Wenn die Gerechtigkeit ins Wanken gerät: „PRIMA FACIE“ in Tübingen
Heute ist der 12. Juni 2026 und in Tübingen steht ein ganz besonderes Theaterstück auf dem Programm: „PRIMA FACIE“ von Suzie Miller. Dies ist nicht nur einfach ein weiteres Stück, sondern ein eindringlicher Monolog, der sich mit der Unschuldsvermutung und Gerechtigkeit im Kontext sexualisierter Gewalt auseinandersetzt. Die Hauptfigur Tessa Ensler, eine Strafverteidigerin, die sich auf Vergewaltigungsfälle spezialisiert hat, steht im Mittelpunkt. Was zunächst wie eine routinierte Verteidigung aussieht, entwickelt sich rasch zu einer tiefen persönlichen Krise, als Tessa selbst zum Opfer wird. Diese Wendung wirft drängende Fragen nach der Glaubwürdigkeit und den Mechanismen der Justiz auf.
Die Autorin Suzie Miller, die früher selbst als Menschenrechts- und Strafanwältin tätig war, bringt ihre Erfahrungen in den Text ein – ein Umstand, der dem Stück eine besondere Authentizität verleiht. Die Uraufführung fand am 20. März 2026 statt und die Aufführungen sind bis zum 9. Juli in der Bursagasse 16 zu erleben. Mit einem Ticketpreis von 20 Euro (ermäßigt 10,50 Euro) ist es auch für das breitere Publikum zugänglich. Regie führt Magdalena Schönfeld, während Rabea Stadthaus für die Ausstattung verantwortlich zeichnet. Dramaturgisch begleitet wird das Ganze von Dr. Stefan Tigges.
Ein eindringliches Erlebnis
Die Aufführung hat eine Dauer von 1 Stunde und 30 Minuten, und es ist sicher, dass die Zuschauer nach dem letzten Satz nicht einfach den Saal verlassen werden. Die aufrüttelnde Handlung und die kraftvolle Darstellung von Johanna Engel, die für ihre hervorragende Leistung bereits in der Presse gelobt wurde, sorgen für ein nachhaltiges Erlebnis. Der Reutlinger Generalanzeiger hebt hervor, dass es sich um ein „justizsystemkritisches Stück“ handelt, und das Schwäbische Tagblatt beschreibt es als ein „wirksames Konzentrat“ an Emotionen und kritischen Fragen.
Es ist wichtig, darauf hinzuweisen, dass das Stück sensible Themen behandelt und Beschreibungen von Übergriffen sowie deren Auswirkungen enthält. Personen, die betroffen sind oder Unterstützung benötigen, können sich jederzeit an das Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“ unter 116 016 wenden – rund um die Uhr und anonym. Die Thematik, die „PRIMA FACIE“ behandelt, ist nicht nur auf die Bühne beschränkt. Sie spiegelt viele realistische und gesellschaftliche Herausforderungen wider, die auch außerhalb des Theaters relevant sind.
Ein Blick auf die Relevanz
In einer Zeit, in der Themen wie sexuelle Gewalt und Gerechtigkeit in der Gesellschaft lautstark diskutiert werden, ist es nur folgerichtig, dass ein solches Stück Gehör findet. Theater hat die Kraft, auf Missstände aufmerksam zu machen und Diskurse anzustoßen. Das Publikum wird aufgefordert, sich mit den eigenen Vorstellungen von Gerechtigkeit und den Strukturen, die oft die Stimmen der Opfer übertönen, auseinanderzusetzen.
„PRIMA FACIE“ ist nicht nur eine Aufführung, es ist eine Einladung zur Reflexion. Wer die Gelegenheit hat, dieses Stück zu sehen, sollte sie unbedingt wahrnehmen. Es wird sicherlich ein Abend, der nachklingt und zum Nachdenken anregt – und vielleicht auch ein kleiner Anstoß für Veränderungen im eigenen Umfeld sein kann.
