Hachenburg feiert die Liebe: Ein kirchlicher Segen für die zweite Chance
In Hachenburg, Rheinland-Pfalz, wird Geschichte geschrieben – und das nicht nur im übertragenen Sinne. Christiane Müller-Fuhrländer (63) und Christoph Friedrich (70) haben sich entschlossen, nach Jahrzehnten ihrer gemeinsamen Reise endlich den Schritt zur kirchlichen Trauung zu wagen. Obwohl sie seit 2020 standesamtlich verheiratet sind, fehlte ihnen der kirchliche Segen, der für sie eine besondere Bedeutung hat. „Der Glaube gibt uns Halt, besonders in schweren Zeiten“, sagt Müller-Fuhrländer, während sie an die Herausforderungen der letzten Jahre zurückdenkt.
Die beiden nehmen an der bundesweiten Aktion „Einfach heiraten“ teil, die am 26. Juni 2026 eine unkomplizierte und kostenfreie Möglichkeit zur kirchlichen Trauung bietet. Einzige Voraussetzungen: Man muss bereits standesamtlich verheiratet sein und mindestens eine Person im Paar muss evangelisch sein. Die Vorfreude auf diesen besonderen Tag ist greifbar, und wenn man den Applaus der Gäste vor der Schlosskirche in Hachenburg hört, spürt man die Gemeinschaft, die sich um die Liebe schart. Bei jeder Trauung gibt es Beifall – eine herzliche Geste, die die Verbundenheit der Paare untereinander zelebriert.
Ein Zeichen der Hoffnung
Das Paar hat sich vor 22 Jahren über eine christliche Partnerplattform kennengelernt. Ihre kirchliche Trauung wurde aufgrund der Corona-Pandemie mehrfach verschoben, und trotzdem lassen sie sich nicht entmutigen. „Wir möchten anderen Mut machen“, sagt Friedrich. Ihre Botschaft ist klar: Eine kleine Hochzeit kann auch eine große Ehe bedeuten, auch wenn eine kirchliche Trauung keine Garantie für eine problemlose Beziehung ist. Die Trauung wird von Pfarrer Maic Zimmermann geleitet, der die Aktion als eine moderne Alternative zur traditionellen Zeremonie beschreibt.
Die Aktion „Einfach heiraten“ ist nicht nur auf Hachenburg beschränkt. Sie umfasst ein ganzes Wochenende und weitere Termine im Jahr, an denen Paare die Möglichkeit haben, sich segnen zu lassen oder eine kirchliche Trauung zu erleben. Für die Segnung ist keine Anmeldung erforderlich, während für die Trauung die standesamtliche Eheurkunde mitgebracht werden muss. Hier wird deutlich, dass die Veranstaltung eine Feier der Liebe ist und Paare herzlich eingeladen sind, an diesem besonderen Moment teilzuhaben.
Ein Rückblick auf kirchliche Trauungen
Historisch betrachtet spielt die kirchliche Trauung eine wichtige Rolle in der Gesellschaft. Sie war lange Zeit ein Zeichen für die Taufwahrscheinlichkeit der Kinder und eine wichtige Verbindung zur Kirche. Doch die Zeiten ändern sich. Der Anteil der kirchlichen Trauungen in Deutschland ist kontinuierlich gesunken, von rund 80% bis 1966 auf unter 20% seit 2018. Die gesellschaftlichen Veränderungen haben auch das Bild der Ehe gewandelt, und die patriarchalischen Rollenklischees sind nicht mehr das, was sie einmal waren.
Es ist interessant zu sehen, dass während der Pandemie die Zahl der Trauungen – sowohl zivil als auch kirchlich – stark zurückging. In Deutschland sank die Zahl der zivilen Eheschließungen um 10% und die der kirchlichen Trauungen um erschreckende 72%. Trotzdem gibt es sie noch, die Paare, die sich trauen, die Liebe zu feiern – und das ist das, was wirklich zählt. Die Aktion „Einfach heiraten“ könnte hier ein Lichtblick sein, eine Möglichkeit, den Glauben an die Liebe und die Gemeinschaft neu zu entfachen.
So stehen Christiane und Christoph nicht allein da. Sie sind Teil einer größeren Bewegung, die zeigt, dass die Ehe – egal, wie sie gestaltet wird – eine wertvolle Verbindung ist, die es wert ist, gefeiert zu werden. Und in Hachenburg, bei all dem Applaus und den strahlenden Gesichtern, wird diese Verbindung mit jeder Trauung ein Stück lebendiger.
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