In Könnern, wo die Straßen im Oktober 2024 abgesperrt waren und Wohncontainer den Parkplatz der Kita „Märchenland“ einnahmen, hat ein 40-köpfiges Filmteam von NFP (neue film produktion GmbH) seine Zelte aufgeschlagen. Hier wurde der Film „Mensch Mutti!“ für das ARD-Abendprogramm gedreht, der nun endlich seine Premiere am Freitag, 29. Mai, um 20.15 Uhr feiert. Ursprünglich trug das Werk den Titel „Gerlau Girls“, eine Anspielung auf die beliebte Serie „Gilmore Girls“. Doch wie es oft der Fall ist, wurde der Titel optimiert.

Die Handlung des Films entführt uns in das beschauliche Heimatdorf „Gerlau“, wo die junge Serafina Hopp, eine Primaballerina aus Sachsen-Anhalt, nach dem Tod ihres Vaters zurückkehrt. Sie hat in Paris an der Oper getanzt, doch nun steht sie vor der Herausforderung, das marode Familien-Fitnessstudio vor der Pleite zu retten. Ihre Mutter, die ehemalige DDR-Profiturnerin Christa, hat Schwierigkeiten, den Anforderungen der jüngeren Kundschaft gerecht zu werden. Ein weiteres Hindernis ist die Beziehung zu ihrer Schwester Daniela, die sich nicht um das Fitnessstudio kümmern möchte und enttäuscht über Serafinas Abwesenheit ist.

Filmische Einblicke in Könnern

Die Szenerie des Films ist nicht nur ein Schaufenster für die Geschichte, sondern auch für die Stadt Könnern selbst. Wir sehen bekannte Stadtansichten, wie eine Jogging-Szene am Kleinen Mühlberg oder den Platz vor der alten Feuerwache, der als Markt dient. Auch der Fahrradladen wird zum Schauplatz, der als Bäckerei fungiert. Die nostalgischen DDR-Oldtimer, darunter Barkas und Simsons, verleihen dem Film einen besonderen Charme. Es ist, als ob die Vergangenheit und die Gegenwart hier aufeinandertreffen.

Die Premiere des Films wurde um mehr als anderthalb Jahre verschoben, was natürlich mit den sportlichen Großveranstaltungen der letzten Zeit zusammenhängt. Umso mehr freuen sich die Fans, dass der 89-minütige Film nun endlich zu sehen ist. Die Weltpremiere fand bereits im Spätsommer des Vorjahres beim 21. Festival des Deutschen Films in Ludwigshafen am Rhein statt, und „Mensch Mutti!“ hat sogar die Ehre, für den „Rheingold Publikumspreis 2025“ nominiert zu sein.

Herausforderungen der Filmbranche

Doch während die Vorfreude auf den Film steigt, sieht die deutsche Filmbranche nicht immer rosig aus. Kulturstaatsminister Wolfram Weimer äußert sich besorgt über die Lage der Industrie, die sich in einer schweren Rezession befindet. Laut Umfragen schätzen 85 % der Mitglieder der Produktionsallianz die Lage als schlecht oder sehr schlecht ein. Schrumpfende Budgets und steigende Herstellungskosten setzen der Kreativität zu. Die Bundesregierung plant, ab 2026 die staatliche Filmförderung auf 250 Millionen Euro aufzustocken, während Streaminganbieter und Fernsehsender in den nächsten fünf Jahren rund 15,5 Milliarden Euro in den Filmstandort Deutschland investieren wollen.

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Die Selbstverpflichtung der Anbieter könnte durchaus vorteilhaft sein, da sie unbürokratischer und international besser vermittelbar ist. Diese Absichtserklärung könnte die Branche vielleicht doch noch auf die Beine helfen. Man kann nur hoffen, dass diese Maßnahmen tatsächlich Früchte tragen, denn die Kinos und die Filmproduktion brauchen frischen Wind.

Nach der Erstausstrahlung wird „Mensch Mutti!“ ein Jahr lang in der ARD-Mediathek verfügbar sein, was den Fans die Möglichkeit gibt, die bewegende Geschichte von Serafina und ihrer Familie erneut zu erleben. Und wer weiß, vielleicht wird es ja bald ein weiteres Abenteuer in „Gerlau“ geben.