Die Glocke, die Geschichten erzählt: Geheimnisse der Wendalinuskapelle in Fitten
In der kleinen, beschaulichen Gemeinde Fitten, die zur Stadt Merzig-Wadern gehört, gibt es eine Glocke, die mehr als nur einen klangvollen Ton von sich gibt. Sie erzählt Geschichten, die bis ins 17. Jahrhundert zurückreichen. Bernd Ripplinger, der Vorsitzende des Fördervereins Kapelle Fitten, hat sich auf die Suche nach ihren Geheimnissen gemacht. Mit viel Engagement und einem Schuss Neugierde hat er die Geschichte der Wendalinuskapelle und ihrer Glocke erforscht. Dabei hat er Antworten auf zahlreiche Fragen gefunden, die sich um den Guss der Glocke und die Schutzpatrone ranken.
Seine Erkenntnisse hat er in einer Broschüre zusammengefasst, die mit dem vielversprechenden Titel „Die Geheimnisse der Fitter Wendalinuskapelle“ aufwartet. Es ist eine spannende Lektüre, die nicht nur Geschichtsliebhaber begeistern dürfte. Die Glocke selbst, die einen unverwechselbaren Klang hat und über 300 Jahre alt ist, befand sich im Fokus seiner Recherchen. Sie trägt Inschriften, die Raum für Interpretationen lassen, und die Gussdaten besagen, dass sie 1622 und 1692 gegossen wurde. Ein gewisser Mathias Noirre wird als Glockengießer genannt, wobei sich die Schreibweise seiner Name manchmal etwas verändert – aber wer kennt das nicht? Ein wenig Verwirrung schadet nie, oder?
Die Geheimnisse der Inschriften
Die Glocke selbst birgt viele Geheimnisse. Bei zwei Inspektionen – die erste im April 2023, die zweite unter der Leitung von Marie Claire Schieber – konnte Ripplinger mehr Klarheit gewinnen. Die Inschrift „Ich gehöre der Kapelle von Fitten“ ist in sie eingraviert und lässt die Herzen der Geschichtsinteressierten höher schlagen. Die Schutzpatrone, darunter Sankt Bernhard von Clervaux, der heilige Wendelin, die heilige Ochela und das heilige Kreuz, erzählen ebenfalls von einer tiefen Verbindung zu den Wurzeln des Christentums und möglicherweise von Zeiten der Kreuzzüge. Wer hätte gedacht, dass eine Glocke so viel über die Geschichte einer Region verraten kann?
Die Wendalinuskapelle selbst ist eine würdige Stätte, die auf eine lange Geschichte zurückblickt. Ursprünglich stand dort eine heidnische Kultstätte, bevor die Bewohner der Siedlung Hosti sich zum Christentum bekehrten und ein Bethaus errichteten. Im Jahr 1415 wütete eine Viehseuche in der Umgebung, doch Höchst blieb verschont. Aus Dankbarkeit wurde die Kapelle zu Ehren des heiligen Wendelinus erbaut, dem Schutzpatron von Stall und Vieh. Das zeigt, wie eng Glaube und Alltag miteinander verwoben sind.
Von der Zerstörung zur Renovierung
Die Geschichte ist jedoch nicht durchweg von Glück geprägt. Während der Reformation im 16. Jahrhundert zerfiel die Kapelle. Der Dreißigjährige Krieg (1618 – 1648) brachte weiteres Unheil, als sie geplündert und zerstört wurde. Ein Protokoll beschreibt die Kapelle als „150 Jahre öde und wüst und einem Steinhaufen gleich.“ Die Gemeinde war arm und kämpfte mit Kriegsschulden. Doch die Hoffnung blieb nicht aus. Der Wiederaufbau begann 1702 unter Pfarrer Schütz, und 1707 wurde das erste Messopfer in der wiederhergestellten Kapelle gefeiert.
Seither hat die Wendelinuskapelle zahlreiche Renovierungen erfahren, die durch die Unterstützung der Höchster Bevölkerung ermöglicht wurden. Es ist bemerkenswert, wie die Gemeinde zusammenhält, um ihre Geschichte und ihr Erbe zu bewahren. Jährlich im September findet eine Prozession zur Kapelle statt, bei der die Gläubigen den Schutzpatron um Fürbitte für die Feldfrüchte bitten. Diese Tradition zeigt, dass der Glaube auch heute noch einen wichtigen Platz im Leben der Menschen hat.
Ein kulturelles Erbe
Die Glocken selbst haben eine lange und vielfältige Geschichte. Ursprünglich stammen sie aus dem alten China und Südostasien, wo sie als Symbol für soziale Ordnung und kultische Anlässe dienten. Die Legende erzählt von dem „Gelben Kaiser“ Huang-ti, der vor 4500 Jahren Glocken gießen ließ. Im Christentum sind sie mit der Verkündigung verbunden und finden ihren Platz in der liturgischen Praxis. Sie läuten nicht nur zu besonderen Anlässen, sondern sind auch Ausdruck von Hoffnung und Zuversicht.
Heute, am 14. Juni 2026, ist die Kapelle und ihre Glocke mehr als nur ein kulturelles Erbe. Sie sind lebendige Zeugen einer wechselvollen Geschichte, die uns daran erinnert, wie wichtig unser Glaube und unsere Traditionen sind. So wird die Wendalinuskapelle weiterhin ein Ort der Besinnung, des Gebets und der Gemeinschaft bleiben, und die Glocke wird ihren unverwechselbaren Klang in die Zukunft tragen.
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