Inmitten der pittoresken Landschaft von Bokholt-Hanredder, wo die Wiesen saftig leuchten und die Luft nach frischer Milch duftet, befindet sich der Hof der Familie Engelbrecht. Dierk und sein Sohn Mirco führen diesen Traditionsbetrieb, der bereits seit 1972 in Familienbesitz ist. Über 30 Kühe mit einer Lebensleistung von 100.000 Litern Milch sind ein Teil dieser beeindruckenden Geschichte. Die gesamte Herde umfasst rund 240 Milchkühe, die dreimal täglich gemolken werden – ein harter, aber erfüllender Job. Die Melkzeiten sind fest eingeplant: morgens um 5:30 Uhr, nachmittags um 13:00 Uhr und abends um 20:30 Uhr. Diese Routine wurde 2013 eingeführt, um den Angestellten geregelte Schichten zu ermöglichen.
Die wirtschaftliche Lage in der Milchproduktion ist jedoch alles andere als rosig. Dierk Engelbrecht spricht offen über die Herausforderungen: „Wir müssen jeden Cent umdrehen.“ Der Milchpreis ist in den letzten sechs Monaten dramatisch von 52 Cent auf 32 Cent pro Liter gefallen. Dabei bleibt für die Erzeuger, also die Landwirte, oft nur ein Bruchteil des Ladenpreises übrig. Laut aktuellen Studien landen nur knapp 48 Prozent des Preises, den Verbraucher im Supermarkt zahlen, bei den Erzeugern. Der Rest fließt in Transport, Verarbeitung und andere Kosten – ein Teufelskreis, der viele Milchbauern vor große Herausforderungen stellt.
Tradition trifft auf moderne Herausforderungen
Der Familienbetrieb Engelbrecht ist nicht nur ein Beispiel für landwirtschaftliche Tradition, sondern auch für moderne Herausforderungen. Dierk übernahm den Hof 1998 von seinem Vater Johann. Unter seiner und Mircos Leitung wird nicht nur Milch produziert, sondern auch Rinder gezüchtet. Jedes Jahr verlassen etwa 300 Kälber den Hof, bereit für neue Herausforderungen. Mirco, der schon als Kind davon träumte, Landwirt zu werden, ist nicht nur aktiv auf dem Hof, sondern auch als Landesvorsitzender der Landjugend in Schleswig-Holstein tätig. So wird die nächste Generation schon früh in die Landwirtschaft eingeführt und hat keine Nachwuchsprobleme.
Doch die Herausforderungen der Branche sind gewaltig. Die Inflationsrate und die sinkende Nachfrage nach Bio-Milch haben zu einem Rückgang der Erzeugerpreise geführt. Immer mehr Milchbauern suchen nach alternativen Vermarktungsmethoden, um unabhängiger von den Schwankungen des Marktes zu werden. Direktverkäufe über Hofläden und regionale Abos sind beliebte Optionen, um den direkten Kontakt zu den Verbrauchern zu pflegen und die Wertschöpfung an den eigenen Betrieb zu binden.
Ein Blick in die Zukunft
Die Zukunft der Milchproduktion in Deutschland wird spannend. 2025 wird ein Rückgang des Pro-Kopf-Verbrauchs von Konsummilch auf etwa 45 Kilogramm vorhergesagt – ein Zeichen für sich ändernde Konsumgewohnheiten. Während der Verbrauch von Käse und Butter steigt, sehen wir gleichzeitig, wie die Zahl der Milchviehbetriebe in Deutschland abnimmt. Dies ist für viele Landwirte ein Grund zur Besorgnis, denn die Rentabilität von Bio- und Weidemilch hängt stark von individuellen betrieblichen Faktoren ab.
Der Hof Engelbrecht steht somit nicht nur für Tradition, sondern auch für den Wandel. Mit jedem Liter Milch, der gemolken wird, und jedem Kälbchen, das das Licht der Welt erblickt, steckt eine ganze Familie voller Leidenschaft und Hingabe dahinter. Und während die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen herausfordernd sind, bleibt die Hoffnung auf eine positive Wende – durch das Engagement der Bauern, die Treue der Verbraucher und die Neugestaltung des Marktes.
In Bokholt-Hanredder, wo die Kühe grasen und die Familie zusammenhält, wird mit jeder Stunde, die auf dem Hof verbracht wird, ein Stück Geschichte geschrieben. Und obwohl die Zeiten nicht immer einfach sind, ist die Liebe zur Landwirtschaft und die Verbundenheit mit der Natur der Antrieb, der die Engelbrechts weitermachen lässt.