In Neunkirchen geht es um mehr als nur um gepflegte Straßen und hübsche Fassaden. Hier wird Geschichte lebendig gehalten – und das nicht nur in Büchern oder Museen. Am 28. Mai 2026 wurden erneut Stolpersteine in der Wienerstraße 18 und 19 verlegt, insgesamt acht Stück, die an die Schicksale der Familien Neumann und Gerstl erinnern. Diese kleinen, unscheinbaren Steine sind mehr als nur Gedenktafeln; sie sind ein eindringlicher Mahnruf, um die Vergangenheit nicht zu vergessen.

Die Familie Neumann betrieb einst eine Schneiderei und ein Geschäft für Second Hand Kleidung und Stoffe. Ihre Geschichte, wie die der Familie Gerstl, die ein Lederwarengeschäft führte, ist Teil eines viel größeren Ganzen. In Neunkirchen wurden seit 2011 bereits 42 Stolpersteine an 17 Adressen verlegt. Das ist eine beeindruckende Zahl, die die Schicksale von insgesamt 103 Personen der Israelitischen Kultusgemeinde Neunkirchen umfasst, die dem nationalsozialistischen Terror zum Opfer fielen. Davon lebten 74 Menschen direkt in Neunkirchen.

Ein Akt des Gedenkens

Die Gedenkfeier, die von Historiker Gerhard Milchram begleitet wurde, war berührend. Vera Goldman, die Enkelin der Familie Neumann, und ihr Ehemann Les aus England waren anwesend und ließen die Emotionen spürbar werden. Verwandte der Familie Gerstl verfolgten die Zeremonie via Video-Call aus Frankreich. Es ist schon komisch, wie die Technik uns heute ermöglicht, trotz physischer Distanz verbunden zu sein, nicht wahr?

Les Goldman schloss die Feier mit dem Kaddisch, einem jüdischen Gebet für die Toten, ab. Diese Momente sind es, die das Erinnern so wichtig machen. Gunter Demnig, der Initiator dieser bewegenden Aktion, hat einmal gesagt: „Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist.“ Solche Worte hallen nach und verleihen dem Gedenken Gewicht. Die Stolpersteine, die niveaugleich ins Pflaster eingelassen werden, sind sichtbare Zeichen des Erinnerns. Sie tragen die Namen und Daten der Opfer – und damit die Verantwortung, nicht zu vergessen.

Ein Gemeinschaftswerk

Die Einweihung der Stolpersteine ist ein gemeinschaftliches Unterfangen. Vertreter der Kreisstadt Neunkirchen und der AG Stolpersteine waren vor Ort, und auch Schüler der Alex-Deutsch-Schule sowie der Betonfacharbeiterklasse haben sich beteiligt. Es ist einfach schön zu sehen, wie junge Menschen in diese wichtigen Erinnerungsaktionen eingebunden werden. So wird Geschichte nicht nur als etwas Abstraktes wahrgenommen, sondern als Teil des eigenen Lebens und der eigenen Umgebung.

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Am Freitag, dem 4. September, sollen weitere 11 Stolpersteine im Stadtgebiet Neunkirchen verlegt werden. Ein weiterer Schritt, um die Geschichten derer, die vertrieben, deportiert oder ermordet wurden, lebendig zu halten. In einer Welt, in der so viele Erinnerungen verblassen, ist es wichtig, dass wir den Mut aufbringen, uns der Vergangenheit zu stellen und diese nicht in Vergessenheit geraten zu lassen.