Am 30. Juni wird in Tübingen die Sportlerehrung stattfinden, und es gibt einige spannende Änderungen im Veranstaltungsort. Ursprünglich war die Aula der Mensa Uhlandstraße vorgesehen, aber aufgrund der fehlenden Barrierefreiheit wurde umgeplant. Der neue Marc-Kemmler-Saal der Musikschule Tübingen ist nun der Ort, an dem die sportlichen Erfolge gefeiert werden – und das ist nicht nur eine bloße Standortverlagerung. Hier ist alles barrierefrei, inklusive einem Hublift, der es Menschen im Rollstuhl ermöglicht, die Bühne zu erreichen.
Das klingt zunächst nach einer großartigen Lösung, aber die Hintergründe sind vielschichtiger. Die Para-Tischtennisspielerin Cary Hailfinger, die überwiegend auf einen Rollstuhl angewiesen ist, hätte die ursprüngliche Bühne in der Mensa Uhlandstraße nicht betreten können. Technische Alternativen wie ein mobiler Lift oder eine Rampe waren nicht geeignet. So wurde die Entscheidung, die Veranstaltung in einen zugänglichen Raum zu verlegen, tatsächlich zur Notwendigkeit. Die Stadt Tübingen hat sich bei dieser Gelegenheit auch beim Bachchor bedankt, der auf eine geplante Probe verzichtet hat, um den neuen Veranstaltungsort zu nutzen.
Ein Shitstorm und scharfe Kritik
Doch nicht alles läuft reibungslos. Oberbürgermeister Boris Palmer, der die Entscheidung zur Aufstellung einer Rampe für Cary Hailfinger abgelehnt hat, sieht sich dem Unmut vieler Menschen gegenüber. Seine Begründung: Die Kosten von 1200 Euro seien zu hoch und es fehle schlichtweg der Platz in der Mensa Uhlandstraße. Palmer äußerte seine Entscheidung auf Facebook, was prompt zu einem Shitstorm führte. Der Allgemeine Behindertenverband in Deutschland (ABID) kritisierte die Entscheidung scharf und fordert nicht nur die Rampe bis Ende Juni, sondern auch strengere Gesetze mit spürbaren Strafen für Barrierefreiheit im öffentlichen Raum.
Cary Hailfinger selbst stellte die bedrückende Frage: „Bin ich weniger wert?“ Diese Frage könnte kaum treffender sein. Der ABID betont, dass Barrierefreiheit ein Grundrecht sei und dass Geld und Platz niemals als Ausrede dienen sollten, um Menschen mit Behinderungen auszuschließen. Marcus Graubner, der Vorsitzende des ABID, bezeichnet die Situation als Skandal und einen respektlosen Umgang mit Menschen mit Behinderungen. Der Verband fordert Palmer auf, seine Entscheidung zurückzunehmen.
Eine engagierte Gemeinschaft
Es ist ermutigend zu sehen, dass die Stadt Tübingen plant, Spenden für dauerhafte barrierefreie Lösungen in weiteren Veranstaltungsräumen zu sammeln. Auch wenn der Weg dorthin steinig ist, zeigt die Hilfsbereitschaft der Sponsoren und der Gemeinschaft, dass Barrierefreiheit ein Thema ist, das ernst genommen werden muss. Die Sportlerehrung wird nicht nur ein Fest für die Athleten, sondern auch ein Zeichen für die Notwendigkeit der Inklusion und die Bedeutung von Barrierefreiheit in unserer Gesellschaft.