Am vergangenen Wochenende fand im Bürgerhaus Korbach der Psychiatrietag unter dem Motto „Stigmatisierung abbauen – Psychische Gesundheit geht uns alle an“ statt. Knapp 200 Besucher folgten der Einladung und ließen sich von den vielseitigen Angeboten der Veranstaltung inspirieren. Bürgermeister Stefan Kieweg eröffnete die Veranstaltung und äußerte sich erfreut über den hohen Zuspruch. Gemeinsam mit dem Ersten Kreisbeigeordneten Karl-Friedrich Frese und Frank Nikutta vom Landeswohlfahrtsverband Hessen (LWV) begrüßte er die Anwesenden und stellte die Bedeutung des Themas in den Vordergrund.

Die Veranstaltung beleuchtete verschiedene Aspekte der psychischen Gesundheit, darunter die Versorgung von Betroffenen, bestehende Vorurteile und die Integration psychischer Erkrankungen in die Gesellschaft. Moderator Thomas Korte hob hervor, dass psychische Belastungen jeden treffen können, unabhängig von Alter oder sozialer Herkunft. In seinem Beitrag betonte Frese die Bedeutung eines wertschätzenden Klimas und des Austauschs, um das Verständnis für psychische Erkrankungen zu fördern. Nikutta informierte über die soziale Versorgung psychisch erkrankter Menschen im Landkreis Waldeck-Frankenberg, wo rund 2200 Menschen Leistungen des LWV in Anspruch nehmen, davon etwa 800 aufgrund psychischer Erkrankungen. Die jährlichen Ausgaben für diese Hilfen belaufen sich auf über 18 Millionen Euro, während die durchschnittliche Wartezeit auf einen Therapieplatz alarmierende 142 Tage beträgt.

Vorurteile und Stigmatisierung

Ein besonders eindrucksvoller Vortrag wurde von Dr. Svenja Kräling gehalten, die das Thema „Psychische Erkrankungen & Stigmatisierung“ aufgriff. Psychische Erkrankungen sind klinisch bedeutsame Veränderungen im Erleben, Denken oder Verhalten, die in Deutschland jährlich etwa 17,8 Millionen Menschen betreffen. Die häufigsten Erkrankungen sind Angststörungen. Es ist alarmierend, dass psychische Erkrankungen für etwa 16 Prozent aller Arbeitsunfähigkeiten verantwortlich sind und Menschen mit psychischen Erkrankungen eine um etwa zehn Jahre geringere Lebenserwartung haben. Zudem stehen 50 bis 90 Prozent aller Suizide in Verbindung mit psychischen Problemen. Stigmatisierung, die oft mit Stereotypen beginnt, führt zu Diskriminierung und macht psychisch erkrankte Menschen häufiger zu Opfern von Gewalt oder Ausgrenzung.

Die Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) setzt sich aktiv gegen diese Stigmatisierung ein. Sie fördert eine offene und tolerante Gesellschaft im Umgang mit psychischen Erkrankungen und bietet faktenbasierte Aufklärung durch Publikationen und Veranstaltungen an. Besonders besorgniserregend ist die Tatsache, dass laut einer Studie fast ein Drittel der Befragten Schizophrenie-Erkrankte als Nachbarn ablehnen. Bei zunehmender sozialer Nähe steigt diese Ablehnung sogar auf bis zu 80 Prozent. Solche Vorurteile erschweren es Betroffenen, offen über ihre Erkrankung zu sprechen und Unterstützung zu suchen.

Gesellschaftliche Verantwortung und weitere Aktivitäten

Neben den Vorträgen gab es Informationsstände von Trägern wie der Diakonie und Lebenshilfe, die den Besuchern wertvolle Einblicke in Hilfsangebote gaben. Workshops, darunter „In der Ruhe liegt die Kraft“ mit der Qigong-Lehrerin Olivia Maschke, ermöglichten den Teilnehmern, Entspannung und Achtsamkeit durch langsame Bewegungen und Atemtechniken zu erfahren. Diese Ansätze sind nicht nur hilfreich für die persönliche Gesundheit, sondern fördern auch das Verständnis und den Dialog über psychische Erkrankungen in der breiten Öffentlichkeit.

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Die Stigmatisierung von Menschen mit psychischen Erkrankungen ist nicht nur ein gesellschaftliches Problem, sondern hat auch lebensbedrohliche Folgen. Der Professor für Gemeindepsychiatrie Sir Graham Thornicroft erklärt das Phänomen des „diagnostischen Überschattens“, bei dem Vorurteile den Zugang zu medizinischer Hilfe behindern können. Das globale Netzwerk zur psychischen Gesundheit, unter der Mitwirkung von Experten aus Erfahrung, zeigt, wie wichtig es ist, soziale Kontakte und vorurteilsreduzierende Interaktionen zu fördern, um Stigmatisierung abzubauen.

Der Psychiatrietag in Korbach hat einmal mehr gezeigt, wie wichtig es ist, das Bewusstsein für psychische Gesundheit zu schärfen und die Stigmatisierung abzubauen. Die Herausforderungen, vor denen psychisch erkrankte Menschen stehen, sind groß, doch durch Aufklärung, Austausch und gemeinsames Handeln können wir einen wertvollen Beitrag leisten, um eine inklusive und verständnisvolle Gesellschaft zu schaffen.