Heute ist der 3.05.2026 und in Worms gibt es wieder einmal spannende Neuigkeiten aus der Welt der Archäologie! Bei der Abnahme der beeindruckenden mittelalterlichen Reiterfigur „Ecclesia“ am Südportal des Wormser Doms wurde eine Silbermünze entdeckt, die nicht nur einen historischen Wert hat, sondern auch die Baugeschichte des Doms auf interessante Weise bereichert. Die Münze, die zwischen 1300 und 1317 in der Münzstätte Élincourt in Nordfrankreich geprägt wurde, wurde anscheinend absichtlich von den Steinmetzen deponiert. Ein Brauch, der in der Baupraxis zwar nicht ungewöhnlich war, aber dennoch die Fantasie anregt.
Die Figur selbst ist über 700 Jahre alt und wiegt stolze 1,4 Tonnen. Witterungsschäden machten es notwendig, sie vom Südportal abzunehmen und ins Innere des Doms zu bringen. Dort wird sie nun im Südquerhaus gereinigt und untersucht. Diese sorgfältige Herangehensweise ist wichtig, denn die „Ecclesia“ ist nicht nur ein Kunstwerk; sie ist Teil eines großen Erbes.
Ein Blick in die Vergangenheit
Die Entdeckung der Silbermünze eröffnet einen faszinierenden Zugang zur Baugeschichte des Domes. Solche Objekte, die als „Bauopfer“ bekannt sind, wurden an symbolisch wichtigen Stellen hinterlegt. Man könnte sagen, sie sind die Zeitkapseln des Mittelalters! Genau wie wir heute bei Grundsteinlegungen aktuelle Dokumente in Zeitkapseln deponieren, so haben auch die Baumeister von damals ihre Spuren hinterlassen.
Die Umschrift der Münze weist auf den französischen Adligen Gui IV. de Saint-Pol hin, was Fragen zu möglichen Verbindungen nach Nordfrankreich aufwirft. War es vielleicht ein Baumeister oder ein Handwerker aus dieser Region, der an der Errichtung des Doms beteiligt war? Diese Fragen sind nicht nur akademisch, sondern verleihen dem Dom eine tiefere, menschliche Dimension.
Ein Ereignis für die Öffentlichkeit
Die Bedeutung des Funds hat auch Propst Tobias Schäfer erkannt, der die Relevanz für die Baugeschichte des Südportals betont. Und das bleibt nicht unbemerkt! Am 21. Mai wird es einen öffentlichen Abendvortrag im Haus am Dom geben, der den Titel „Baustelle Dom: Was tut sich hinter den Gerüsten? – Von Rissen in der Fassade, bröckelnder Ecclesia und einer mittelalterlichen Toilette“ trägt. Ein bisschen Humor schadet nie, oder? Außerdem findet am 30. Mai eine Baustellenführung auf der Südseite des Doms statt, für die man sich anmelden muss. Das Interesse an der Geschichte und den Renovierungsarbeiten ist spürbar, und es gibt viel zu entdecken.
Die Außenrenovierung des Wormser Doms läuft nun bereits seit 25 Jahren. Manchmal fragt man sich, wie viel Geduld und Hingabe nötig sind, um solch ein historisches Erbe in neuem Glanz erstrahlen zu lassen. Es ist ein Prozess, der sowohl die Vergangenheit ehrt als auch die Zukunft gestaltet. So bleibt der Wormser Dom nicht nur ein Ort der Anbetung, sondern auch ein lebendiges Geschichtsbuch, das darauf wartet, von uns gelesen zu werden.