Wenn die Wiesen im Saarpfalz-Kreis im Frühling erblühen, beginnt für viele Wildtiere eine besonders kritische Zeit. Die Setzzeit ist da – die Zeit, in der Rehkitze in hohem Gras abgelegt werden. Diese kleinen, zarten Wesen bewegen sich nicht, sondern verharren regungslos, was sie besonders verletzlich macht. Während die Mähmaschinen ihre Runden drehen, schwebt oft die Gefahr über den unschuldigen Tieren – ein unglücklicher Umstand, der durch den Drückinstinkt der Rehkitze noch verstärkt wird. Sie bleiben still, und das kann für sie tödlich enden.
Um diesem Problem entgegenzuwirken, wurde im Jahr 2023 der Verein Rehkitzrettung Saarpfalz gegründet. Mit einem klaren Ziel: Rehkitze vor dem Tod durch Mahd zu schützen. Seit der Gründung haben die engagierten Mitglieder bereits 50 Kitze gerettet – über 20 davon in der laufenden Saison! Früher war die Suche nach diesen scheuen Tieren oft ein Glücksspiel. Jäger durchkämmten die Wiesen mit Reihen und Hunden, doch die Erfolge blieben meist überschaubar. Heute kommen moderne Technologien ins Spiel. Drohnen mit Wärmebildfunktion machen die Suche nach Rehkitzen nicht nur effektiver, sondern auch schneller.
Moderne Technologie zur Wildtierrettung
Die Such- und Rettungsaktionen beginnen früh am Morgen, zwischen 5 und 7 Uhr, um die besten Bedingungen für die Wärmebildtechnik zu nutzen. Sobald ein Rehkitz entdeckt wird, wird der Standort an die Helfer am Boden weitergegeben. Doch Vorsicht ist geboten! Die kleinen Tiere können fliehen, wenn sich die Helfer zu nah nähern. Nach der Rettung werden die Kitze in eine grüne Box gebracht, wo sie sicher aufbewahrt werden, bis nach dem Mähen die Rückkehr in die Freiheit erfolgt.
Der Verein hat rund 60 Mitglieder, von denen etwa 10 aktiv an den Rettungsaktionen teilnehmen. Ein kleiner, aber engagierter Haufen, der sich für den Erhalt dieser süßen Geschöpfe einsetzt. Für die Zukunft wünscht sich der Vorstand nicht nur eine neue, zuverlässigere Drohne, sondern auch mehr Piloten, die bereit sind, die Technologie zu steuern. Ein Vereinsfest am 21. Juni auf dem Wörschweilerhof soll dazu dienen, Geld zu sammeln und neue Mitglieder zu gewinnen. Neben Musik und Informationen über Jagdhunde sind auch Drohnenvorführungen geplant – ein echtes Highlight, das die Gemeinschaft stärken soll.
Unterstützung auf Bundesebene
Die Problematik der Rehkitze ist nicht nur lokal, sondern hat auch bundesweite Relevanz. Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) hat angekündigt, das Förderprogramm für Drohnentechnik zur Wildtierrettung im Jahr 2024 fortzusetzen. Mit einem Gesamtvolumen von 1,84 Millionen Euro werden 483 weitere Drohnen gefördert. Seit dem Start des Programms im Jahr 2021 haben bereits 2.446 Drohnen das Licht der Welt erblickt, und Bundesminister Cem Özdemir betont immer wieder, wie wichtig diese Technologie für den Schutz von Wildtieren ist – vor allem in der kritischen Frühjahrszeit.
Die Mäharbeiten sind eine gefährliche Zeit für viele Tiere, die sich im hohen Gras verstecken. Mähwerke können Wildtiere verletzen oder töten, was die Notwendigkeit von Technologien wie Drohnen unterstreicht. Zwar sind die Kosten für den Einsatz von Drohnen in Deutschland noch hoch, aber die Unterstützung des BMEL zeigt, dass man ernsthaft an einer Lösung interessiert ist. Wer mehr über die Rehkitzrettung erfahren möchte, findet auf der Webseite der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung zahlreiche Informationen.