Heute ist der 19.05.2026 und während die Sonne über Steinburg aufgeht, könnte man meinen, die Liebe blüht wie eh und je. Doch ein Blick auf die Zahlen zeigt, dass die Eheschließungen in Schleswig-Holstein auf einem besorgniserregend niedrigen Niveau verharren. Im Jahr 2025 gaben sich gerade einmal 15.090 Paare das Ja-Wort – nur 17 mehr als im Vorjahr. In den 90ern waren es noch über 18.500, eine Zeit, in der die Hochzeit noch als ein unverzichtbarer Teil des Lebens angesehen wurde.
Was hat sich verändert? Die Gründe für den Rückgang sind vielfältig. Viele Paare leben heute ohne Trauschein, weil sie die Notwendigkeit einer Ehe nicht mehr sehen. Scheidungsangst schwingt mit, vor allem bei den Jüngeren, die sich oft nicht bereit für eine langfristige Bindung fühlen. Dazu kommt, dass Hochzeiten als teuer wahrgenommen werden, was viele Paare abschreckt. Oft sind sie sich überhaupt nicht über die tatsächlichen Kosten im Klaren.
Ein Blick auf die Trends
Das Durchschnittsalter der Brautpaare hat sich ebenfalls gewandelt. Im Jahr 2024 lagen Männer im Schnitt bei 35,3 Jahren und Frauen bei 32,9 Jahren. In den 90ern waren es noch Mitte-Ende Zwanzig. Paare lassen sich oft Jahre Zeit, bevor sie sich verloben und noch länger, bis sie schließlich heiraten. Ein Beispiel sind Bettina Helling und Torben Hansen, die seit 13 Jahren ohne Trauschein leben und rechtliche Vorkehrungen getroffen haben, um ihre Beziehung abzusichern.
Ein paar Lichtblicke gibt es jedoch: Einige Standesämter in Schleswig-Holstein berichten von einem leichten Anstieg der Trauungen im Jahr 2025. In Städten wie Kiel, Plön und Geesthacht zeigt sich ein positiver Trend. Besonders interessant ist die Verdopplung der Trauungen im Standesamt Elmshorn seit 2014, wo viele Paare aus Hamburg den Weg dorthin finden. Doch gleichzeitig plagen die Standesämter Personalmangel, was die Durchführung von Trauungen erschwert.
Der Rückblick auf die Vergangenheit
Wenn wir die Geschichte der Eheschließungen in Deutschland betrachten, wird deutlich, dass wir uns in einem kontinuierlichen Wandel befinden. Nach der deutschen Vereinigung fiel die Zahl der Eheschließungen von etwa 454.000 im Jahr 1991 auf 369.000 im Jahr 2007. Im Jahr 2024 wurden nur noch 349.216 Ehen geschlossen, der niedrigste Stand seit 1950. Das ist schon ein bisschen erschreckend, oder? Im Vergleich dazu gab es in den 1950er-Jahren noch etwa 10 Eheschließungen pro 1.000 Einwohner – 2024 waren es nur 4.
Es ist interessant zu sehen, dass der Anteil der Eheschließungen mit mindestens einem Partner, der bereits verheiratet war, auf knapp 29 % gestiegen ist. Auch gleichgeschlechtliche Paare finden sich unter den Trauungen: 2024 heirateten 8.818 gleichgeschlechtliche Paare, was zeigt, wie vielfältig die Liebe heute ist.
Die durchschnittliche Ehedauer bis zur Scheidung beträgt mittlerweile 14,7 Jahre, was etwa 3 Jahre mehr ist als noch 1990. Diese Zahlen spiegeln wider, wie dynamisch die gesellschaftlichen Normen und Werte sind. Während manche die Ehe als Bekenntnis und Zeichen einer ernsthaften Beziehung empfinden, scheinen andere das Ganze eher pragmatisch zu sehen.
Es bleibt abzuwarten, wie sich die Ehe in den kommenden Jahren entwickeln wird. Werden die Zahlen weiter sinken oder gibt es vielleicht doch eine Renaissance des Heiratsmarktes? Die Zukunft wird es zeigen.