In der beschaulichen Region Minden-Lübbecke steht das beliebte Festival „Hai Mai“ vor einer ungewissen Zukunft. Am Montagabend haben die Veranstalter der Waldfrieden Events GmbH einen Antrag beim Verwaltungsgericht eingereicht, um die Gemeinde Stemwede zu zwingen, eine Entscheidung über die Durchführung des Festivals zu treffen. Die Situation ist angespannt, und die Veranstalter hoffen, dass das Verfahren im Eilverfahren geklärt wird. Trotz der Unsicherheiten läuft der Aufbau auf dem Festivalgelände weiter, und die Mitarbeitenden arbeiten derzeit bis zu 16 Stunden am Tag.
Das Festival, das am 30. April beginnen soll, zieht nicht nur Musik- und Kulturinteressierte an, sondern auch die Medien, die intensiv nach Informationen über den Status der Veranstaltung suchen. Die Bedenken des Kreises Minden-Lübbecke, insbesondere hinsichtlich des Artenschutzes, erschweren die Lage zusätzlich. Eine Befreiung von den Naturschutzauflagen, die für die Durchführung des Festivals entscheidend wäre, wurde in diesem Jahr vom Kreis abgelehnt. Sarah Stücker vom Waldfrieden Kultur e.V. beschreibt die Situation als „schlimmer Schwebezustand“. Derzeit gibt es keinen rechtsfähigen Bescheid, der die rechtlichen Schritte der Anwälte der Veranstalter behindert.
Rechtliche Hürden und Unsicherheiten
Die Ablehnung des Kreises betrifft nicht nur das Hai Mai Festival. Ein ähnliches Schicksal ereilt das MOYN-Festival in Oyten, das seit 2017 jährlich stattfindet, jedoch 2020 und 2021 Corona-bedingt unterbrochen wurde. Dieses Festival bietet ein vielfältiges Musik- und Kulturprogramm, Workshops, gastronomische Angebote und Campingmöglichkeiten. Im Jahr 2023 waren bis zu 4.500 Personen anwesend, wobei 3.500 zahlende Gäste und 1.000 Mitarbeiter die Veranstaltung unterstützten. Das Festivalgelände umfasst etwa 16 Hektar, teilweise im Landschaftsschutzgebiet. Hier sind auch landwirtschaftliche Flächen zu finden, die als Grünland genutzt werden.
Mit einer Ordnungsverfügung und baurechtlichen Nebenbestimmungen konnte das MOYN-Festival 2022 geduldet werden, allerdings lediglich in der bisherigen Größenordnung. Für das Festival 2024 plant die Antragstellerin, die Teilnehmerzahl auf bis zu 6.500 Personen zu erhöhen. Die baurechtlichen Hürden sind jedoch beträchtlich. Eine Untersagungsverfügung, die die Durchführung des Festivals bei Überschreitung von 4.500 Personen untersagt, wurde erlassen. Das Verwaltungsgericht Stade wies einen Antrag auf einstweiligen Rechtsschutz zurück, da der Antragstellerin kein Rechtsschutzinteresse zugesprochen wurde.
Folgen für die Region
Die möglichen Folgen einer Absage des Hai Mai Festivals sind gravierend. Die Veranstalter befürchten Insolvenzrisiken für regionale Gewerbebetriebe, die von den Einnahmen des Festivals abhängig sind. Im Vorjahr wurde das Festival aufgrund von zwei Unfällen, bei denen ein Kind starb, in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt. Dabei war der Verein „Waldfrieden Kultur“ nicht der Veranstalter. Die anhaltenden rechtlichen Unsicherheiten und die ablehnenden Bescheide der Behörden werfen einen Schatten auf die Vorbereitungen und die Vorfreude auf das bevorstehende Event.
Insgesamt zeigt sich, dass die kulturellen Veranstaltungen in der Region Minden-Lübbecke nicht nur von der Begeisterung der Besucher, sondern auch von den rechtlichen Rahmenbedingungen und den Bedenken der Behörden abhängig sind. Die Situation bleibt angespannt, und alle Beteiligten hoffen auf eine baldige Klärung, um die Tradition und das Gemeinschaftserlebnis der Festivals auch in Zukunft zu sichern.