nächste Verhandlungsrunde zwischen Verdi und den Arbeitgebern ist für Mittwoch angesetzt. Die Hoffnung auf ein faires Angebot ist da, doch die Zeit drängt. Die Beschäftigten haben genug von leerem Gerede und fordern endlich echte Verbesserungen. Die Situation in den Kliniken könnte sich bald zuspitzen, und die Zeichen stehen auf Veränderung. Es bleibt spannend zu beobachten, wie sich der Tarifkonflikt entwickeln wird und ob die Arbeitgeber bereit sind, die notwendigen Schritte zu gehen, um die Gesundheit und das Wohlbefinden ihrer Mitarbeiter zu fördern.
