In Tübingen braut sich etwas zusammen. Curevac, ein Unternehmen, das in der Entwicklung von mRNA-Technologien eine ganz schön große Rolle gespielt hat, plant die Schließung seines Standorts in dieser malerischen Stadt. Oberbürgermeister Boris Palmer ist ganz und gar nicht amused – er sieht die Schließung als einen schweren Schlag für die Stadt, das Land Baden-Württemberg und vor allem für die Beschäftigten. „Das ist nicht einfach nur eine Entscheidung, das trifft viele Menschen ins Herz“, sagt er. Und er hat recht! Palmer fordert Biontech, die Landes- und Bundesregierung sowie die Wissenschaftseinrichtungen auf, Lösungen zu finden, um die Arbeitsplätze und die Forschung am Standort zu sichern. Er betont auch die Verantwortung der Übernehmer, die für die Beschäftigten und den Forschungsstandort sorgen müssen.

Die Situation ist ernst. Curevac, das einige der innovativsten Köpfe in der mRNA-Technologie vereint, wird bis Ende 2027 seine Pforten schließen, und das hat weitreichende Konsequenzen. Biontech plant nicht nur, Curevac dichtzumachen, sondern auch die Schließung weiterer Standorte in Idar-Oberstein und Marburg. Insgesamt könnten bis zu 1.860 Stellen verloren gehen – da bleibt einem die Luft weg. Die Einsparungen sollen Biontech helfen, jährlich bis zu 500 Millionen Euro zu sparen, die dann in die Forschung und Entwicklung von Krebsmedikamenten investiert werden sollen.

Ein bitterer Nachgeschmack

Die Schließung – eine Entscheidung, die viele als Vertrauensbruch empfinden. Der Betriebsrat der CureVac-Standorte hat sich bereits lautstark zu Wort gemeldet und seiner scharfen Kritik Ausdruck verliehen. Immerhin war die Forschung in Tübingen seit August bereits zum Stillstand gekommen. Klinische Studien werden zwar noch abgeschlossen, aber die Weiterentwicklung? Fehlanzeige! In einem Unternehmen, das während der Pandemie bei der Entwicklung von Impfstoffen gegen COVID-19 mit BioNtech konkurrierte, ist das ein harter Rückschlag. Und das, obwohl BioNtech im ersten Quartal 2026 einen Verlust von 532 Millionen Euro verzeichnete – die Kasse ist also nicht gerade prall gefüllt, wenngleich das Unternehmen noch fast 17 Milliarden Euro an liquiden Mitteln hat.

Die Übernahme von Curevac durch BioNtech im Dezember 2025 für 1,25 Milliarden Dollar nach einem langen Rechtsstreit hat sich als nicht so goldig herausgestellt, wie man es sich vielleicht erhofft hatte. In den letzten Jahren hat BioNtech sich zunehmend auf die Forschung im Bereich der Krebstherapien konzentriert und hat sieben zulassungsrelevante Studien für Medikamente gegen verschiedene Krebsarten am Start. Die Gründer von BioNtech, Prof. Dr. Ugur Sahin und Prof. Dr. Özlem Türeci, planen zudem, sich bis Ende 2026 von der Unternehmensspitze zurückzuziehen, um ein neues Unternehmen zu gründen, das sich auf mRNA-Forschung konzentrieren will.

Ein Blick in die Zukunft

BioNtech hat sich von einem kleinen Biotech-Startup zu einem global agierenden Pharmaunternehmen entwickelt, das weltweit etwa 6.800 Mitarbeitende beschäftigt. Während der Corona-Pandemie war BioNtech mit der Entwicklung des ersten zugelassenen mRNA-Impfstoffs gegen COVID-19 ein strahlender Stern. Bislang wurden über 4,8 Milliarden Dosen in mehr als 180 Ländern ausgeliefert. Aber jetzt, wo der Bedarf an COVID-Impfstoffen zurückgeht, wird die Karten neu gemischt. Der Fokus liegt auf Krebstherapien und Impfstoffentwicklung. BioNtech hat eine modulare mRNA-Produktionsanlage in Ruanda in der Pipeline – ein Schritt hin zu mehr globaler Impfstoffgerechtigkeit.

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Es bleibt abzuwarten, wie sich die Situation in Tübingen entwickeln wird. Die Stadt hat viel investiert, nicht nur in Forschung, sondern auch in die Menschen, die dort arbeiten. Die Frage ist, ob und wie die Verantwortlichen die Herausforderungen meistern können, die vor ihnen liegen. Die Hoffnung stirbt zuletzt, und wir dürfen gespannt sein, was die Zukunft für die mRNA-Technologie und die Wissenschaftslandschaft in Deutschland bereithält.