Die Landschaft des Kreises Siegen-Wittgenstein ist nicht nur für ihre malerische Schönheit bekannt, sondern auch für ein ernstes gesundheitliches Risiko, das sich hinter den Kulissen abspielt. Insbesondere Menschen, die über Jahre hinweg mit Pflanzenschutzmitteln arbeiten, sind einem erhöhten Risiko ausgesetzt, an Parkinson zu erkranken. Das Parkinson-Syndrom, das durch den Kontakt mit Pestiziden entsteht, ist inzwischen als Berufskrankheit anerkannt. In dieser Region, wo Landwirtschaft, Gartenbau und Forstwirtschaft eine wichtige Rolle spielen, wird diese Problematik immer drängender.

Die IG BAU, die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt, hat daher einen eindringlichen Appell an Ärzte gerichtet: Sie sollen Parkinson-Patienten gezielt befragen, ob ihre Erkrankung möglicherweise auf berufliche Exposition zurückzuführen ist. Doch das Nachweisen ist nicht ganz einfach. Um als Berufskrankheit anerkannt zu werden, müssen Betroffene nachweisen, dass sie mindestens 100 Tage mit chemischen Pflanzenschutzmitteln gearbeitet haben. Diese Chemikalien, darunter Fungizide, Insektizide oder Herbizide, können nicht nur in der Landwirtschaft, sondern auch in der Floristik und im Bauwesen, besonders bei Sanierungsarbeiten, gefährliche Risiken bergen.

Hilfe für Betroffene

Für Beschäftigte, die an Schüttellähmung erkrankt sind, gibt es jedoch Hoffnung. Die gesetzliche Unfallversicherung bietet Unterstützung an, was für viele eine wichtige finanzielle Entlastung darstellt. Außerdem hat die Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau (SVLFG) eine „Parkinson-Hotline“ eingerichtet. Hier können sich Betroffene direkt informieren und Unterstützung anfordern.

Die Situation wurde jüngst durch eine wissenschaftliche Empfehlung des Ärztlichen Sachverständigenbeirats Berufskrankheiten (ÄSVB) aktualisiert. Diese Empfehlung, die im März 2024 veröffentlicht wurde, bestätigt die Anerkennung des Parkinson-Syndroms als Berufskrankheit, die durch langjährig, häufig und selbst angewendete Pestizide entsteht. Am 16. September 2025 wurde die aktualisierte Fassung der Empfehlung beschlossen, und das Bundesministerium für Arbeit und Soziales plant, das Verfahren zur Aufnahme in die Berufskrankheitenliste zeitnah einzuleiten. Das ist ein wichtiger Schritt, um betroffenen Arbeitnehmern mehr Sicherheit und Unterstützung zu bieten.

Berufliche Einwirkungen und ihre Folgen

Doch was heißt das konkret für die Betroffenen? Menschen, die in gefährdeten Branchen arbeiten, sollten sich bewusst sein, dass langjährige und häufige Exposition gegenüber Herbiziden, Fungiziden oder Insektiziden ernsthafte gesundheitliche Folgen haben kann. Tätigkeiten in der Landwirtschaft, im Gartenbau, der Forstwirtschaft oder sogar der Straßenunterhaltung können zu einem Verdacht auf Berufskrankheit führen, sofern die Diagnose und die berufliche Einwirkung nachweisbar sind. Bei Unsicherheiten können Arbeitnehmer ihre berufliche Exposition bei der nächsten medizinischen Vorstellung überprüfen lassen.

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Die Notwendigkeit, dass die Zustimmung des Patienten für die Anzeige eines Verdachts erforderlich ist, macht deutlich, wie wichtig es ist, sich gut zu informieren. Eine Berufskrankheiten-Anzeige kann formlos oder mit einem spezifischen Formtext erfolgen. Und sollte es neue wissenschaftliche Erkenntnisse geben, kann die Anzeige auch mit Zustimmung des Patienten erstattet werden. Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales betrachtet diese Entwicklungen als Grundlage für eine breitere Anerkennung von Berufskrankheiten.

All diese Faktoren zusammen zeigen, wie wichtig es ist, über die Risiken in der Arbeitswelt aufzuklären und Betroffenen die Unterstützung zukommen zu lassen, die sie benötigen. In einer Region wie Siegen-Wittgenstein, wo grüne Berufe eine zentrale Rolle spielen, ist das Bewusstsein für die gesundheitlichen Risiken und die richtigen Schritte zur Unterstützung von Betroffenen unerlässlich. Es bleibt zu hoffen, dass die Initiativen und Empfehlungen der IG BAU und anderer Institutionen Früchte tragen und die Gesundheitsversorgung für alle Beschäftigten in diesen Berufen verbessert wird.