Die Rettungsaktion für den Buckelwal, der seit dem 3. März vor der Ostseeinsel Poel gesichtet wurde, steht vor einer entscheidenden Phase. Eine private Rettungsinitiative hat ein neues Konzept zur Bergung des gestrandeten Wals entwickelt. Die Einzelheiten dieses Plans wurden bei einer Pressekonferenz am Donnerstagabend nicht bekannt gegeben. Umweltminister Till Backhaus (SPD) besuchte den Wal am Freitagvormittag und bestätigte, dass das Tier einen kranken, aber aufmerksamen Eindruck macht. Es bleibt abzuwarten, ob die neuen Teilkonzepte zur Rettung des Wals, die derzeit geprüft werden, erfolgreich sein werden.

Das geplante Konzept sieht vor, den Buckelwal mit einer Barge in die Nordsee zu transportieren. Diese Barge soll wie ein Aquarium fungieren und ist bereits auf dem Weg nach Poel. Um dem Wal zu helfen, selbst loszuschwimmen, könnte ein steigender Wasserstand am Wochenende von Vorteil sein. Zudem wird eine Barriere aus mit Kies gefüllten „Big Bags“ errichtet, um zu verhindern, dass der Wal in Flachwasser gerät. Auf der anderen Seite wurde das erste Konzept zur Bergung mit Pontons von der See-Berufsgenossenschaft nicht genehmigt und gilt als gescheitert.

Die Herausforderungen der Rettungsmission

Einen weiteren Schritt in der Rettungsmission stellt die freigespülte 40 Meter lange Rinne dar, die dem Wal den Zugang zu tieferem Wasser ermöglichen soll. Das Ziel ist eine Gesamtlänge von 110 Metern, um den Wal in sichere Gewässer zu bringen. Die Bergung könnte frühestens am kommenden Sonntag oder Montag erfolgen, abhängig von Wetter und Wasserstand. Dabei soll ein Netz erst kurz vor der Bergung unter den Wal gelegt werden, um unklare Reaktionen des Tiers zu vermeiden.

Allerdings stehen derzeit technische Hilfsmittel wie Schwimmbagger oder Lastkahn nicht zur Verfügung. Tierärztin Kirsten Tönnies hat das erste Gutachten zum Gesundheitszustand des Wals kritisiert und betont, dass eine Verhältnismäßigkeitsabwägung notwendig sei. Sie äußerte, dass der Buckelwal sich leicht bewegt und der Tracker zeigt, dass er nicht vollständig auf dem Boden liegt, was darauf hindeutet, dass er sich noch bewegen kann.

Ein Blick auf die Hintergründe

Die Situation des Buckelwals ist nicht nur besorgniserregend, sondern auch komplex. Tiermedizinerin Kerstin Alexandra Dörnath, die seit fast drei Jahrzehnten mit Wildtieren arbeitet, äußert sich zu den Bewegungen des Wals. Ihrer Meinung nach sind heftige Bewegungen kein Indikator für Wohlbefinden, sondern deuten auf Stress und Fluchtreflexe hin. Sie schließt aus, dass diese Bewegungen Befreiungsversuche sind, da dies vermenschlicht würde. Zudem leidet der Wal unter Nahrungsmangel, hat ein Geisternetz im Maul und möglicherweise Verletzungen durch Schiffsschrauben.

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Die aktuelle Rettungsinitiative hat die „heiße Phase“ der Aktion begonnen, mit dem Ziel, den Wal in flaches Wasser zu heben und ihn in die Nordsee oder den Atlantik zu schleppen. Es wird vermutet, dass ein Seil im Magen-Darm-Trakt des Wals hängt, was zu einem Magen-Darm-Verschluss führen könnte. Dörnath spricht sich sogar für eine gezielte Tötung des Wals aus, um ihn zu erlösen, wobei diese schmerzfrei und tierschutzkonform erfolgen soll.

Was kommt als Nächstes?

Die Rettungsaktion ist auch vor dem Hintergrund der Entwicklung des Buckelwals Timmy zu betrachten, der seit dem 31. März 2026 vor der Insel Poel gestrandet ist. Timmy zeigt Anzeichen von chronischem Stress und wurde in der Vergangenheit mehrfach gesichtet. Helfer pausierten, um dem Wal Ruhe zu gönnen, bevor ein neuer Rettungsversuch gestartet wurde. Zu viel menschliche Aktivität könnte den Stress des Tieres weiter erhöhen.

Die Herausforderungen für die Rettungsaktion sind immens, und der Erfolg bleibt ungewiss. Tierärzte betonen, wie wichtig professionelle Hilfe bei Tierschutzfragen ist. In diesem Fall könnte die Eigeninitiative des Wals entscheidend sein, um ihm eine Chance auf Rettung zu geben. Die kommenden Tage könnten somit für den Buckelwal und die Rettungsinitiative entscheidend sein.