In Kiel tut sich etwas – oder besser gesagt, es tut sich gerade nicht viel. Der THW Kiel, einst das unangefochtene Aushängeschild des deutschen Handballs, sieht sich in dieser Saison mit einer ganzen Reihe von Herausforderungen konfrontiert. Verletzungspech, ein schmaler Kader und heftige Diskussionen um Trainer Filip Jícha machen die aktuelle Lage zu einer der schwersten, seit Viktor Szilagyi 2019 das Ruder in der Hand hält. Der Geschäftsführer lässt keinen Zweifel daran, dass es nicht nur um eine sportliche Krise geht, sondern um einen echten Umbruch, der sich als ständiger Reparaturbetrieb entpuppt.
Die Meisterschaft 2023 ist zwar in der Tasche, doch der Abstand zum Spitzenreiter Magdeburg ist gewaltig. Aktuell kämpft der THW Kiel um einen Platz im oberen Tabellendrittel – Platz 5 ist das Ziel. Die Champions League ist nicht mehr aus eigener Kraft erreichbar, und im Pokal hat das Team seine Chance bereits verspielt. Ein Lichtblick am Horizont ist das Halbfinale der European League, wo sie sich nach einem spannenden Siebenmeterwerfen gegen Nasice durchsetzen konnten. Der einzige verbleibende Weg zum Erfolg führt über den Triumph in der European League, inklusive des Final4 in Hamburg.
Der Kader und die Verletzungssorgen
Und dann sind da die Langzeitverletzten – Pekeler, Perez de Vargas, Bilyk, Madsen und Ellefsen á Skipagötu fehlen dem Team und hinterlassen große Lücken im Kader. Szilagyi erkennt an, dass der Kader unter den gegebenen Umständen zu dünn ist. Dennoch betont er, dass nicht alle Eventualitäten abgedeckt werden können. Die Unruhe im Umfeld und die Diskussionen um Trainer Jícha machen die Situation nicht leichter. Eine sachliche Analyse der Lage ist dringend nötig, meint Szilagyi, und er glaubt fest an den gemeinsamen Weg des Teams.
Für die kommende Saison 2023/24 steht der THW Kiel vor weiteren Herausforderungen. Die Abgänge von Schlüsselspielern wie Sander Sagosen und Niklas Landin, die nun neue Herausforderungen in Kolstad IL und Aalborg suchen, werfen Fragen auf. Auch Miha Zarabec verlässt den Klub Richtung Polen. Um dem entgegenzuwirken, hat der THW bereits neue Spieler verpflichtet, darunter Vincent Gerard als Nachfolger von Landin und den spanischen Rückraumspieler Eduardo Gurbindo, der aufgrund von Verletzungssorgen dringend benötigt wird.
Der Blick nach vorn
Die Planungen für die nächste Saison laufen auf Hochtouren. Mit der Verpflichtung von Elias Ellefsen á Skipagøtu und der Rückkehr von Nachwuchstalenten wie Luca Schwormstede und Henri Pabst versucht der THW, frischen Wind in die Mannschaft zu bringen. Um den Kader zu verstärken, wurden auch mehrere Nachwuchsspieler in den erweiterten Kader aufgenommen. Szilagyi hofft, dass mit klaren Zielen für die nächste Saison der „Rucksack“ der aktuellen Krise nicht mitgenommen wird.
Der THW Kiel ist gefordert, sich neu zu erfinden, und das in einer Zeit, in der die Erwartungen hoch sind. Die Fans und das Umfeld warten gespannt auf, was der Rekordmeister im kommenden Jahr auf die Beine stellen kann. Die Reise hat gerade erst begonnen, und die nächsten Schritte werden entscheidend sein – sowohl für die Spieler als auch für den Trainer. Ein Abenteuer, das man mit Spannung und einem Hauch von Vorfreude verfolgen kann!