Ende einer Ära: Stoll schließt nach 152 Jahren und öffnet Tür für Neues
Es ist ein trauriger Tag für die Textilindustrie: Die H. Stoll AG & Co. KG, ein über 150 Jahre altes Traditionsunternehmen aus Reutlingen, hat Ende Oktober 2025 seine Tore geschlossen. Nach 152 Jahren, die geprägt waren von Innovation und Handwerkskunst, musste das Unternehmen aufgrund wirtschaftlicher Schwierigkeiten seinen Produktionsstandort in Reutlingen aufgeben. Vor der Schließung waren hier noch etwa 270 Mitarbeiter beschäftigt, die nun vor einer ungewissen Zukunft stehen. Die Schließung kam nach der Übernahme durch die Karl Mayer Gruppe im Jahr 2020, die sich 2025 auf ihre Kernbereiche konzentrieren wollte. Ein harter Schnitt für alle, die mit Leidenschaft und Hingabe für Stoll gearbeitet haben.
Die Karl Mayer Gruppe hat zwar die Produktion eingestellt, aber das ist noch nicht das Ende der Fahnenstange. Ersatzteile und Support für die Flachstrickmaschinen von Stoll werden weiterhin über die Website des Unternehmens angeboten, und zwar aus Obertshausen, wo die Karl Mayer Gruppe ihren Hauptsitz hat. Doch das ist nur ein schwacher Trost für die ehemaligen Mitarbeiter, die um ihre Zukunft bangen. Ein Abwicklungsteam von etwa 30 Personen kümmert sich noch um Gewährleistungsfälle, aber auch dieses Team ist mittlerweile auf etwas über 20 geschrumpft. Die Schließung hat nicht nur Auswirkungen auf die Belegschaft, sondern auch auf die gesamte Region und deren Wirtschaft.
Übernahme durch die Cixing Group
Ein Lichtblick könnte die Übernahme der Marke Stoll durch die chinesische Ningbo Cixing Co., Ltd. sein, die sich als großer Strickmaschinenhersteller mit rund 1.700 Mitarbeitern etabliert hat. Karl Mayer hat eine Vereinbarung mit der Cixing Group über die Übertragung ausgewählter Vermögenswerte der Stoll-Geschäftseinheit unterzeichnet. Zu diesen Vermögenswerten gehören die Marke Stoll, Rohmaterialien, Bestände und bestimmte technologische Anlagen, einschließlich Patenten und Software. Details über die Höhe des Deals sind geheim, aber die Pläne für Geschäfte auf dem ehemaligen Gelände des geschlossenen Unternehmens in Reutlingen-West sind bereits in der Mache.
Die Cixing Group hat nicht nur die Marke Stoll erworben, sondern plant auch die Gründung zweier neuer Gesellschaften auf einem Teil des ehemaligen Betriebsgeländes. Informationen über die Anzahl der benötigten Arbeitnehmer sind momentan noch nicht bekannt. Ein Kundendienst für den installierten Maschinenbestand zur Cixing Group ist für später in diesem Jahr geplant, was vielleicht ein wenig Hoffnung für die Kunden von Stoll bietet. Die bestehenden Garantieverpflichtungen bleiben gesichert, was immerhin ein kleiner Lichtblick in dieser tristen Situation ist.
Ein Markt im Umbruch
Die Schließung von Stoll ist nicht das einzige traurige Kapitel in der Textilmaschinenbranche. Auch andere Traditionsunternehmen wie Mayer & Cie. haben das Handtuch geworfen. Nach 120 Jahren musste das Unternehmen, das 1905 gegründet wurde und einst Weltmarktführer war, Insolvenz anmelden. Der Druck aus der Branche ist enorm, nicht zuletzt durch steigende Kosten und geopolitische Krisen, die die Nachfrage dämpfen. Der Ukraine-Krieg und der Handelskonflikt zwischen den USA und China setzen der gesamten Branche zu.
Die Herausforderungen sind groß, und die Zukunft der Textilindustrie bleibt ungewiss. Die Übernahme von Stoll durch die Cixing Group könnte einen neuen Anfang bedeuten, aber die Erinnerungen an das, was einmal war, werden nicht so schnell verblassen. Die Region Reutlingen steht vor einem Wandel, der nicht nur wirtschaftliche, sondern auch soziale Auswirkungen haben wird. Es bleibt abzuwarten, wie sich die Dinge entwickeln und ob sich neue Perspektiven für die Menschen vor Ort auftun.
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