Der saarländische Essig „Melfor Traditionell“ ist Geschichte. Nach über 70 Jahren Produktion in St. Ingbert-Rohrbach hat das französische Mutterunternehmen die Einstellung der Herstellung beschlossen. Die Werksleiterin bestätigte, dass das Werk bis Ende des Jahres geschlossen werden soll. Das schmerzt nicht nur die treuen Fans, sondern auch die wenigen verbliebenen Mitarbeiter, die derzeit weniger als zehn sind. Vor ein paar Jahren waren es noch etwa 15, und in Spitzenzeiten sogar rund 30. Eine traurige Entwicklung, die viele in der Region berührt.
Die Entscheidung, die Produktion nach Frankreich zu verlagern, fiel nicht einfach. Der Standort im Elsass wurde modernisiert, was die Herstellung dort wirtschaftlicher macht. Künftig wird nur noch „Melfor Original“ vermarktet, während „Melfor Traditionell“ der Vergangenheit angehört. Der Melfor-Essig, der über die Jahrzehnte hinweg viele treue Anhänger gefunden hat, wird nach rund 75 Jahren nicht mehr produziert. Ein echter Verlust für die saarländische Esskultur.
Ein Ende mit einem bitteren Nachgeschmack
Was viele nicht wissen: Melfor und Melfor Original basieren zwar auf ähnlichen Zutaten, jedoch unterscheiden sie sich in Rezepturen und Herstellungsverfahren. Melfor hat einen Säuregehalt von 3,8 Prozent, was ihn zur Essigwürze macht. Für Essig ist ein Mindestgehalt von 5 Prozent erforderlich. Das Besondere an Melfor ist die Kombination von Honig und Kräuterauszügen, ohne Konservierungsstoffe – was zur Bildung einer Essigmutter führen kann. Solche kleinen, feinen Details machen den Unterschied aus und haben Melfor zu etwas Besonderem gemacht.
Das Betriebsgelände in Rohrbach wird verkauft, und während die Maschinen noch vor Ort sind, ist eine Wiederaufnahme der Produktion höchst unwahrscheinlich. Händler haben sich zwar noch mit Melfor-Produkten eingedeckt, sodass saarländische Verpackungen noch eine Weile im Handel sein könnten, doch der Abschied naht. Die Umsätze am Saar-Standort waren stabil und die Nachfrage gut, aber die Entscheidung zur Schließung basierte, wie gesagt, auf der effizienteren Produktion in Frankreich.
Ein Blick auf die Lebensmittelindustrie
Die Lebensmittelindustrie in Deutschland ist eine riesige Branche, die etwa 205 Milliarden Euro Umsatz generiert. Dabei sind große Namen wie Südzucker, Bahlsen oder Dr. Oetker die Player, die den Markt dominieren. Rund 5.500 Betriebe sind hierzulande in der Lebensmittelindustrie tätig, und trotz eines leichten Rückgangs im Jahr 2020, bedingt durch die Pandemie, beschäftigt die Branche über eine halbe Million Menschen. Das zeigt, wie wichtig diese Industrie für die Lebensmittelversorgung der Bevölkerung ist.
Ob Melfor Traditionell nun wirklich für immer verschwunden ist oder eines Tages vielleicht doch noch eine Rückkehr erlebt, bleibt abzuwarten. Der Verlust eines solchen Produktes weckt nicht nur nostalgische Gefühle, sondern lässt uns auch über die Veränderungen in der Lebensmittelproduktion nachdenken. Am Ende bleibt nur der Geschmack – und die Erinnerung an die vielen Gerichte, die mit einem Schuss Melfor verfeinert wurden.