Die Herausforderungen in der Pflegebranche sind vielfältig und betreffen nicht nur Angehörige, sondern auch die gesamte Gesellschaft. Heike Neumann, die im Kreistag Südliche Weinstraße über den kommunalen Datenreport 2025 berichtete, legte in der Sitzung im April in St. Martin dar, wie sich die Pflegesituation im Landkreis entwickelt. Dabei hob Landrat Dietmar Seefeldt hervor, dass unser Landkreis gut aufgestellt ist, jedoch keine Zeit zum Ausruhen bleibt. Es ist von essenzieller Bedeutung, dass die Ortsgemeinden aktiv lokale Pflegeangebote und Einrichtungen schaffen, um den zukünftigen Anforderungen gerecht zu werden.

Ein zentraler Punkt, den Neumann ansprach, ist der Fachkräftemangel in der Pflege. Prognosen zeigen, dass bis 2040 ein Anstieg der Pflegebedürftigen um 24 % zu erwarten ist. In diesem Zusammenhang wird es nötig sein, 90 % der aktuellen Pflegekräfte neu zu gewinnen. Die demografischen Daten belegen, dass in der Südlichen Weinstraße 7,3 % der Bevölkerung 80 Jahre oder älter sind, was über dem Landesdurchschnitt von 7,1 % liegt. Aktuell gibt es statistisch 64,9 Pflegebedürftige pro 1000 Einwohner in SÜW, was unter dem Durchschnitt von 66,5 liegt. Bemerkenswert ist, dass 92,8 % der Pflegebedürftigen in SÜW zuhause leben, was im Vergleich zu 86,7 % im Landesdurchschnitt eine signifikante Zahl darstellt.

Die Rolle der Angehörigen

Ein besonders auffälliger Aspekt ist die Betreuung: In der Südlichen Weinstraße werden 65,1 % der Pflegebedürftigen von Angehörigen versorgt, was rund 4770 Personen entspricht. Nur 16,6 % nutzen ambulante Dienste, was zeigt, dass viele Familien die Pflege ohne externe Hilfe organisieren. Der Sektor der ambulanten Dienste hat zwischen 2019 und 2023 um rund 50 Vollzeitstellen zugenommen, und die Tagespflege erweist sich als ein wachsender Bereich. Neumann betonte die Notwendigkeit, pflegende Angehörige zu stärken und zu entlasten, was als zentrale Aufgabe in der Pflegepolitik angesehen werden sollte.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Weiterentwicklung von Angeboten im Bereich Prävention und Beratung. Lösungsansätze zur Sicherung der pflegerischen Infrastruktur werden in verschiedenen Gremien und Arbeitsgruppen diskutiert. Der kommunale Datenreport analysiert die Pflegelandschaft im Landkreis SÜW und basiert auf Befragungen der Pflegeleistungsanbieter sowie der amtlichen Pflegestatistik. Die Daten beziehen sich auf die Stichtage 15. Dezember 2023 und 31. Dezember 2023 und sind online abrufbar unter www.suedliche-weinstrasse.de/datenreport2025.

Einblick in die bundesweite Situation

Um die lokalen Entwicklungen besser zu verstehen, ist es hilfreich, einen Blick auf die bundesweiten Zahlen zu werfen. Der „Report Pflegebedürftigkeit 2025“, der die Daten aus Pflegebegutachtungen des Medizinischen Dienstes analysiert, zeigt, dass im Jahr 2024 bereits 5,6 Millionen Menschen Leistungen aus der sozialen Pflegeversicherung erhielten – mehr als doppelt so viele wie noch 2014. Dies ist vor allem dem demografischen Wandel und der Pflegereform 2017 geschuldet, die psychische, psychiatrische und kognitive Beeinträchtigungen besser berücksichtigt.

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Ein Anstieg an neuen, insbesondere jüngeren Pflegebedürftigen wurde ebenfalls festgestellt. Über 3 Millionen Pflegebegutachtungen wurden 2024 durchgeführt, was doppelt so viele sind wie vor einem Jahrzehnt. Diese Entwicklungen verdeutlichen, dass fast 90 Prozent der pflegebedürftigen Menschen im eigenen Zuhause leben und oft von Angehörigen ohne ambulante Sachleistungen versorgt werden. Die Erfahrungen der Medizinischen Dienste zeigen, wie wichtig Beratung für Angehörige ist, insbesondere zu Beginn der Pflegebiografie. Zukünftige Pflegebegutachtungen sollten sich verstärkt auf solche Situationen konzentrieren, in denen Angehörige die Versorgung ohne professionelle Unterstützung organisieren.

Die Ergebnisse der Berichte verdeutlichen, wie wichtig es ist, die Pflegeinfrastruktur zu stärken und den Bedürfnissen der Pflegebedürftigen und ihrer Angehörigen gerecht zu werden. Die Herausforderungen sind groß, doch mit gemeinsamer Anstrengung können wir die Qualität der Pflege in der Südlichen Weinstraße und darüber hinaus sichern.