Am 5. Juni 2026 fand im Elisabeth-Krankenhaus Rheydt, Teil der Städtischen Kliniken Mönchengladbach, der Aktionstag zur Organspende statt – ein Event, das unter dem Motto „Statement fürs Leben!“ stand. Rund 300 Menschen strömten in die Klinik, um sich mit dem oft tabuisierten Thema Organspende auseinanderzusetzen. Es war ein eindrucksvolles Bild, das sich bot: Menschen, die sich aktiv für das Leben anderer einsetzen wollten.
Die 1. Bürgermeisterin Gülistan Yüksel eröffnete die Veranstaltung mit einem Grußwort und betonte die immense Bedeutung der Aufklärung über Organspende. Im Anschluss daran ließ sich Prof. Dr. Huan Nguyen, der Ärztliche Direktor, nicht nehmen, über die Organspende als ethisches Statement zu sprechen. Für ihn war es mehr als nur eine medizinische Entscheidung – es war ein Dokument der Haltung! Zudem klärte er die Anwesenden über die verschiedenen Aspekte der Organspende auf, während Notfall- und Intensivmediziner Dr. med. Tim Lange und Uwe Baum die internen Abläufe und die Patientenbegleitung erläuterten.
Einblicke in die Transplantationsmedizin
Auch die rechtlichen und ethischen Fragen rund um die Organspende kamen nicht zu kurz. Prof. Dr. med. Kerim Beseoglu erklärte, wie der Hirntod gesetzlich festgestellt wird. Ein Thema, das immer wieder für Diskussionen sorgt, und das nicht ohne Grund: Die Unterscheidung zwischen Lebendspende und postmortaler Organspende wirft viele Fragen auf. Der Hirntod als Kriterium für den Tod des Menschen ist ein umstrittenes Thema, das im Deutschen Ethikrat und in der Gesellschaft immer wieder neu diskutiert wird.
Ein weiteres Highlight war der Beitrag von Prof. Dr. med. Udo Boeken, der interessante Einblicke in die Herztransplantationsmedizin gab. Berichte von Norbert Longerich und Günther Breitenberger verdeutlichten die Bedeutung der Transplantationsmedizin und wie wichtig es ist, darüber offen zu sprechen. In diesem Kontext ist es auch entscheidend, dass wir über die Entscheidungslösung sprechen, die seit 2012 gilt. Diese fordert von den Versicherten eine bewusste Entscheidung zur Organspende, was sicherlich nicht immer leicht ist.
Tattoo-Aktion als Willenserklärung
Ein ganz besonderes Augenmerk lag auf der kreativen Aktion des Tattoo-Studios Art of Eternity: 35 kostenlose „OPTINK“-Tattoos wurden als Willenserklärung zur Organspende gestochen, und Prof. Nguyen war der erste, der sich dieser mutigen Aktion anschloss. Es war ein mutiger Schritt, der zeigt, wie man das Thema Organspende auf eine ganz persönliche Art und Weise anpacken kann. Die Veranstaltung bot zudem eine Plattform, um bei einer Tasse Kaffee und einer leckeren Eiscreme ins Gespräch zu kommen.
Die Städtischen Kliniken Mönchengladbach behandeln jährlich etwa 100.000 Patient:innen und setzen dabei auf innovative Operationsmethoden sowie respektvollen Umgang im Team. Doch trotz der Fortschritte gibt es einen klaren Organmangel in Deutschland, was die Diskussion über die Einführung einer Widerspruchslösung, bei der die Einwilligung zur Organspende vorausgesetzt wird, wieder auf die Agenda bringt. Die gesellschaftliche Wahrnehmung von Organspende wird durch tief verwurzelte Vorstellungen über Leben und Tod beeinflusst.
Schwieriger Weg zur Regelung
Der Weg zu einer klaren rechtlichen Regelung für Organentnahmen war lang und steinig. Bereits 1997 wurde das Transplantationsgesetz verabschiedet, das die Organentnahme bei Toten regelt, jedoch gibt es weiterhin viele offene Fragen und Unsicherheiten. Die gesetzliche Pflicht zur Aufklärung der Bevölkerung über Organspende ist entscheidend, um informierte Entscheidungen zu ermöglichen. Hierbei bleibt die Diskrepanz zwischen der Bereitschaft zur Organspende und der tatsächlichen Dokumentation in Organspendeausweisen ein zentrales Thema.
Ethische Fragestellungen, wie die Freiwilligkeit der Organspende und die gerechte Organallokation, stehen weiterhin im Fokus der Debatten. Die Rolle der Ärzte und die psychische Verarbeitung der Angehörigen nach Erhalt eines Spenderorgans sind ebenfalls Themen, die nicht vergessen werden dürfen. Es bleibt zu hoffen, dass Veranstaltungen wie diese helfen, das Bewusstsein in der Gesellschaft zu schärfen und die Bereitschaft zur Organspende zu erhöhen.