Heute ist der 24.05.2026, und während die Sonne über dem Rhein-Kreis Neuss aufgeht, gibt es Themen, die uns alle betreffen, auch wenn wir es oft nicht wahrhaben wollen. Chronische Schmerzen – ein Thema, das für viele Menschen in Deutschland eine ständige Begleitung ist. Über 12 Millionen Deutsche leiden an verschiedenen Formen dieser quälenden Beschwerden, die nicht nur körperlich, sondern auch emotional eine Last darstellen. Chefarzt Tilmann Lewan, der die Klinik für Konservative Orthopädie und Schmerztherapie am St. Elisabeth-Hospital in Meerbusch-Lank leitet, hat sich diesem Thema mit voller Kraft verschrieben.
Am 2. Juni findet der bundesweite „Aktionstag gegen den Schmerz“ unter dem Motto „Bewusstsein schaffen“ statt. Kliniken, Praxen und Pflegeeinrichtungen, zusammen mit der Deutschen Schmerzgesellschaft e. V., werden an diesem Tag auf die weit verbreitete Problematik der Schmerzen aufmerksam machen. Denn viele von uns haben schon mal die schmerzhafte Erfahrung gemacht, wenn Rückenschmerzen den Alltag bestimmen oder Nervenschmerzen uns den Schlaf rauben. Diese Beschwerden sind nicht einfach nur lästig, sie schränken unser Berufs- und Privatleben erheblich ein.
Ein ganzheitlicher Ansatz
Die Klinik in Meerbusch-Lank hat sich auf nicht-operative Behandlungen spezialisiert. Hier werden sowohl akute Schmerzsyndrome als auch chronische Schmerzen behandelt, die mit herkömmlichen Therapien nicht mehr in den Griff zu bekommen sind. Lewan weiß, dass chronische Schmerzen nicht hingenommen werden müssen. Vielmehr ist ein ganzheitliches Behandlungskonzept erforderlich. Die multimodale Schmerztherapie, die in seiner Klinik angeboten wird, vereint medizinische Behandlung, Bewegungstherapie und psychologische Unterstützung. Ziel ist es, Schmerzen zu lindern und die Ursachen besser zu verstehen.
Laut der Deutschen Schmerzgesellschaft leidet in jedem dritten Haushalt in Europa eine Person unter Schmerzen. 39 % der Menschen mit chronischen Schmerzen haben zudem mit Depressionen zu kämpfen. Das macht deutlich, dass es hier um mehr geht als nur um die körperlichen Beschwerden. Schmerzrezeptoren registrieren Verletzungen und senden Signale an unser Gehirn. Wenn akute Schmerzen nicht ausreichend behandelt werden, kann sich ein Schmerzgedächtnis entwickeln, was die Situation noch komplizierter macht. Ein Teufelskreis, aus dem es schwierig ist, auszubrechen.
Fachvortrag und kostenlose Hotline
Am 8. Juli um 17 Uhr findet ein öffentlicher Fachvortrag im St. Elisabeth-Hospital statt. Hier wird das Konzept der multimodalen Schmerztherapie vorgestellt, und jeder ist eingeladen, mehr darüber zu erfahren. Zudem wird am Aktionstag eine kostenfreie Telefon-Hotline der Deutschen Schmerzgesellschaft von 9 bis 18 Uhr bereitgestellt (0800 18 18 120). Ein wichtiger Anlaufpunkt für viele, die Fragen haben oder Hilfe benötigen.
Die Barmer verfolgt ebenfalls einen ganzheitlichen Ansatz in der Schmerztherapie. Eine Studie zeigte, dass nur 20 % der deutschen Krankenhäuser multimodale Schmerztherapie anbieten. Und das, obwohl solche Programme nachweislich die Lebensqualität der Betroffenen steigern können. In der Praxis ist es jedoch oft der Zeitmangel in Arztpraxen, der eine umfassende Behandlung erschwert. Hier gilt es, den Blick zu schärfen und Patienten die Möglichkeit zu geben, sich auf ihren Arztbesuch vorzubereiten – Informationen über ihre Schmerzen und die allgemeine Gesundheit mitzubringen, kann dabei helfen.
Psychologische Aspekte und Selbstwirksamkeit
Ein weiterer Aspekt, der oft übersehen wird, sind die psychologischen, emotionalen und sozialen Faktoren, die die Schmerzempfindung beeinflussen. Negative Emotionen wie Stress, Angst oder Wut sind eng mit körperlichen Schmerzen verknüpft. Ulrike Kaiser, leitende Psychologin am Schmerzzentrum des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein, betont die Bedeutung der individuellen Auseinandersetzung mit Schmerzen. Durch Einzelgespräche und Gruppensitzungen können Verhaltensweisen und Gedankenmuster erkannt werden, die das persönliche Schmerzerlebnis verschlimmern. Die Patienten lernen, ihre Schmerzempfindungen neutraler zu bewerten und entwickeln Strategien, um besser mit ihren Beschwerden umzugehen.
Es ist also ein vielschichtiges Thema, das weit über die reine Schmerzlinderung hinausgeht. Es kommt darauf an, die verschiedenen Facetten zu betrachten – körperlich, psychisch und sozial. So können Patienten nicht nur lernen, besser mit ihrem Schmerz umzugehen, sondern auch ihre Lebensfreude zurückgewinnen. Ein Schritt in die richtige Richtung, den wir alle unterstützen sollten.