Der Buckelwal, der seit fast einem Monat vor der idyllischen Insel Poel bei Wismar gestrandet ist, sorgt weiterhin für Aufregung und Besorgnis. Der Wal, ein beeindruckendes Tier von rund zwölf Metern Länge, wurde erstmals am 3. März im Hafen von Wismar gesichtet. In den mehr als 50 Tagen seit seinem Auftauchen hat er zu mehr als der Hälfte der Zeit in Flachwasserzonen gelegen, möglicherweise um Ruhe zu suchen, da er schwer erkrankt ist. Diese Woche steht nun der Abtransport des lebenden Wals per Lastkahn an, nachdem sich die Rettungsbemühungen seit Mitte April mit Verzögerungen und Planänderungen konfrontiert sahen.
Ein Lastkahn, der dafür vorgesehen ist, den Wal samt Wasser aufzunehmen, hat mittlerweile den Nord-Ostsee-Kanal erreicht und ist in Kiel angekommen. Der Transport war zuletzt frühestens für Dienstag geplant, abhängig von den technischen Vorbereitungen in Wismar. Umweltminister Till Backhaus war am Sonntag vor Ort und kontrollierte den Zustand des Wals. Er bestätigte, dass der Walbulle etwa vier bis sechs Jahre alt ist. Der Abtransport soll mit einem Schlepper in die Nordsee erfolgen, die über 400 Kilometer entfernt ist.
Vorbereitungen für den Transport
Die Vorbereitungen für den Transport des Wals laufen auf Hochtouren. Eine Rinne wurde bis zur tieferen Fahrrinne gebaggert, um den Wal sicher in den Kahn zu lotsen. Der Kahn, der auch als Schute bezeichnet wird, hat eine Länge von 50 Metern, eine Breite von 13 Metern und eine Ladekapazität von 400 Tonnen. Um den Wal in die Schute zu führen, sieht das Konzept vor, ihn über eine 100 Meter lange Rinne zu leiten. Diese Rinne ist bereits zwei Meter tief, was den Transport erleichtern sollte.
Die Schute wird von einem Schlepper namens „Robin Hood“ übernommen und durch den stark befahrenen Nord-Ostsee-Kanal gezogen. Der NOK zählt zu den bedeutendsten Wasserstraßen Deutschlands, mit über 22.000 Schiffen, die im Jahr 2025 erwartet werden. In Wismar muss die Schute umgebaut werden, einschließlich eines Schottwechsels und der Sandauslegung, um die Transportbedingungen zu optimieren.
Kritik und Herausforderungen
Trotz aller Bemühungen bleibt der Gesundheitszustand des Wals kritisch. Tierärzte konnten aufgrund von Wellengang kein Blut abnehmen, was die Einschätzung seiner Verfassung erschwert. Während Minister Backhaus die Verantwortung für die Rettungsaktion bei einer privaten Initiative sieht, gibt es auch Stimmen der Kritik. Die Tierärztin Kirsten Tönnies hat das erste Gutachten zum Gesundheitszustand des Wals in Frage gestellt, und die US-Tierärztin Jenna Wallace äußerte Vorwürfe gegen Mitglieder des Rettungsteams.
In den letzten Tagen hat sich der Wal selbst in Bewegung gesetzt, saß jedoch später wieder fest. Sandsäcke wurden als Barriere um den Wal gesetzt, um ihn in der Flachwasserzone zu halten. Der Transport wird zwischen Dienstag und Mittwoch erwartet, und die Verantwortlichen sind optimistisch, dass der Wal bald in die Freiheit der Nordsee oder des Atlantiks entlassen werden kann.
Die Rettungsaktion für den Buckelwal zeigt eindrücklich, wie wichtig der Schutz von Meereslebewesen ist und welche Herausforderungen mit der Rettung eines so großen Tieres verbunden sind. Die kommenden Tage werden entscheidend sein für das Schicksal dieses beeindruckenden Geschöpfs der Ostsee.