In Zweibrücken, wo die Luft oft nach frischem Gras und der Aufregung des Militärs riecht, stehen die Zeichen auf Sturm. Die Ermittlungen rund um das Fallschirmjägerregiment 26 weiten sich aus wie ein Schatten, der sich über das Regiment legt. 59 Soldaten sind mittlerweile unter Verdacht, vier mehr als zu Jahresbeginn. Die Vorwürfe sind dabei alles andere als harmlos: Extremismus, Drogenmissbrauch, sexualisierte Gewalt und Diskriminierung. Die Bundeswehr selbst spricht von diversen Verfehlungen, hält sich jedoch mit detaillierten Informationen zu den einzelnen Fällen zurück – ein bisschen wie ein Geheimniskrämer, der die besten Geschichten für sich behält.
In den letzten Monaten hat sich die Situation verdüstert. 16 Soldaten wurden bereits aus dem Dienst entlassen, und es sind weitere Entlassungen in Aussicht. Fünf gerichtliche Disziplinarverfahren wurden eingeleitet, was mehr als doppelt so viele sind wie zu Jahresbeginn. Besonders alarmierend: Die Zahl der Fälle, die an die Staatsanwaltschaft abgegeben wurden, ist auf 20 gestiegen. In 17 Fällen gilt weiterhin ein Dienstverbot. Das ist schon eine fette Hausnummer für eine Truppe, die vor allem für ihre Einsatzfähigkeit geschätzt wird.
Ein schockierendes Bild
Die Vorwürfe sind nicht nur abstrakt; sie sind konkret und erschreckend. Berichten zufolge gibt es mehr als 200 Delikte im Fallschirmjägerregiment 26. Ein Teil davon betrifft eine „rechtsextreme, offen antisemitische Clique“ innerhalb des Regiments. Frauen berichten von Exhibitionismus und sogar Vergewaltigungsfantasien – das sind schon krasse Geschichten, die einem das Blut in den Adern gefrieren lassen. Vorfälle wie „Hitlergrüße“ und eine angebliche Naziparty sind dabei nur die Spitze des Eisbergs. Kommandeur Harald Gante hat sich schockiert über die Vorfälle und den Umgang damit geäußert. Es ist nichts weniger als ein Affront gegen die Werte, für die die Bundeswehr eigentlich stehen sollte.
Die Bundeswehr hat reagiert. Generalleutnant Christian Freuding, der Heeresinspekteur, setzte einen Aktionsplan für die Luftlandetruppe in Kraft, um Fehlverhalten frühzeitig zu erkennen und zu verhindern. Die Maßnahmen beinhalten eine stärkere Dienstaufsicht, Anpassungen in der Ausbildung und zusätzliche Kontrollmechanismen. Auch die sozialpsychologische Begleitung der Soldatinnen und Soldaten wird verstärkt – eine Art Sicherheitsnetz für diejenigen, die sich in dieser angespannten Atmosphäre bewegen müssen. Man fragt sich, ob das ausreicht, um die dunklen Wolken, die über dem Regiment hängen, zu vertreiben.
Ein Blick in die Zukunft
Die Bundeswehr betont die gründliche Aufklärung der Vorfälle und die Bedeutung der Fallschirmjäger für die Einsatzfähigkeit des Heeres. Aber wie viel Vertrauen kann man in eine Institution setzen, die mit so vielen Skandalen konfrontiert ist? Im vergangenen Jahr wurden 280 rechtsextremistische Vorfälle in der Bundeswehr registriert, und die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen 19 Soldaten wegen Volksverhetzung und Verwendung verfassungswidriger Kennzeichen. Man fragt sich, wie viele weitere Fälle noch ans Licht kommen werden und welche Auswirkungen das auf das Bild der Bundeswehr in der Gesellschaft hat.
Es bleibt abzuwarten, ob die angekündigten Maßnahmen tatsächlich Wirkung zeigen oder ob die Schatten der Vergangenheit weiter über dem Fallschirmjägerregiment 26 lasten werden. In einer Zeit, in der die Gesellschaft mehr denn je auf die Werte von Toleranz und Respekt pocht, ist das, was sich hier abspielt, mehr als nur ein Alarmzeichen. Es ist ein Weckruf, der vielleicht noch lange nachhallen wird.