Am 28. April 2026 verstarb Hermann Häring, ein prägender katholischer Theologe, im Alter von 88 Jahren. Die traurige Nachricht wurde von der Reformbewegung «Wir sind Kirche» veröffentlicht. Geboren wurde er am 7. Juli 1937 im baden-württembergischen Pforzheim, wo sicherlich schon früh die Weichen für seine außergewöhnliche Laufbahn gestellt wurden. Seine akademische Reise begann mit dem Studium der Philosophie an der Jesuitenhochschule in Pullach im Isartal, gefolgt von einer tiefen Auseinandersetzung mit der katholischen Theologie an der Universität Tübingen, die er 1968 abschloss.
Hermann Häring war nicht nur ein brillanter Kopf, sondern auch ein Mensch mit einer Leidenschaft für ökumenische Fragen. Von 1970 bis 1980 war er am Institut für ökumenische Forschung in Tübingen unter der Leitung von Hans Küng tätig. Diese Zeit prägte seine Sichtweise auf die Kirche und die Welt. Seine Habilitation im Jahr 1978 in dogmatischer und ökumenischer Theologie war ein weiterer wichtiger Schritt auf seinem Weg. Danach lehrte er bis 2005 an der Universität Nijmegen, wo er die katholische Systematische Theologie prägte. Besonders bemerkenswert ist, dass seine Professur durch Utrechter Kardinal Johannes Willebrands ermöglicht wurde, der sich über römische Vorgaben hinwegsetzte – ein mutiger Schritt in einer oft starren Hierarchie.
Ein Leben für den Dialog
Nach seiner Emeritierung kehrte Häring nach Tübingen zurück und veröffentlichte zahlreiche theologischen Werke, die sich mit den Herausforderungen der modernen Kirche auseinandersetzten. Er war auch aktiv beim Projekt Weltethos von Hans Küng und stand in engem Kontakt zur Herbert Haag Stiftung. Dabei beschäftigte er sich intensiv mit Fragen der Kirchenreform und dem interreligiösen Dialog. Seine Werke, wie „Theologie und Ideologie bei Joseph Ratzinger“ oder „Freiheit im Haus des Herrn“, zeigen seinen kritischen, aber auch konstruktiven Ansatz in der Theologie.
Hermann Häring war zudem Ehrenmitglied der «Initiative Kirche von unten» und erhielt 2009 den Herbert-Haag-Preis für «Freiheit und Menschlichkeit innerhalb der Kirche». Diese Auszeichnung unterstreicht seine unermüdliche Arbeit für eine offenere und inklusivere Kirche. Auch seine Brüder, der katholische Pfarrer Karl Häring und der Jurist Georg Häring, zeigen, dass das Engagement für Glaubensfragen in der Familie verankert war.
Ökumene im Fokus
In einer Zeit, in der die Trennungen zwischen den verschiedenen Glaubensrichtungen oft schmerzhaft spürbar sind, war Häring ein Verfechter des Dialogs. Desmond Tutu betonte in seiner Rede beim Ökumenischen Rat der Kirchen die Notwendigkeit einer vereinten Kirche für das Heil der Welt. Diese Einsicht spiegelt sich auch in Härings Arbeit wider. Ökumene bedeutet nicht nur, verschiedene Konfessionen zusammenzubringen, sondern auch, als Gemeinschaft die Herausforderungen der modernen Welt zu begegnen – sei es durch die Überwindung von Armut oder die Unterstützung der Marginalisierten.
In Deutschland haben die römisch-katholische und evangelische Kirche 2014 eine gemeinsame Sozialinitiative gestartet. Das zeigt, dass trotz aller Differenzen ein gemeinsames Handeln möglich ist und auch nötig ist. Die ökumenische Bewegung hat in den letzten Jahren viele Facetten angenommen – von der „Woche für das Leben“ bis hin zu interreligiösen Dialogen, die immer wichtiger werden. Hier ist es entscheidend, dass Kirchen und Christen sich nicht nur als getrennte Einheiten wahrnehmen, sondern als Teil einer größeren Verantwortung für die Schöpfung und das Wohl der Menschheit.
Hermann Härings Erbe wird in den Herzen derer weiterleben, die seine Vision einer offenen und kritischen Theologie teilen. Sein Leben war ein Plädoyer für die Einheit – nicht nur in der Kirche, sondern auch in der Welt. Er wird fehlen, aber seine Ideen und sein Engagement werden weiterhin inspirieren. In diesen bewegten Zeiten ist es an uns, seinen Geist fortzuführen und die Herausforderungen gemeinsam anzugehen.