Auf der kleinen Nordseeinsel Helgoland, die nur etwa 62 Kilometer nordwestlich der Elbmündung liegt, braut sich etwas zusammen. Bürgermeister Thorsten Pollmann hat große Pläne: Er möchte die Verbindung zwischen der Hauptinsel und der Düne wiederherstellen, die 1721 durch eine verheerende Sturmflut weggespült wurde. Mit einer Sandaufschüttung plant er, rund einen Quadratkilometer neues Land zu gewinnen. Das Ziel? Investoren für Hotels und Wohnungen anlocken, um die hohen Kosten für die Sandaufspülung zu decken und die Sanierungskosten für die Hafenanlagen zu senken. Geschätzte 500 Millionen Euro sollen dafür aufgebracht werden – doch durch die neue Landverbindung könnten bis zu 250 Millionen Euro eingespart werden. Das klingt nach einem ambitionierten Vorhaben!
Eine Informationsveranstaltung für die Insulanerinnen und Insulaner ist für heute Abend angesetzt. Die Meinungen über das Projekt sind gespalten. Während einige sich auf die neuen Möglichkeiten freuen, äußern andere Bedenken. Einige Touristen sind unzufrieden mit der Vorstellung, dass ihr geliebtes Eiland sich verändern könnte. Ähnliches geschah bereits 2011, als ein vergleichbarer Plan in einer Abstimmung abgelehnt wurde. Pollmann ist jedoch überzeugt, dass sich die Umstände seitdem grundlegend geändert haben. Die leeren Gemeindekassen und die hohen Sanierungskosten sind nur zwei der Herausforderungen, die die Entscheidungsträger dazu bewegen, neues Terrain zu erkunden.
Ein heikles Thema für Helgoland
Der Plan hat bereits einen Bürgerentscheid im Herbst zur Folge. Bürgermeister Frank Botter (SPD) betont, dass jede Meinung gehört werden solle. Der Hamburger Investor Arne Weber hat ebenfalls Ideen zur Verbindung zwischen Hauptinsel und Düne. So soll an der Nordwestseite ein steinernes Riff errichtet werden, das als Windschatten für eine neue Sandfläche dient. Insgesamt wird mit Kosten von rund 80 Millionen Euro gerechnet. Das Projekt gilt als heikles Thema: Fast zwei Drittel der Helgoländer stehen dem Vorhaben skeptisch gegenüber oder lehnen es ab. Der Hauptgrund? Die Befürchtung, dass es zu einer Konkurrenz für bestehende Pensionen und Restaurants kommen könnte.
Die Insel und die Düne haben zusammen eine Fläche von 1,7 Quadratkilometern, und die Einwohnerzahl hat sich seit den 80er Jahren von 2.700 auf etwa 1.300 reduziert. Der Tourismus, der einst 800.000 Gäste jährlich zählte, ist auf 300.000 gesunken. Helgoland gilt als steuerfreie Zone und hat sich als Duty-Free-Shop einen Namen gemacht. In diesem Kontext wird das Landgewinnungsprojekt auch als Teil eines größeren Plans gesehen, Helgoland als CO2-freie Modellregion zu präsentieren. Gezeitenkraftwerk, Windkraftanlagen und Photovoltaikfelder sind noch in der Pipeline. Eine ambitionierte Vision, die nicht nur die Landschaft, sondern auch die Wirtschaft der Insel verändern könnte!
Ein Blick in die Zukunft
Die Infrastruktur der Insel ist ebenfalls ein wichtiges Thema. Im Rahmen eines ÖPP-Projekts wurde der Frachtumschlag vom Binnenhafen zum Südhafen verlagert, und die Baumaßnahmen haben bereits begonnen. Bis Ende 2018 sollen neue Wohneinheiten entstehen, während das Bungalowdorf auf der Düne fast fertiggestellt ist. Gespräche über Hotelbau und Infrastrukturverbesserungen laufen, während ein Gastronomie-Wettbewerb zur Verbesserung des Angebots ins Leben gerufen wurde. Der Dialog über die zukünftige Entwicklung der Insel ist in vollem Gange, und es gibt viele Ideen, wie man Helgoland neu gestalten könnte.
Auf Helgoland wird viel über die eigene Zukunft nachgedacht. Die Kulturoffensive, die seit 2016 läuft, soll das kulturelle Leben bereichern und die Insel als attraktives Ziel präsentieren. Man könnte sagen, dass Helgoland sich in einem ständigen Wandel befindet – und die Frage bleibt, ob die Helgoländer bereit sind, diesen Wandel zu akzeptieren und aktiv mitzugestalten.