Heute ist der 11.06.2026 und die Nachrichten aus Zweibrücken sind alles andere als erfreulich. Bei der Firma Siempelkamp wurden auf einer Betriebsversammlung die Entlassung von 130 Mitarbeitern angekündigt. Unvorbereitet traf diese Hiobsbotschaft die Beschäftigten – niemand hatte mit solch einem Schritt gerechnet. Es ist eine bittere Pille für die ganze Region, denn die wirtschaftliche Lage ist bereits angespannt.
Doch das ist nicht die einzige schlechte Nachricht, die die Stadt trifft. Die Firma Schliessmeyer, die seit ihrer Gründung im Jahr 1962 auf Kunststoffverarbeitung spezialisiert ist, plant ebenfalls, ihre Pforten zu schließen. Rund 60 Mitarbeiter werden zum Jahresende ihre Arbeitsplätze verlieren, da die Produktion nach Osteuropa verlagert werden soll. Dies wurde von Jens Schliessmeyer, dem ehemaligen Geschäftsführer, in einer Betriebsversammlung bestätigt. Der Abtransport erster Spritzgussmaschinen hat bereits begonnen. Das Unternehmen beliefert unter anderem namhafte Kunden wie Mercedes-Benz, John Deere und Beiersdorf.
Schliessmeyer und die Folgen der Übernahme
Die Übernahme durch den schwedischen Konzern KB Components vor etwa sechs Monaten hat sich als fatal erwiesen. KB Components, mit Fabriken in Litauen, Estland, Polen und der Slowakei, plant, die Produktion ins Ausland zu verlagern. Dabei wird Schliessmeyer nicht nur seine Produktionsfläche von 4000 Quadratmetern verlieren, sondern auch die Möglichkeit, weiterhin in der Region Arbeitsplätze zu schaffen. Wie man hört, sind die Auftragsbücher nach wie vor voll, doch die Kündigungen werden wohl nach und nach ausgesprochen.
Besonders bedauerlich ist die Tatsache, dass es bei Schliessmeyer keinen Betriebsrat gibt. Das schränkt die Möglichkeiten der Mitarbeiter, gegen diese Entscheidungen vorzugehen, erheblich ein. Die Gewerkschaft IG Metall ist informiert, hat aber keine Handhabe. Oberbürgermeister Marold Wosnitza bedauert die Situation zutiefst. Es ist nicht nur die Schließung eines Unternehmens, es sind die Existenzen von Menschen, die auf dem Spiel stehen. Wosnitza hat Unterstützung für die betroffenen Arbeitnehmer zugesagt, um ihnen bei der Suche nach neuen Jobs zu helfen.
Ein Blick auf die Industrie
Diese Entwicklungen sind Teil eines größeren Trends. Die Zahlen aus der deutschen Industrie zeigen einen besorgniserregenden Rückgang. Im Jahr 2025 sank der Umsatz der Industrie um 1,1 Prozent, und die Zahl der Industriejobs ist seit 2019 um 266.200 gesunken – das sind knapp fünf Prozent. Besonders heftig hat es die Automobilindustrie getroffen, wo seit 2019 fast 111.000 Arbeitsplätze verloren gingen. Fast jeder siebte Arbeitsplatz in dieser Branche ist mittlerweile verschwunden.
Die Lage der Zweibrücker Unternehmen ist also nicht isoliert. Hohe Standortkosten und ein mangelndes Vertrauen in die wirtschaftliche Erholung hemmen die Investitionen in Deutschland. Und während die Chemie- und Pharmaindustrie ein leichtes Wachstum verzeichnen, kämpfen andere Sektoren, wie die Textil- und Metallindustrie, ums Überleben.
Inmitten all dieser Herausforderungen bleibt die Hoffnung, dass die betroffenen Mitarbeiter in Zweibrücken schnell neue Perspektiven finden. Die Stadtverwaltung ist gefordert, kreative Lösungen zu finden und die Menschen in dieser schweren Zeit nicht allein zu lassen.