Im Rhein-Kreis Neuss gibt es einen wertvollen Anlaufpunkt für Frauen und Mädchen in Schwierigkeiten: die Frauenberatungsstelle, die seit 1982 unter dem engagierten Dach des Vereins „Frauen helfen Frauen“ tätig ist. Hier wird Hilfe zur Selbsthilfe großgeschrieben. Die Beratungsstelle bietet psychologische und psychosoziale Unterstützung für Frauen ab 14 Jahren, die sich in Problem- oder Notsituationen befinden. Ein offenes Ohr zu finden, ist oft der erste Schritt, um aus einer schwierigen Lage herauszukommen.
Die Bandbreite der Themen, die in der Beratung behandelt werden, ist beeindruckend. Von Trauerbewältigung über Essverhalten bis hin zu Gewaltthemen wie häuslicher Gewalt oder sexualisierter Gewalt – die Mitarbeiterinnen sind für alles da. Im Jahr 2025 suchten 931 Frauen und Mädchen Rat, und mehr als die Hälfte von ihnen hatte geschlechtsspezifische Gewalt erlebt. Das Team, bestehend aus neun Frauen, ist parteilich und nimmt die Anliegen der Ratsuchenden ernst. Zudem wird hier die Schweigepflicht großgeschrieben, was für viele Hilfesuchende eine enorme Erleichterung bedeutet.
Beratungsangebot und Erreichbarkeit
Die Beratung ist freiwillig und unabhängig von Konfession, Familienstand, Nationalität oder geschlechtlicher Orientierung. Auch Transfrauen und nonbinäre Personen sind herzlich willkommen. Es wird kein Therapieangebot gemacht, sondern eine psychosoziale Beratung, die von qualifizierten Sozialpädagoginnen und Sozialarbeiterinnen durchgeführt wird. Der Sitz der Beratungsstelle befindet sich in Neuss, Markt 1-7, und die Öffnungszeiten sind von Montag bis Donnerstag von 9 bis 17 Uhr sowie Freitag von 9 bis 14 Uhr.
Falls es mal nicht passt, gibt es auch Außenstellen in Grevenbroich, Dormagen und Meerbusch, die nach vorheriger telefonischer Anmeldung erreichbar sind. Anonyme telefonische Beratungen sind jederzeit möglich, obwohl viele Hilfesuchende die Präsenzberatung bevorzugen. Der Ablauf der Beratung sieht zunächst ein Erstgespräch vor, gefolgt von einem Beratungsblock, der in der Regel fünf Termine à 45 Minuten umfasst. Bei Bedarf kann dieser auf bis zu 20 Sitzungen erweitert werden. Ein weiterer Pluspunkt: Kristina Schmeinck befindet sich in Ausbildung zur psychosozialen Prozessbegleitung, um Opfer während und nach Verhandlungen zu unterstützen.
Niederschwellige Angebote und Präventionsarbeit
Die Frauenberatungsstelle bietet zudem niederschwellige Angebote, wie die Frauen-Können-Kunst-Gruppe oder monatliche Rechtsvorträge von Jutta Dubberke, einer Fachanwältin für Familienrecht. Informationsveranstaltungen und Workshops in Schulen stehen ebenfalls auf dem Programm – hier wird Präventionsarbeit geleistet, um Gewalt zu erkennen und zu verhindern. Aktionen zu den „Orange Days“ und Plakataktionen zur Aufklärung über Gewaltdynamiken runden das Angebot ab.
In Deutschland gibt es rund 400 Frauenhäuser und über 40 Schutz- oder Zufluchtswohnungen mit mehr als 6000 Plätzen. Die Notwendigkeit solcher Einrichtungen ist evident, insbesondere wenn man bedenkt, dass in vielen Fällen schnelle, unbürokratische Hilfe gefragt ist. Es existieren etwa 750 Fachberatungsstellen für Gewalt gegen Frauen, die alle ihren Teil dazu beitragen, Schutz und Unterstützung zu bieten.
Das Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“ unter der Nummer 116 016 ist rund um die Uhr kostenlos und anonym erreichbar. Hier kann man sich sowohl per Telefon als auch über einen Online-Chat oder E-Mail beraten lassen. Dolmetscherinnen für 18 Fremdsprachen stehen zur Verfügung, sodass Sprachbarrieren kein Hindernis darstellen. Auch für Menschen mit Beeinträchtigungen oder Behinderungen gibt es spezielle Angebote.
Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Vernetzung der Hilfsangebote. Die Frauenhauskoordinierung e.V. wird vom Bundesfamilienministerium gefördert und bietet Kontakte zu Frauenhäusern, während die zentrale Informationsstelle Autonomer Frauenhäuser (ZIF) eine Übersicht über freie Plätze bereitstellt. Das Bundesforum Männer hat ebenfalls eine Beratungslandkarte mit über 300 Angeboten für Jungen und Männer ins Leben gerufen. Die Vielzahl an Hilfsangeboten ist ein Lichtblick, aber der Weg zur Hilfe ist oft ein steiniger.
Die Beratungsstelle im Rhein-Kreis Neuss ist ein sicherer Hafen für viele, ein Ort, an dem Verständnis, Unterstützung und Hilfe bereitgestellt werden. Und das ist in einer Welt, die oft zu wenig Rückhalt bietet, mehr als wertvoll.