Der Frühling bringt nicht nur neues Leben in die Natur, sondern auch eine Rückkehr vieler Zugvögel, darunter die faszinierende Rohrweihe. Diese mittelgroße Greifvogelart, die in Deutschland zwischen 48 und 56 cm groß wird, zieht bis Oktober in ihre Überwinterungsgebiete südlich der Sahara und kehrt etwa im März zurück. In den letzten Wochen wurden zahlreiche Fotos veröffentlicht, die Rohrweihen im Flug sowie ihre Gelege in Getreidefeldern zeigen. Doch die Rückkehr dieser beeindruckenden Vögel ist nicht nur ein erfreuliches Naturereignis; sie wirft auch ein Schlaglicht auf die Herausforderungen, denen sie gegenüberstehen.

Die Rohrweihe sucht Brutplätze in Landschaften mit hohem Offenlandanteil, wobei Schilfbiotope und landwirtschaftliche Nutzflächen zu ihren bevorzugten Brutgebieten zählen. In einem bemerkenswerten Projekt, das unter dem Namen „KLARO – Kulturlandschaft für die Rohrweihe im Kreis Warendorf“ bekannt ist, erfasst die NABU-Naturschutzstation Münsterland nicht nur Brutpaare, sondern sucht auch aktiv nach geeigneten Brutstandorten. Um die Gelege, die oft auf Getreide- oder Grünlandflächen liegen, vor den Gefahren der Mahd oder Drusch während der Ernte zu schützen, kommen Wärmebilddrohnen zum Einsatz, ähnlich wie bei der Rettung von Rehkitzen.

Herausforderungen und Schutzmaßnahmen

Die Bedrohungen für die Rohrweihe sind vielfältig: Neben Brutverlusten durch Ernte sind der Mangel an Brutplätzen und der Ausbau der Windenergie ernsthafte Herausforderungen. Im letzten Jahr wurden 44 Gelege auf Nutzflächen festgestellt, von denen bei 25 eine Schutzzone eingerichtet wurde. Diese Schutzmaßnahmen zielen darauf ab, die Vögel während der Erntezeit zu sichern, wobei Ernteausfälle durch Nestschutzzonen nach Richtsätzen der Landwirtschaftskammer NRW entschädigt werden.

Das Artenhilfsprogramm KLARO, das bis Februar 2030 vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMUKN) sowie dem Bundesamt für Naturschutz (BfN) gefördert wird, hat ein Finanzvolumen von 2.774.725 Euro und erstreckt sich über eine Fläche von 131.700 Hektar im Münsterland, speziell im Kreis Warendorf. Ziel ist der Erhalt der Rohrweihe, die als gefährdete Art gilt. Hierzu werden nicht nur Bruthabitate optimiert und neu angelegt, sondern auch die Raumnutzung und das Zugverhalten der Rohrweihe erforscht.

Einladung zur Mitgestaltung

Flächeneigentümer sind herzlich eingeladen, sich an den Pflegemaßnahmen oder Neuanlagen von Feuchtbiotopen zu beteiligen. Der Mindestumfang für solche Feuchtbiotope beträgt 0,5 Hektar und sollte über einen Zeitraum von mindestens 30 Jahren bestehen. Der Fokus liegt auf der Wiederherstellung und Neuanlage naturnaher Lebensräume, die nicht nur der Rohrweihe zugutekommen, sondern auch anderen Arten einen Lebensraum bieten.

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Die NABU-Naturschutzstation Münsterland und die Untere Naturschutzbehörde des Kreises Warendorf arbeiten seit über einem Jahrzehnt daran, die Lebensräume der Rohrweihe zu verbessern. Beobachtungen brutverdächtiger Rohrweihen können unkompliziert per WhatsApp an die NABU-Naturschutzstation gemeldet werden (0163-2119663). Diese Mitteilungen sind ein wichtiger Baustein für den Schutz dieser beeindruckenden Vogelart.

Im Rahmen von Workshops und Projektvorstellungen wird auch die Öffentlichkeit in den Prozess eingebunden, um Bewusstsein für den Schutz der Rohrweihe zu schaffen. Die Wiederherstellung von Lebensräumen ist nicht nur ein Ziel für die Rohrweihe, sondern auch für viele andere gefährdete Arten, die auf die großen Röhrichtbestände in den Verlandungszonen von Teichen, Seen und Feuchtbrachen angewiesen sind.

In einer Zeit, in der viele Arten bedroht sind, wird durch das KLARO-Projekt nicht nur ein wichtiger Beitrag zum Schutz der Rohrweihe geleistet, sondern auch ein Modell für die Übertragbarkeit solcher Maßnahmen in andere Gebiete geschaffen. Langfristig sollen die wiederhergestellten Biotope sichere Lebensstätten für die Rohrweihe und andere Arten bieten und so eine wertvolle Unterstützung für die Biodiversität in Nordrhein-Westfalen darstellen.